Bester Vorleser seines Alters kommt aus Wattenscheid

Ben Luca Thetmeyer (12) mit der Einladung zum Bundeswettbewerb in Berlin und mit vielen Büchern.
Ben Luca Thetmeyer (12) mit der Einladung zum Bundeswettbewerb in Berlin und mit vielen Büchern.
Foto: Haenisch / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Ben Luca Thetmeyer (12) aus der 6c der Pestalozzi-Realschule hat NRW-weit schon über 80 Mitbewerber unterden Tisch gelesen. Im Juni fährt er zum Bundeswettbewerb nach Berlin, als einer von 16. Seine Klasse zeigt sich solidarisch: 14 Schüler und die Lehrerin fahren mit.

Bochum-Wattenscheid.. Wer ist der beste Vorleser im Land? Nach den Ergebnissen des NRW-Vorlesewettbewerbs für Sechstklässler, den der Börsenverein des deutschen Buchhandels am 20. Mai in Duisburg veranstaltet hat, ist es Ben Luca Thetmeyer von der Pestalozzi-Realschule in Wattenscheid.

Der Zwölfjährige hat so überzeugend vorgelesen, dass er seit dem Frühjahr schon fünf Mal den ersten Platz belegt hat – in seiner Klasse gegen 30, in seiner Schule gegen drei, in seiner Stadt gegen 21, im Regierungsbezirk gegen 13 und in NRW gegen 17 Mitbewerber.

Lebendig vorlesen ist schwierig

Wie er das geschafft hat: „Schwer zu sagen, man liest einfach nur“, sagt Ben. Nicht zu schnell zu lesen, sei wichtig, und zu betonen, aber nicht zu viel zu betonen. „Lebendig vorzulesen, das macht er sehr gut“, ergänzt seine Deutsch- und Klassenlehrerin Barbara Koch. Auch in der Kategorie Fremdtext, in der man einen unbekannten Text vorgelegt bekommt, sei ihm der Vortrag „sehr gut gelungen“. Im Klassenwettbewerb habe es mehrere gute Leser gegeben, „aber er ist wirklich herausgestochen“.

Beim Landeswettbewerb hat er die Stelle aus Otfried Preußlers „Krabat“ gelesen, als Krabat gerade in der Mühle ankommt. Die Bücher von Preußler, von denen er sich ausrechnete, dass sie bei der „etwas älteren Jury“ gut ankommen würden, kennt er selber von früher, als ihm vorgelesen wurde. „Märchen rauf und runter, ,Das kleine Gespenst’, ,Die kleine Hexe’“, zählt er auf. Er sei keiner dieser Frühleser, die schon im Kindergarten anfangen, sagt Ben, aber gelesen hat er immer, seit der ersten Klasse. Heute liest er gerne „Gregs Tagebuch“ und „Die drei ???“.

Interesse an Büchern ist gestiegen

Übers Leseverhalten seiner Mitschüler sagt Ben: „Manche lesen durchschnittlich viel, manche mehr, manche überhaupt nicht.“

Durch den Vorlesewettbewerb, der auf dem Lehrplan der sechsten Klassen steht, hat sich daran etwas zum Positiven geändert, ergänzt Barbara Koch das Bild. „Das Interesse an Büchern ist gestiegen, es ist überdurchschnittlich, für eine Deutschlehrerin sehr angenehm.“

Auch das Interesse am Landessieger Ben ist in seiner 6c ungebrochen. „Es waren immer welche dabei, die mich unterstützt haben“, erzählt der NRW-Sieger von den vergangenen Wettbewerben. Und auch wenn es jetzt weitergeht, wollen Barbara Koch und knapp die Hälfte von Bens Klasse am langen Wochenende Mitte Juni mit dabei sein. Als einer von 16 Landessiegern fährt Ben nämlich vom 15. bis 17. Juni zum Bundeswettbewerb nach Berlin. Er war schon mal in Berlin, aber da war er zu klein, um sich noch zu erinnern. „Ich freue mich drauf, die Stadt zu sehen.“