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Brandschutz als gute Geste

22.11.2012 | 18:54 Uhr

Leon Loch (4) weint immer wenn gebohrt wird. An diesem Nachmittag hatte er Grund zum Weinen. Aber er, sein Vater Ralf (43) und seine Schwester Laura (3) können nun auch ruhiger schlafen. In vier Zimmern ihrer Wohnung hat das Ambulante Hilfezentrum, das den Alleinerziehenden zwei Stunden in der Woche unterstützt, Rauchmelder angebracht.

Das Hilfezentrum unterstützt rund 80 Familien, die besondere Härten durchmachen. Erst vergangenes Jahr, so schildert Leiter Marc Tomke den Hintergrund der Aktion in der brandgefährlichen Vorweihnachtszeit, habe eine Familie vor der Familienbetreuerin gestanden und gesagt: „Wir sind ausgebrannt.“ Als das Feuer sie aufweckte, habe es eben noch gereicht, um sich selbst in Sicherheit zu bringen und die Feuerwehr zu rufen. Der Hausrat aber sei verbrannt.

Geschenktüten zu Weihnachten

Tomke habe ein Mädchen gefragt, was sie glaube, wie viel so ein Rauchmelder koste: „Sie hat geschätzt: dreihundert Euro. Und ich habe gesagt: so viel wie eine Packung Kippen.“ Für vier Rauchmelder macht das knapp 20 Euro. Das ist viel für Familienväter wie Ralf Loch, der Teilzeit als Gärtner für die Stadt arbeitet und sich nebenbei als Alleinerziehender um zwei geistig behinderte Kinder zu kümmern hat und dafür auch viele Ausgaben hat.

Deshalb startete das Hilfezentrum diese Aktion. Der Förderverein habe bis zu 1500 Euro zugesagt, um alle betreuten Familien, die es wollen, zu versorgen, sagt Tomke. „Wir haben 89 Rauchmelder und elf CO2-Melder gekauft. Die werden jetzt im Rahmen der normalen Betreuungswochenstunden gemeinsam mit den Familien angebracht.“ Familie Loch ist die erste.

Das Spendieren von Rauchmeldern ist ein kleines Stück Brandschutz, eine Geste. Eigentlich brennt es bei Lochs und anderen Menschen in ähnlichen Situationen viel mehr und grundlegender. Loch, der laut seiner Betreuerin Klaudia Krebs „ein sehr lieber, geduldiger Mensch ist und bemerkenswert mit der schwierigen Situation umgeht“, hat natürlich noch ganz andere, größere Wünsche: „Verständnis“, nennt er einen davon.

„Da wird man in der Stadt als Rabenvater beschimpft, weil andere nur hören, dass man den Kindern immer ‚nein’ sagt. Ich würde mir wünschen, dass die Leute mehr zu verstehen versuchen und nicht urteilen, wenn sie nicht die ganze Geschichte kennen.“ Verständnis kann man natürlich nicht mal eben für 4,90 Euro im Baumarkt kaufen.

Als nächste Unterstützung bringt das Hilfezentrum „seinen“ Familien kleine, gesponserte Geschenktüten. „Die Freude darüber ist groß“, sagt Hilfezentrum-Leiter Tomke und beklagt die knapp bemessene Hartz-IV-Grundsicherung: „Drei Euro im Monat, um für einen Computer zu sparen. Es gibt Familien mit Kindern, die im Januar anfangen, jeden Monat zehn Euro beiseite zu legen und das bis Dezember durchziehen, weil sie wissen: Weihnachten kommt.“

Die Vernetzungsinitiative „Hat Watt“ (Teilprojekt von Bildung(s)gestalten der AG Haus der offenen Tür NRW) hat im September im Sozialraum WAT-Mitte, der als problematisch und als „Stadtteil mit Erneuerungsbedarf“ gilt, 191 Menschen zur Situation befragt. Hier einige Erkenntnisse: Knapp zwei Drittel derer, die sich befragen ließen, waren Frauen. 98 Befragte gaben an, ihre Lebenssituation habe sich in den letzten zwei Jahren verschlechtert, während nur 16 eine Verbesserung empfanden. Am häufigsten wurde diese Verschlechterung bei den Einkaufsmöglichkeiten (31 Nennungen) gesehen, in „Konflikten mit Menschen aus anderen Kulturen“ (30) und in „sanierungsbedürftigen Gebäuden und Plätzen“ (21) und „Kriminalität und Gewalt“ (20). 57 Befragte sprachen von Meideorten im Stadtteil, etwa dem Bahnhof, August-Bebel-Platz, Elisabethstraße, Swidbertstraße. 128 Befragte sahen keine. Angemahnt wurden neben den Einkaufsmöglichkeiten „mehr Angebote für Kinder und Jugendliche“, „mehr Arbeitsplätze“, „mehr kulturelle, Beratungs- und Bildungsangebote“ und U3-Kitaplätze. 81 Befragte gaben an, sich für ihren Stadtteil ehrenamtlich engagieren zu wollen.

Von Fabian May

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Brandschutz als gute Geste
Brandschutz als gute Geste
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2012-11-22 18:54
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