Bomben im Boden ausschließen
22.02.2012 | 18:43 Uhr 2012-02-22T18:43:00+0100
.„Kampfmittelräumung“ steht auf dem Bagger, der viele Löcher in den Boden des unbebauten Grundstücks an der Weststraße, Richtung Gertrudiscenter, gebuddelt hat. Und auch auf dem Sattelschlepper. Sieht auf den ersten Blick gefährlich aus. „Es wird grundsätzlich eine Kampfmittelräumung eingesetzt, wenn es sich um Arbeiten unter Tage handelt“, erklärt Ilias Abawi, Pressesprecher der Emschergenossenschaft in Essen. Die nämlich ist dabei, den alten, zum Großteil unterirdisch verlaufenden Wattenscheider Bach ökologisch zu verbessern, also zu renaturieren.
Abawi erklärt weiter: „Da in vielen Emscherregionen noch Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden liegen können, sind hier Probebohrungen bzw. Sondierungen unerlässlich.“ Und: „Entlang der Emscher liegt noch einiges in der Erde.“ Ob dieses nun für den Bereich Wattenscheider Bach oder die Weststraße gelte, sei gar nicht gesagt. Die Emschergenossenschaft treffe hier Vorsorgemaßnahmen und gehe immer auf „Nummer sicher“.
Keine Abwässer mehr
Derartige Bohrungen führt die Emschergenossenschaft in den Böden aller an den Bach anrainenden Grundstücksflächen durch, gleich ob sie Eigentum der Genossenschaft seien oder nicht. Sprecher Abawi: „Das Grundstück an der Weststraße gehört uns nicht.“
Ziel ist, im Rahmen der Umgestaltung des Emscher-Systems alle Schmutzwasser führenden Bäche vom Abwasser zu befreien (WAZ berichtete). Sie sollen künftig nur noch sauberes Wasser führen. Da der Wattenscheider Bach bereits auf langen Strecken unterhalb der Wattenscheider Innenstadt liegt, ist eine Öffnung des Bachlaufs dort nicht möglich. Deshalb soll das saubere Wasser des Baches über einen neuen Reinwasserkanal dem offenen Bachlauf nördlich der Straße „Obertor“ zugeführt werden. Bauzeit: ca. zwei Jahre.
Der neue Reinwasserkanal, der durchgehend einen Durchmesser von 1,20 Meter hat, wird in Tiefenlagen von vier bis zwölf Metern gebaut und im „unterirdischen Vortriebsverfahren“ verlegt. In angelegten Schächten werden die Rohrstücke in den Erdboden gepresst. Dieser Kanal soll neben seiner Funktion als Ableitungskanal für Reinwasser weitere Vorteile haben. Er dient dem Hochwasserschutz im Einzugsgebiet und hat genügend Kapazitäten für Regenwassereinleitungen, etwa von Schulen. Schulhöfe und oberirdische Flächen von Wattenscheider Schulen, etwa der der Hof der Märkischen, der Hellweg und der Gesamtschule wurden bereits entsprechend umgerüstet.
Fast nur unterirdisch
Vom Gertrudisplatz aus verläuft die Trasse in Richtung Süden bis in den Parkstreifen der Propst-Hellmich-Promenade. Anschließend schwenkt sie in Richtung Bahnhofstraße und ihr weiterer Verlauf führt sie dann innerhalb der Bahnhof-/Ridderstraße zum Wilhelm-Leithe-Weg. Dort wird der Wattenscheider Bach an den neuen Kanal angebunden.
„Die Arbeiten am Reinwasserkanal finden nahezu ausschließlich unterirdisch statt. Daher werden an der Oberfläche nur die Schächte und erforderliche Geräte sichtbar sein“, teilt die Emschergenossenschaft mit. Das sei „schonend für die Bürger“. Da die Schächte und Arbeitsgelände sich im öffentlichen Raum befinden, sind zeitlich begrenze Behinderungen im Straßenverkehr unvermeidbar.
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