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Fangewalt

„Ein echter Schlag ins Kontor“

20.02.2012 | 17:34 Uhr
„Ein echter Schlag ins Kontor“
Wattenscheider Hooligans stürmten nach dem Auswärtssieg der SG 09 das Wittener Jugendzentrum „Freeze“ und ließen ihre Aggressionen an Menschen und Mobiliar aus.

Wattenscheid.   Gewaltbereite Fußballfans aus Wattenscheid randalierten nach Auswärtssieg ihrer SG 09 in einem Wittener Jugendheim. Der Verein droht nun mit Stadionverbot.

Wattenscheider Hooligans haben nach dem Auswärtssieg gegen den Wittener TuS Heven Jagd auf Hevener Fans gemacht und in einem Jugendzentrum Unbeteiligte verletzt und Schaden angerichtet. Das teilte die Polizei bereits am Sonntag mit.

Wattenscheider verfolgten Hevener Fans

„Man ist zu zehnt unterwegs und trifft auf Fans des Gegners, und das eine Wort ergibt das andere“, das gehe gerade beim Fußball schnell, bedauert der Fanbeauftragte der SG, Stefan Dörfler. So ähnlich muss es sich am Freitagabend zugetragen haben: Eine Gruppe von ca. 20 SG-09-Fans hätten auf dem Weg zur Straßenbahn „andere Fans, die in Hevener Trikots unterwegs waren, in irgendeiner Form verfolgt“, rekonstruiert der TuS-Vorsitzende Paul Rehwinkel.

Die Hevener hätten nebenan im Jugendheim „Freeze“ Zuflucht gefunden. Als die Wattenscheider Verfolger eindrangen, sei dort die Eingangstür zu Bruch gegangen. Es seien auch ein Barhocker geflogen und eine Bank beschädigt worden. So wurden Gäste und Mitarbeiter des Jugendheims – obgleich am Fußballspiel unbeteiligt – in den Fanstreit hinein gezogen.

Der Wittener Jugendamtsleiter Michael Lüning berichtet weiter: Mit den männlichen Gästen habe sich Jugendzentrumsleiter Martin Schrage hinter der Stahltür seines Büros in Sicherheit gebracht. Die Mädchen seien dagegen aufs Mädchenklo geflüchtet, wo die Hooligans ihnen mitteilten, sie täten ihnen nichts, weil sie Mädchen seien.

Verletzungen und 600 Euro Sachschaden

Einen Sachschaden von 600 Euro hat die Polizei festgestellt. Ein Mitarbeiter des Wittener Ordnungsamtes spricht von „mehreren verletzten Personen“. Mehrere Zeugen berichten von einer Mitarbeiterin des Jugendhauses, die Schläge habe einstecken müssen. Lüning vom Jugendamt sagt darüber: Sie habe eine Jochbeinprellung und eine Verletzung am Handgelenk davon getragen, als sie sich vermittelnd zwischen die Streitenden gestellt habe. „Sie ist eine taffe Person, die auch Kampfsport betreibt.“ Bei den Hooligans seien aber „ein paar Kaliber dabei gewesen, die sich davon wenig beeindruckt zeigten.“

Zur Ehrenrettung der Wattenscheider berichten Zeugen, dass andere Fans, erkennbar welche von der SG 09, die Situation deeskaliert hätten. Durch Zureden hätten sie die Hooligans „zur Besinnung gebracht“ und überzeugt, mit ihnen zur Bahn zu gehen.

Straßenbahn gestoppt und durchsucht

Die Polizei musste 17 Beamte und einen Polizeihund aufbieten, eine Straßenbahn der Linie 310 stoppen und sie rund eine halbe Stunde lang festhalten, um sechs tatverdächtige Wattenscheider Fans (zwischen 20 und 40) festzusetzen. Unter ihnen einen bereits aktenkundigen 21-Jährigen, der laut Polizei die Randale angezettelt haben könnte. Gegen alle wird nun wegen Landfriedensbruch ermittelt.

Dabei hatte der verdiente Auswärtssieg den Wattenscheidern wirklich keinen Grund zum Frust gegeben, wundern sich der Wattenscheider Teammanager Marco Ostermann und der Hevener Vorsitzende Paul Rehwinkel gemeinsam. Die Stimmung sei „überhaupt nicht aufgeheizt“ gewesen, urteilt Dörfler. Unter den 400 bis 500 SG-Fans seien keine Personengruppen dabei gewesen, die gezielt auf Ärger aus gewesen seien, sagt Dörfler. „Die ganz großen Chaoten“, von denen er etwa vier kenne, seien diesmal nicht dabei gewesen.

Auch Rehwinkel vom Wittener Verein spricht von einem friedlichen Spiel, auch wenn ein Fan nach dem Spiel eine Eckfahne mitnehmen wollte. Kinkerklitzchen, resümiert er angesichts der anschließenden Randale. „Kein aggressives Spiel, paar gelbe Karten, sportlich gesehen in Ordnung. Die Wattenscheider haben Stimmung gemacht, wie das jedem Verein zusteht.“ Einige hätten Pyrotechnik gezündet, sodass die Wattenscheider Tribüne hellrot leuchtete. Nach einer Lautsprecher-durchsage sei da aber Ruhe gewesen.

SG 09 distanziert sich von den Tätern

„Von Vereinsseite tiefes Bedauern für das Verhalten einiger Fans“, drückt es der SG-09-Teammanager Marco Ostermann aus, und nimmt damit auch die friedfertige Mehrheit in Schutz. Gerade weil die SG als Verein „für Werte wie sozialverträgliches Verhalten wirbt und sportlich zur Zeit alles top läuft“, sei so ein Zwischenfall „ein echter Schlag ins Kontor, eine Katastrophe. Hinterher kommt wegen 25 Deppen der ganze Verein in Verruf.“ Der Verein distanziere sich in jeglicher Form von dieser Fangewalt. „Wir nehmen die Sache sehr ernst, und wenn die Polizei uns die Namen der überführten Täter gibt, werden wir das auch vereinsintern maßregeln: mit Stadionverbot.“

Fabian May

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Kommentare
23.02.2012
15:28
„Ein echter Schlag ins Kontor“
von SGW09 | #2

http://www.reviersport.de/184670-sg-wattenscheid-wahrheit-bleibt-dunkeln.html
In dem Bericht vom Reviersport steckt schon viel mehr Wahrheit.

21.02.2012
15:20
„Ein echter Schlag ins Kontor“
von SGW09 | #1

Zunächst mal möchte ich festhalten, dass Gewalt beim Fußball nichts zu suchen hat und dass einige SG-Fans sicherlich Mist gebaut haben.
ABER: Die Ausschreitungen nach dem Spiel hatten mit dem Fußballspiel an sich nicht mehr viel zu tun. SG-Fans wurden auf dem Rückweg von mehreren Jugendlichen angepöbelt und beleidigt. Diese hatten sich nach dem Spiel vor dem besagten Jugendtreff zusammengerottet (möglich, dass einige davon auch beim Spiel selber waren). Bei einem dieser Jugendlichen wurde ein Schlagring sichergestellt, sie waren also nicht zum Kaffeetrinken gekommen! Es war der Auftakt zum Karnevalswochenende, daher waren einige SG-Anhänger alkoholisiert und gingen auf die Provokationen ein. Ein 09er wurde von einer Billiardkugel am Kopf getroffen und musste ins Krankenhaus. Trotzdem ist das Verhalten einiger Fans nicht zu entschuldigen. Hooligans (Kategorie C Fans) gibt es in Wattenscheid nicht und alle Artikel zu diesem Thema kommen bisher einer Vorverurteilung gleich!

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