Der Natur freien Lauf lassen

Sina Friedrich erläutert die Renaturierung.
Sina Friedrich erläutert die Renaturierung.
Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Wattenscheid..  Alles fließt. Der Lehrsatz Heraklits gilt ab sofort auch wieder im Höntroper Südpark. Denn aus den alten Teichen ist in sieben Monaten Bauzeit ein neuer Bachlauf geworden, rund 530 000 Euro kostete die zeitgemäße Renaturierung auf 700 Metern von Schwimmbad bis Spielplatz. Nachdem die Bagger bereits vor einigen Wochen abrückten (die WAZ berichtete), ist die Umbaumaßnahme nun auch offiziell abgeschlossen.

Das Projekt im Wattenscheider Süden gilt dabei auch als Kompensationsmaßnahme für ein neues Regenrückhaltebecken an der Hanielstraße, wie Landschaftsarchitektin Sina Friedrich vom Grünflächenamt der Stadt schildert. Daher sei es nötig gewesen, alle drei Teiche zurückzubauen. „Sie hatten aber keine große ökologische Wertigkeit“, betont Friedrich. Allein 2700 Tonnen Schlamm seien ausgebaggert worden, nur an der Oberfläche habe es noch Wasser gegeben. „Die Fische, die da waren, gehörten hier nicht hin.“ Trotzdem sei vor der Trockenlegung auf den Tierschutz geachtet worden.

„Die Renaturierung gilt als Startschuss dafür, dass sich die Natur wieder selbst zurecht findet, sich entwickelt“, sagt Friedrich. So könnte die eine andere Stelle noch „unfertig“ aussehen, doch würde sich dies im Laufe der Zeit automatisch wandeln. In der Mitte der neuen Anlage befindet sich der kleine Bachlauf, daneben sei Platz geschaffen worden für Blänken, also wechselnde Wasseransammlungen. Abgetrennt vom eigenen Bachlauf bilden sie ideale Voraussetzungen für die Entwicklung von Kaulquappen, was derzeit im Südpark unübersehbar ist.

Zum natürlichen Teil des Umbaugebietes gehört zudem eine Furt, die zwar „eine Barriere darstellt“, wie Friedrich zugibt, aber für Fußgänger auch an einem sehr steilen Hang endet. „Aus diesem Grund haben wir uns für diese natürliche Variante und gegen eine Brücke entschieden.“

Der technische Abschnitt beginnt wiederum am Hallenfreibad. Auf rund 29 Liter pro Sekunde sei der Bachlauf im Durchschnitt ausgerichtet, auch ein Jahrhundertregen könne aber aufgefangen werden. Dafür sorgt etwa hinter dem Eingang zum Schwimmbad in Richtung Spielplatz ein Ersatzlaichgewässer. Am Ende wird der Bach, sofern er den porösen Boden überhaupt vollständig durchlaufen konnte, von einem Damm gedrosselt, der eine nicht verstellbare, kleine Öffnung aufweist und so stets nur eine bestimmte Menge Wasser hindurch lässt.

„Trotz der beengten Verhältnisse, vor allem am Hallenfreibad, konnten wir ein durchgehend offenes Gewässer schaffen. Das war schon eine Herausforderung“, blickt Friedrich zurück.

Auch die zahlreichen Spaziergänger im Südpark sind nun froh, dass der Umbau beendet ist. Denn vor der Renaturierung erschien das, was einst als kleine Oase im Wattenscheider Süden galt, mehr und mehr als Schandfleck, als Schmuddelecke. Sogar Löcher hatten sich vor gut einem Jahr gebildet, wohl aufgrund einer Undichtigkeit an den Dämmen. Seit 2012 wurde bereits über einen Rückbau der Teiche nachgedacht, ein notwendiger und richtiger Schritt, wie sich jetzt im Nachhinein, nach Fertigstellung umso deutlicher zeigt. „Was hier gemacht wurde, ist super“, teilt daher auch Anwohner Helmut Dressler der WAZ mit.