Carreras de Gansos
16.08.2010 | 17:41 Uhr 2010-08-16T17:41:00+0200
Wattenscheid.Nach der Calla de Hoentrop kündet nun auch ein Parque de Wattenscheid von dem vor 50 Jahren geknüpften Band der Freundschaft zwischen den Höntroper Gänsereitern und denen aus El Carpio de Tajo. Alles gansos oder was?
Dass es in dem kleinen Örtchen in der Nähe von Toledo aus Anlass des Jubiläums auch einen Parque de Bochum gibt, mag den Wattenscheidern spanisch vorkommen, ist aber auf höchster Ebene der Kommunalpolitik eingestielt worden. „Als unsere Freunde vor zwei Jahren bei uns zu Gast waren, hat es auch eine längere Begegnung zwischen Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz und dem Alcalde Pablo Benavente Baltasar gegeben“, erzählt der Oberschulte der Höntroper, Heinrich Strack. „Die haben sich dann wegen der besonderen Gegebenheiten auf die Widmung von zwei Grünflächen verständigt.“ Dann lacht der 56-Jährige Blaukittel, weil er berichten kann: „Ich habe mit Freude zur Kenntnis genommen, dass der Parque de Wattenscheid größer und schöner ist als der Bochumer.“
Heinrich Strack und das amtierende Königspaar, Guido Ortwein und Ines Hermbusche, standen an der Spitze einer fünfzigköpfigen Höntroper Gänsereiterschar, die zum Jakobusfest nach El Carpio de Tajo gereist war. In zwei Jahren, so will es der verabredete Brauch, kommen dann die Spanier wieder in ähnlich großer Zahl zum Wattenscheider Karnevalsumzug.
Der Oberschulte war bereits zum vierten Mal in dem rund 2500 Einwohner zählenden Örtchen, und er weiß inzwischen ganz genau, worauf der dort 1584 begründete Brauch des Gänsreitens zurück zu führen ist. Heinrich Strack erzählt: „Damals herrschte in El Carpio de Tajo große Dürre, Krankheiten breiteten sich aus. Da haben die tief gläubigen Menschen sich entschlossen, himmlischen Beistand zu erbitten und dabei ein Fest zu feiern. Ein Kind musste mit verbundenen Augen die Bibel aufschlagen, und das Kapitel, nach dem Zufallsprinzip gefunden, war dem Heiligen Jakobus gewidmet. Deswegen wird seitdem das Fest, zu dem als Zeichen der Freude auch das Gänsereiten gehört, an seinem Namenstag (25. Juli, Red.) begangen.“
Nachdem El Carpio de Tajo der Gänsereiterfreundschaft mit Höntrop eine Straße und zwei Parks gewidmet hat, sieht sich Oberschulte Heinrich Strack in einer Art Zugzwang. „Da müssen wir nun auch ein entsprechendes Zeichen setzen“, meint der 56-Jährige. Für die Widmung gemeindlicher Straßen und Plätze in Wattenscheid ist die Bezirksvertretung zuständig.
Einen König wie in Höntrop küren die spanischen Gänsereiter allerdings nicht. Guido Ortwein: „Es handelt sich um eine religiöse Bruderschaft, der etwa sechshundert Männer angehören. Die wählen aus ihren Reihen einen Hermano Mayor, der das Schutzfest federführend organisiert. Der Ritt auf die Gans ist ein Spektakel ohne Wettbewerbscharakter.“ Wobei Heinrich Strack festgestellt hat, dass das spanische Federvieh anatomisch anders beschaffen sein muss als das Höntroper. „Die reiten zehn bis zwölf Gänse aus. Bei uns wäre so etwas nicht möglich. Da würden wir vor Müdigkeit vom Pferd fallen.“
Weit mehr als 20 000 Menschen, berichten Strack und Ortwein, würden bei vierzig Grad Celsius das Gänsereiten in den Straßen von El Carpio de Tajo verfolgen. „Das ist eine tolle Atmosphäre“. Diesmal jubelten die Spanier auch wieder drei Höntropern zu. Bernd und Denis Krasselt sowie Christian Behm nahmen am traditionellen Freundschaftsreiten teil. „Dabei holte Bernd Krasselt sogar eine Gans“, freut sich der Oberschulte.
König Guido Ortwein, bereits zum dritten Mal in Spanien, hebt hervor: „Das, was man dort an Freundschaft und Herzlichkeit erfährt, vergisst man Zeit seines Lebens nicht.“
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