Das aktuelle Wetter Wattenscheid 9°C
WAZ-Serie: Mein Revier

Dorfsheriff kennt jeden Winkel

10.02.2012 | 17:35 Uhr
Dorfsheriff kennt jeden Winkel
Frank Langkau kennt in Günnigfeld so ziemlich alles und jeden. Foto: Thomas Schild / WAZ FotoPool

Wattenscheid.Frank Langkau ist Polizist. Sein Revier: Günnigfeld. Jeden Tag patrouilliert er hier. Die WAZ hat ih begleitet.

Sie waren nur zwei Stunden weg. Und doch blieb den Dieben genug Zeit, um das Fenster aufzubrechen und das ganze Haus auf den Kopf zu stellen. Laptop, zwei Handys, IPod – alles weg. „Wer denkt denn schon daran, dass sowas am helllichten Tag passiert?“, fragt Aydin Köktörk (37).

Schon zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres stiegen Kriminelle bei seiner kleinen Familie ein. Das Schlimmste: Sohn Tayfun (10) hat nun Angst in seinem eigenen Zuhause. „Der hat das natürlich mitgekriegt, dass hier Fremde waren“, sagt sein Vater. Die vielen Einbrüche versetzen Günnigfeld und Umgebung in Furcht. An manchen Tagen wird die Polizei gleich zu zwei Einbrüchen im selben Haus gerufen.

Traumata nach einem Einbruch in die eigene Wohnung – Frank Langkau (54) erlebt das oft. „Es gab schon Fälle, da musste ich die Leute zum Arzt schicken“, sagt der Mann, den sie in Günnigfeld „Dorfsheriff“ nennen. Langkau patrouilliert täglich im Wattenscheider Norden. Er sagt: „So viele Einbrüche wie in diesem Winter habe ich noch nie erlebt.“ Dabei steht die gefährlichste Zeit noch bevor. Langkau erwartet, dass die Kriminellen an den traditionellen Karnevalstagen besonders häufig zuschlagen werden.

Langkau kennt sich aus in seinem Revier, hat es irgendwie lieb gewonnen. Der gebürtige Wattenscheider ist seit fast 40 Jahren Polizist. Als er 1999 von der Wache Linden zurück nach Wattenscheid kam, war er der richtige Mann am richtigen Ort. In Günnigfeld brauchten sie einen erfahrenen Beamten, einen, der schnell Kontakt zu den Leuten aufbaut.

Mittlerweile ist er zu einem „Kümmerer“ geworden. Langkau kennt seine Günnigfelder, im Stadtteil jeden Winkel, und sie kennen ihn, haben Vertrauen zu ihrem Polizisten. Das hat zuweilen auch Nachteile, denn wenn er in der Nähe sei, „dann fährt keiner mit dem Fahrrad auf dem Gehweg, dann sind alle Hunde angeleint. Man sieht mich in der Uniform nun mal schon von weitem kommen.“

Er kann vermitteln. Als der Platz vor der Herz-Mariä-Kirche vor ein paar Jahren zu einem Treffpunkt für Jugend-Gangs wurde, bereitete das vielen Anwohnern Sorgen. Langkau weiß um Günnigfelds mitunter schlechten Ruf und die Angst vor Banden. Er sprach sich mit dem zuständigen Streetworker ab, die Jungen und Mädchen treffen sich nun in dem als Anlaufpunkt für Jugendliche genutzten Container im Kruppwald – und seitdem ist Ruhe. Treffpunkte sind eben wichtig fürs Stadtteilleben. Langkau denkt gerne an vergangene Zeiten zurück, als es noch Kneipen, Kioske und Cafés zuhauf gab. Daran fehle es heute. Langkau findet das „schade“.

Jonas Erlenkämper

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6336849/create

Aktuelle Fotos und Videos
Weltspieltag
Bildgalerie
Spielfest
Ein Platz nicht nur für Kinder
Bildgalerie
Spielplatz
Abenteuerspielplatz
Bildgalerie
Modellprojekt
Rundgang im Thorpe Museum
Bildgalerie
Heimatmuseum
Aus dem Ressort
Bei den „Fotografien – Alfred Winter“ steht immer der Mensch im Fokus
WAZ-Ausstellung
Jetzt ist sie in Wattenscheid: die Ausstellung „Alfred Winter – Fotografien“. Über ein halbes Jahr lang zeigte das Bochumer Stadtarchiv, Zentrum für Stadtgeschichte, diese Ausstellung – mit viel Erfolg und großer Resonanz. Doch muss „WAZ-Winter“ natürlich auch in Wattenscheid ausstellen. Und wo?
Neues Projekt für Kinder
Benefizkalender
„Große Herzen für kleine Kinder“ lautet das Motto der Benefizkalender-Aktion, die seit Jahren eine Erfolgsstory ist. Auch die 7. Auflage „WAT ein Panorama 2012“ hat viel Geld für die Kinder- und Jugendarbeit der evangelischen Kirchengemeinde Wattenscheid eingebracht. 10 000 Euro kamen diesmal