Anwohner haben sich durchgesetzt

Die Sportanlage Dickebankstraße aus der Vogelperspektive.Luftbild:
Die Sportanlage Dickebankstraße aus der Vogelperspektive.Luftbild:
Foto: Hans Blossey
Was wir bereits wissen
Bäckerei Bereket muss künftig Lärmschutz einhalten. Verein SW 08 soll Sportplatz Dickebank nicht mehr untervermieten und Lautsprecher leiser stellen

Die Brotbackfirma Bereket am Mausegatt im Gewerbegebiet Ost wird wohl nicht anbauen. Die Bürgerinitiative rund um die Dickebankstraße und Alte Ziegelei hat immer wieder die Lärmbelästigung durch die angrenzende Großbäckerei beklagt. Für den Erweiterungsbau – Richtung Alte Ziegelei – wollte die Firma Bereket ein Grundstück von der Stadt Bochum kaufen. Diese wiederum hatte geplant, mit dem dadurch erwirtschafteten Geld, dem Sportverein Schwarz-Weiß (SW) 08 einen Kunstrasenplatz zu finanzieren.

Bäckerei produziert auch in Herne

Dieser Kunstrasenplatz-Traum wäre damit wohl erst einmal geplatzt. Die Bürgerinitiative hat aber auch starke Lärmbelästigung durch die Untervermietungen der 08er beklagt. Die Tages- und Abendmieter hätten auch den zumutbaren Geräuschpegel oftmals deutlich überschritten. Gleichfalls hätten die Lautsprecherdurchsagen, gekoppelt mit lauter Musik, auch Anlass zur Beschwerde gegeben. Soweit der Sachverhalt in Kurzfassung.

Die Bürgerinitiative mit (nach eigenen Angaben) etwa 460 Mitgliedern, die in der Dickebank- und Geitlingstraße, Flöz Finefrau und Alte Ziegelei wohnen, hat vor über sechs Monaten angemahnt, dass die Firma Bereket, die im Drei-Schichten-Betrieb, also rund um die Uhr arbeitet, besonders nachts zu laut sei. Zeitgleich wurde bekannt, dass die Stadt Bochum rund 11 000 qm der Sportanlage an die benachbarte Großbäckerei zur Erweiterung verkaufen wolle und der Erlös in den Bau eines Kunstrasenplatzes fließen solle, den sich der Verein seit langer Zeit wünscht.

Stadt will Gespräch mit Firma Bereket suchen

Durch diese Planungen befürchteten die Anwohner u.a. weitere Immissions- und Emissionsprobleme. Sie forderten die Stadt zu einer Bürgerbeteiligung und Anhörung zu den Plänen zum Thema Sportanlage Dickebankstraße/Firmenerweiterung auf. Anwohner-Sprecher Guido Blasberg gestern zur WAZ: „Wir sehen es als Erfolg, dass Bereket zunächst keine Erweiterungspläne mehr hat, den Lärm eindämmen will. Und auch, dass der Fußballplatz nicht mehr untervermietet wird und die Durchsagen leiser gestaltet werden.“ Und weiter: „Wir wollen nur die Herstellung des vertraglich vereinbarten Soll-Zustandes haben.“ Der Sportplatz solle sein, habe seine Daseinsberechtigung, „aber nicht so laut“. Gleiches gelte für Bereket.

Dittmar Jacobi, Geschäftsführer von SW 08, im WAZ-Gespräch: „Wir haben seit drei Monaten keine Untervermietungen mehr getätigt. Und in dieser Zeit hat es nur einmal laute Durchsagen gegeben, nämlich bei einem Heimspiel mit Jubilarehrung und gleichzeitiger Cheerleader-Probe.“ Weiter wolle sich Jacobi zum momentanen Zeitpunkt nicht dazu äußern.

Bereket-Geschäftsführer Aytac Yavuz sagte gestern zur WAZ: „Wir haben den geplanten Erweiterungsbau bis auf Weiteres auf Eis gelegt. Wir haben das Grundstück nicht gekauft.“ Er verstehe aber nicht, dass „all die vergangenen 20 Jahre, seitdem Bereket an diesem Standort arbeitet, Ruhe geherrscht hat, ab und zu mal eine Beschwerde eingegangen ist, aber nicht in großem Ausmaß.“ Und: „Erst als unsere Erweiterungspläne bekannt geworden sind, kamen die massiven Beschwerden der Anwohner. Aber nicht an uns direkt, sondern über die Behörden.“ Künftig werde Bereket alles dafür tun, möglichst leise, den Vorschriften entsprechend, zu arbeiten.

In Wattenscheid beschäftigt Bereket über 200 Mitarbeiter. Die Firma produziert aber auch seit 2013 mit 50 Mitarbeitern in Herne. Yavuz räumt ein: „Wenn die Probleme in Wattenscheid nicht zu lösen sind, gibt es Überlegungen, irgendwann komplett nach Herne zu ziehen. “