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Comicautor will die wirklich wahre Geschichte des Ruhrgebiets zeigen

09.10.2012 | 06:49 Uhr
Comicautor will die wirklich wahre Geschichte des Ruhrgebiets zeigen
Comic-Zeichner Ralf Marczinczik will nichts beschönigen bei seiner Graphic Novel.Foto: dapd

Essen.  Er hat Computerspiele wie "Das Moorhuhn" entworfen, nun will er sich der Geschichte des Ruhrgebiets widmen: Der Wattenscheider Ralf Marczinczik will die ungeschönte Wahrheit über Arbeitsbedingungen im Ruhrgebiet zeigen. Seine Hauptperson: ein elfjähriger Junge, der in der Zeche arbeiten muss. Die ersten Seiten seiner Graphic Novel sind bereits online zu sehen.

Seine Welt sind eigentlich die Spiele. Viele bekannte Computerspiele wie "Die Siedler" oder "Das Moorhuhn" hat Ralf Marczinczik entworfen. Doch nun hat er sich eine neue Aufgabe gesetzt: Er will die Geschichte des Ruhrgebiets in einem Comic erzählen – die wahre Geschichte, wie er sagt. Seine Hände fliegen über das weiße Papier. Er setzt kaum den Stift auf und aus wenigen feinen Strichen entsteht ein Bild. Aus zwei großen Fenstern fällt Licht auf seine Schreibtischlandschaft, wo sich Entwürfe, zwei große Bildschirme und unzählige Sammelfiguren aus der Comicwelt den Platz teilen.

"Zeichnend konnte ich meine Gedanken schon immer am Besten bündeln. Andere schreiben Tagebücher, ich setze mich an einen Schreibtisch", sagt der 45-Jährige. Sein Geld verdient er seit den 1990er-Jahren mit der Erstellung von Grafiken für neue Spiele. "Es ist wirklich unglaublich, welche Entwicklung die Branche in den letzten Jahren erfahren hat", sagt der gebürtige Wattenscheider. Die Technik sei heute in der Lage, die kühnsten Fantasien der Grafiker aus den 1990er-Jahren mit wenigen Klicks möglich zu machen.

Harter Alltag im Ruhrgebiet

Doch diese Erfahrungen scheinen ihn nicht mehr ganz auszufüllen. Neben seiner regulären Arbeit zum Lebensunterhalt arbeitet der Bochumer seit einiger Zeit an einem neuen Projekt. Er möchte sein zeichnerisches Talent nutzen, um die Geschichte der Bergarbeiter im Ruhrgebiet zu erzählen. "Was weiß man denn schon über diese Zeit? Alles, was wir in den Museen sehen, ist so schrecklich romantisiert", kritisiert Marczinczik. Er wolle in seinem Comic "Weiße Lügen" zeigen, wie rau die Sitten, wie hart der Alltag in Wahrheit gewesen seien.

Die Hauptperson: ein Elfjähriger, der die Welt mit Kinderaugen anschaut.Foto: dapd

Der Held seiner Geschichte ist ein kleiner Junge, der bereits mit elf Jahren auf einer Zeche schuften muss und die Welt aufgrund seiner mangelnden Schulbildung mit völlig unerfahrenen Augen betrachtet. "Die Geschichte verschweigt die wirklichen Arbeitsbedingungen gerne, da möchte ich kreativ ansetzen", sagt der 45-Jährige.

Graphic Novel mit höherem Anspruch als Comics

Die ersten Seiten des Werks sind bereits auf Marczincziks Internetseite zu sehen. Etwa 250 Seiten soll sein fertiges Buch einmal haben. Und er hofft, dass sich seine Arbeit dann auch gelohnt hat, sein Werk wertgeschätzt wird. Deshalb nennt er das, was er herstellt, auch nicht Comic, sondern Graphic Novel. Denn Comic bedeute für viele, dass es sich um ein paar preiswert produzierte Seiten mit mauen Kindergeschichten handele. Graphic Novels hätten hingegen schon Pulitzer Preise gewonnen, betont Marczinczik. "Und das völlig zu Recht, da sie erzählerisch und grafisch wirklich herausragend waren. Und das soll mein 250-Seiten-Werk schließlich auch sein."

Marczinczik arbeitet mit Stift und Papier und am Computer.Foto: dapd

Auch das Goethe-Institut beschäftigt sich seit einigen Jahren mit der Entwicklung der deutschen Comic-Szene. Eine Münchner Institutsmitarbeiterin Rieke Harmsen sagt: "Comics haben längst eine breite Leserschaft in der Gesellschaft gefunden und sind für eine multimediale Vermittlung geradezu perfekt geeignet." Projekte wie "Weiße Lügen" seien hier wegweisend, da sie die Begeisterung für Comics mit lokalem Bezug mit den Verkaufswegen des Internets verknüpften. "So etwas gibt es auf dem deutschen Comic-Markt einfach noch nicht." (dapd)


Kommentare
09.10.2012
08:32
Comicautor will die wirklich wahre Geschichte des Ruhrgebiets zeigen
von DrDr | #1

Na, da bin ich mal gespannt. Kinderarbeit unter Tage war ab 1854 im Ruhrbergbau verboten!

1 Antwort
Comicautor will die wirklich wahre Geschichte des Ruhrgebiets zeigen
von agent_orange53 | #1-1

ich bin genau so gespannt, da ich die Geschichte seit den 50ern selbst miterlebt und die Zeit vorher sowohl von Eltern, als auch Großeltern eindrucksvoll geschildert bekam. Ich kenne die Geschichte aus Sicht einiger Bergmannsfamilien bis in das Jahr 1860

11jährige Kinder unter Tage kommen da nicht vor....

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