Die letzte Kelle ist geschöpft

Monika Gräber (65, li.), Klaus Gützlag (52) und Maria Stotzek (82) sorgen letztmalig für volle Teller an der Swidbertstraße.
Monika Gräber (65, li.), Klaus Gützlag (52) und Maria Stotzek (82) sorgen letztmalig für volle Teller an der Swidbertstraße.
Foto: Haenisch / Funke Foto Services

Wattenscheid..  Ein letztes Mal klapperten die Teller. Ein letztes Mal schöpfte Maria Stotzek den Gulasch aus dem großen Topf – nach fast 20 Jahren als ehrenamtliche Helferin. Ein letztes Mal bekam Bernhard seine warme Mahlzeit an der Swidbertstraße: Dort stellte mit dem Jahreswechsel der Betreute Mittagstisch für Wohnungslose den Betrieb ein.

Noch einmal kamen dazu rund 50 Gäste und nahmen Abschied von der Einrichtung. „Ich habe so das Gefühl, dass die meisten Besucher und auch die Helfer lieber hier geblieben wären“, fasste Mitarbeiter Heiko Werfel von der Diakonie die Stimmung zusammen. Klar war und ist aber allen Beteiligten, dass der Standort Swidbertstraße keine Zukunft haben kann. „Das Gebäude ist nun einmal zu marode“, betonte Werfel.

Charme vergangener Tage

Doch versprüht es mit den zur Verfügung stehenden Räumlichkiten eben einen gewissen Charme. Eine Atmosphäre, die geschätzt wurde. „Gemütlich“, wie Besucher auch am letzten Tag meinten. Dort fanden sie genau die Behaglichkeit vor, die ihnen in ihrem Alltag oftmals fehlt. Obschon kaum noch Obdachlose zum Mittagstisch gegangen seien. „Es kommen eher Menschen ohne Familie, arme Rentner, Empfänger von Hartz IV“, schilderte Werfel.

Für ihn und die weiteren haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter heißt es jetzt, den Umzug zur Sommerdellenstraße zu stemmen. Im großen DRK-Haus soll am 12. Januar das erste Essen auf dem Tisch landen. „Ein kurzes Zeitfenster; und viel Arbeit liegt noch vor uns“, warf der 51-Jährige einen Blick voraus. Auch auf neue Möglichkeiten, immerhin erhält die Einrichtung frisch renovierte Räume, eine neue Küche, taugliches Mobiliar. „An der Swidbertstraße mussten wir ja eher mit Sperrmüll arbeiten.“

So kommt dann doch ein bisschen Freude auf, wenn das Helferteam in die Zukunft schaut. Die 20 Ehrenamtlichen haben allesamt angekündigt, den Weg Richtung Sommerdelle mitzugehen. „Die meisten von ihnen kommen mit dem Bus. Feiertags müssen wir dann wohl mal ein Taxi spendieren“, kündigte Werfel bereits an.

„Ich hoffe nur, auch unsere Gäste bleiben uns erhalten. Die Sommerdelle liegt ja eher dezentral“, wusste Maria Stotzek dagegen noch nicht einzuschätzen, wer weiter den Weg findet. Und auch für die Helfer selbst ändert sich noch mehr: Bisher agierten Koch- und Ausgabeteam getrennt voneinander. Ein Vorteil vor allem für diejenigen, die etwas Gutes bewirken wollten, aber den direkten Kontakt ein wenig scheuten. Werfel: „Jetzt rücken wir in einem Raum zusammen. Aber das kriegen wir hin.“