Flüchtlinge für Jobs fit machen

Ximena León übt mit „Xenos“-Teilnehmer Habibulla Saidov die deutsche Sprache am Computer.lFoto:Dietmar Wäsche
Ximena León übt mit „Xenos“-Teilnehmer Habibulla Saidov die deutsche Sprache am Computer.lFoto:Dietmar Wäsche
Foto: Dietmar Wäsche / WAZ Fotopool
Was wir bereits wissen
Xenos-Projekt des Awo CentrumCultur wird zumindest bis zur Mitte dieses Jahres weiterhin gefördert. Damit Kursus „Deutsch für den Beruf“ gesichert

Neues Jahr, neues Glück. Das ist die Devise von Ximena León. Sie ist im Awo CentrumCultur am August-Bebel-Platz verantwortlich für das Projekt „Xenos – arbeitsmarktliche Unterstützung für Bleibeberechtigte und Flüchtlinge“. Also dafür, anerkannten Flüchtlingen und auch Menschen mit ungeklärtem Asylstatus in Beschäftigung zu bringen. Vor einem halben Jahr hatte sie noch gesagt, Anfang 2015 „kommen vielleicht Tränen“. Damals hieß es, die Förderung aus dem Europäischen Sozialfonds laufe Ende 2014 aus.

Nun, sagt das Awo CentrumCultur auf WAZ-Nachfrage, ist die Projektförderung bis Ende Juni 2015 verlängert. Das heißt: Es gibt weiterhin den Kurs „Deutsch für den Beruf“, der anders als die amtlichen Integrationskurse auch nicht-anerkannten Flüchtlingen offensteht. Vielleicht gibt es noch einmal einen Termin zur „Kompetenzfeststellung“ bei der Außerbetrieblichen Ausbildungsstätte Handelskammer Dortmund, darüber verhandelt León noch mit der Institution. Bei der jüngsten Übergabe der Zertifikate, berichtet sie, „waren die Teilnehmer so glücklich und stolz, dass sie das geschafft haben“.

Antrag stellen für ein Folgeprojekt

Nach einer Kompetenzfeststellung, die es in den Bereichen Pflege/Gesundheit, Holz, Metall und Gastronomie gibt, hätten Ausländer, die z.B. in Syrien oder im Irak schon lange gearbeitet haben, eine offizielle und in Deutschland anerkannte Bescheinigung über ihre Fähigkeiten – zusammen mit dem Kursnachweis „Deutsch für den Beruf“ ein starker Pluspunkt bei potenziellen Arbeitgebern und der Ausländerbehörde, sagt León.

Der Nachweis eines Arbeits- und Ausbildungsplatzes wiederum ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Bleiberecht. Um die Eingliederung von Flüchtlingen zu erleichtern, ist im November 2014 die Gesetzesänderung „Arbeitsmarktzugang für Flüchtlinge nach drei Monaten“ in Kraft getreten: Nun dürfen auch Asylbewerber und sogenannte Geduldete nach drei Monaten in Deutschland arbeiten; abgelehnte Asylbewerber, deren Abschiebung z.B. in ein Kriegsland wie Syrien ausgesetzt wurde, müssen die Arbeitserlaubnis zunächst beantragen.

Wie es nach Auslaufen der nun verlängerten Förderung weitergeht, ist indes unsicher. Das Awo CentrumCultur bereitet einen Antrag für ein Folgeprojekt vor, wieder beim Europäischen Sozialfonds, sagt Mustafa Calikoglu, Leiter der Einrichtung. Das erhoffte Folgeprojekt sei dem bisherigen ähnlich, es soll aber „etwas straffer“ sein.

Statt wie bisher einer ganzen Stelle sind zwei halbe Stellen angestrebt, eine Hälfte für die Migranten-Zielgruppe und eine für noch engere Verzahnung mit Jobcenter, Arbeitsagentur und IHK. So sollen das Wissen über den genauen Bedarf der Betriebe und der gute Zugang der Awo zur Zielgruppe optimal zusammengeführt werden.

Zielmarke ist für Calikoglu, bis 2018 „400 bis 500 Leute“ in Ausbildung, Vollzeit- und Teilzeitarbeit oder in die Selbstständigkeit zu bringen. Das ist der Wunsch. Ob das ab Juli Realität wird, hängt aber vom Bescheid des Europäischen Sozialfonds ab.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, das das Projekt „Xenos“ deutschlandweit koordiniert, hat der Wattenscheider WAZ angekündigt, noch innerhalb dieser Woche eine Einschätzung zum bisherigen Erfolg der Wattenscheider/Bochumer Xenos-Arbeit abgeben zu wollen.