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Heinz-Günter Nikoleit steht nach der Insolvenz wieder auf

Ein Experte für Glück und Glas

12.08.2009 | 16:56 Uhr
Ein Experte für Glück und Glas

Glück und Glas, wie leicht bricht das . . . Heinz-Günter Nikoleit könnte einen Roman über Sinn oder Unsinn jener Volksweisheit schreiben, denn er hat sie an eigenem Leib erfahren, mit eigener Seele durchleiden müssen.

Nach einer siebenjährigen, nun von Amts wegen abgeschlossenen Geschäfts- und Privat-Insolvenz kehrt eine der schillerndsten Persönlichkeiten Wattenscheids dorthin zurück, wo vor 35 Jahren ein steiler unternehmerischer Aufstieg und späterer tiefer Fall ihren Anfang nahmen; zur Saarlandstraße 7. Dort eröffnet Heinz-Günter Nikoleit heute ein Fachgeschäft, das er, als Reminiszenz an die guten alten Zeiten, wie damals „Glaskiste” nennt.

Hinfallen ist keine Schande

Der inzwischen 62 Jahre alte Unternehmer will es noch einmal wissen. „Hinfallen ist keine Schande, liegen zu bleiben schon”, sagt der gebürtige Gelsenkirchener, bekennende Wahl-Wattenscheider und ehemalige Sportmäzen.

Wenn es um den Umgang mit fragilen Wirtschaftsgütern geht, galt und gilt Heinz-Günter Nikoleit weltweit als Experte. Das spiegelt sich auch im Sortiment der „Glaskiste” wider. In seinem kreativ und innovativ, mit viel ansprechendem Ambiente gestalteten Verkaufsraum hat der 62-Jährige neben Leonardo, Asa, Fink und Ethnicraft alles aufgeboten, was bei Glasprodukten einen klingenden Namen hat. „Ich setzte weiterhin auf Qualität”, unterstreicht Nikoleit. „Und ich bin sicher, dass man mit diesem Anspruch auch in Wattenscheid Erfolg haben kann.”

Traumfabrik machte vielerorts Schule

Mit seiner „Traumfabrik” schrieb Heinz-Günter Nikoleit ab 1994 eine medienwirksame, außergewöhnliche Erfolgsgeschichte. Seine Geschäftsidee fand an 68 Standorten in der Bundesrepublik Nachahmer. Doch sechs Jahre später gingen an der Berliner Straße die Lichter aus; Nikoleit, der in die Haute volée der Unternehmerschaft im Ruhrgebiet aufgestiegen war, fiel tief. „Ich konnte damals meinem Anspruch, es der ganzen Welt beweisen zu wollen, nicht mehr gerecht werden. Letztlich bin ich daran gescheitert”, räumt der 62-Jährige strategische Fehler ein.

Anfangs geheult wie ein Hund

Der „stolze Reiter”, als der Heinz-Günter Nikoleit damals galt – „ich konnte mir schlicht und einfach alles leisten und habe das auch gezeigt” – fiel von der Leiter, als er sein wirtschaftliches Scheitern erkennen und akzeptieren musste. „Am Anfang habe ich geheult wie ein Hund.” Und dann? „Letztendlich blieb mir ja nichts anderes übrig, als mich mit meinem Schicksal anzufreunden”, blickt Heinz-Günter Nikoleit zurück. Und dann erzählt er: „Ich habe in den sieben Jahren meiner Insolvenz viel, ja sehr viel lernen müssen, zum Beispiel auch, mit sehr wenig Geld auszukommen. Aber ich habe dadurch erfahren, dass ein Mensch eigentlich nicht viel braucht, um sein Leben zu gestalten und zufrieden zu sein.”

Ist der Glasexperte durch seine Insolvenz ein zerbrechlicher Mensch geworden? „Nein”, sagt der 62-Jährige. „Ich habe immer noch sehr viel unternehmerischen Ehrgeiz, will aber anderen nichts mehr beweisen und bin viel gelassener geworden.”

Und was ist mit den Träumen, die in seiner Traumfabrik zu Schäumen wurden? „Meine Lebenszeit ist fortgeschritten”, anwortet Heinz-Günter Nikoleit. „Ich wünsche mir, noch lange gesund zu bleiben und in Wattenscheid, wo ich mich zuhause fühle, unternehmerisch bestehen zu können.”

Info: www.Glaskiste-Wattenscheid.de

Ferdi Dick



Kommentare
13.08.2009
11:57
Ein Experte für Glück und Glas
von denkmal | #1

So spielt das Leben. Sehr menschlich und sehr einfühlsam geschrieben. Ein Lob an den Redakteur.

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