An Allerheiligen die Lebenden nicht vergessen
29.10.2008 | 18:18 Uhr 2008-10-29T18:18:20+0100terre des hommes bittet wieder die Besucher des Propsteifriedhofs um Spenden für Straßenkinder.Christiana Obermüller weist darauf hin, dass das Elend inzwischen vor der eigenen Haustür angekommen ist
Memento mori! An Allerheiligen gedenken katholische Christen ihrer Verstorbenen. Christiana Obermüller nimmt jenen "Stillen Feiertag" jedoch zum Anlass, die Not der Lebenden ins Bewusstsein zu rufen.
Seit zwanzig Jahren postiert sich die 54-Jährige vor dem Friedhof der Propsteigemeinde St. Gertrud, um dort Spenden für Projekte von "terre des hommes" zu erbitten.
Media vita in morte sumus - mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen. Jener Vergänglichkeitsgedanke hat für Not und Hunger leidende Menschen zweifelsfrei eine andere Dimension und Bedeutung als für Wohlstandsbürger. Deswegen sei Allerheiligen ein durchaus geeigneter Tag, eine Brücke zwischen dem Totengedenken und mitmenschlicher Zuwendung zu schlagen, meint Christiana Obermüller.
In diesem Jahr bitten die Vorsitzende der terre des hommes-Ortsgruppe Wattenscheid und eine Handvoll Mitstreiter vor dem Propsteifriedhof um Spenden für Straßenkinder. Dabei ist im konkreten Fall das Elend, das die Hilfsorganisation weltweit bekämpft, längst vor der eigenen Haustür angekommen.
"In Deutschland gibt es inzwischen zirka neuntausend Straßenkinder, Tendenz steigend", berichtet Obermüller. "Da kann man nicht tatenlos zusehen, da muss man sich engagieren, sich einmischen. Da muss man Bündnisse mit anderen Hilfs-Organisationen bilden, um der Entwicklung etwas Wirksames entgegen zu setzen."
Dabei stellt die 54-Jährige klar: "Bei den Straßenkindern in Deutschland handelt es sich nicht nur um junge Menschen aus finanziell schlechter gestellten Familien. Sie kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Da sind auch welche bei, die gut betuchte Eltern haben, die aber häusliche Gewalt, Missbrauch oder Nichtbeachtung nicht ertragen können und dann fliehen."
Im Rückblick auf ihreAllerheiligen-Aktionen zieht Christiana Obermüller eine positive Zwischenbilanz. "Die Friedhofsbesucher begegnen uns und unseren Anliegen überwiegend positiv, und sie spenden auch. Natürlich gibt es auch immer wieder einige, die fragen, warum wir ausgerechnet an Allerheiligen an die Not der Lebenden erinnern, die sich durch unsere Anwesenheit gestört fühlen. Aber das müssen wir in Kauf nehmen."
Weitere Informationen und Kontakt: Tel: 77375 oder unter www.tdh-nrw.de im Internet, Link Arbeitsgruppe Bochum.
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