Alternative Energien
12.06.2012 | 17:56 Uhr 2012-06-12T17:56:00+0200
Wattenscheid. Was kann man gegen explodierende Energiepreise tun? Einsparen und dämmen, klar. Und auf Alternativen umsteigen, sagen sich immer mehr Haus- und Wohnungsbesitzer: Solarstrom, Erdwärme, Blockheizkraftwerk, Holz-Pellets. Dafür gibt’s genug Beispiele. Nicht auf den ersten Blick erkennbar.
Die Stadtwerke Bochum haben im „Energiepfad Wattenscheid“ eine Tour zusammengestellt, die man zu Fuß oder auf dem Rad erkunden kann. Vorbei an Häusern mit alternativer Energieerzeugung. Darunter Altgebäude, die energetisch saniert wurden. In umweltfreundlichen Energieformen stecken aber auch viele offene Fragen: Was lohnt sich für wen? Man kann deshalb auch direkt Kontakt zum Hausbesitzer aufnehmen.
Eine energetische Runderneuerung verpasste Familie Tönshoff ihrem Haus an der Parkstraße 28 (in den 1920er Jahren erbaut). Eine Fachfirma brachte vier Bohrungen von je 76 m Tiefe im Garten nieder, in die Erdwärmesonden eingelassen wurden. Die ständig konstante Bodentemperatur von etwa 12 Grad wird seitdem über eine elektrische Wärmepumpe in angenehme Temperaturen für Raumheizung und Duschwasser umgewandelt. „Unsere Bekannten waren anfangs eher skeptisch“, so Friedhelm Tönshoff, „aber inzwischen konnte sich jeder überzeugen, dass es auch im kalten Winter bei uns immer warm ist. Wir haben jetzt in beiden Wohnungen mit zusammen etwa 290 qm Fläche monatliche Stromkosten von jeweils 70 Euro für Heizung und Duschwasser. Mit der alten Gasheizung war es das Doppelte.“ Investitionskosten für Bohrung, Wärmepumpe, Kessel: rund 35 000 Euro (Info: Tel. 02327-17 296)
Die vierköpfige Familie Herbers (Kirchstraße 23c) setzte sich eine Solaranlage aufs Dach, was trotz aller Förderungskürzungen einen Gewinn für Umwelt und Geldbeutel bedeuten kann. Dabei wird rund die Hälfte des erzeugten Stroms selbst verbraucht. Die Energie direkt zu nutzen, ist noch nicht weit verbreitet: Man spart den Strombezugspreis und erhält derzeit 8,05 Cent EEG-Vergütung (Info: thomas.herbers@unitybox.de).
Henrike und Christoph Bideau (Heribertistr. 40) setzen auf eine Holzpellets-Heizung, die man mit Solarkollektoren zur Warmwasserbereitung komplettierte (Info: henrike.bideau@googlemail.com).
An der Gewerbestraße 40 ließ Holzbauunternehmer Bernd Delseith auf verschieden geneigten Hallendächern drei unterschiedliche Photovoltaikanlagen installieren. Seitdem kann er gut beobachten, welche Anlage bei welchen Lichtverhältnissen den jeweils besten Ertrag liefert. Investitionssumme: rund 480 000 Euro, die Anlage erzeugt jährlich 130 000 kW/h Strom; das reicht für 35 Familienhaushalte (info@delseith.com).
Im Mehrfamilienhaus Wattenscheider Hellweg 65a wurde eine solarthermische Warmwasserbereitung eingebaut, die laut Andres Krakau Einsparungen von bis zu 1000 Euro jährlich bringt (Info: 15 153). Die TG 49 (Ostfeldmark) und die „Wattenscheider Tafel“ (Laubenstraße) setzen auf ein Blockheizkraftwerk. Das Gartencenter Schley am Wattenscheider Hellweg installierte für 340 000 Euro eine Solaranlage, die jährlich rund 64 000 kW/h Strom erzeugt.
Auf Solarstrom und ein Blockheizkraftwerk, das Wärme und Strom für das Gemeindezentrum und die Kita erzeugt, setzt die ev. Gemeinde Leithe (Gelsenkirchener Straße 1-3). Investitionssumme: 35 000 Euro. Laut Pfarrerin Ute Chaikowski sank der Stromverbrauch in vier Jahren um 40%. Die Gemeinde plant eine weitere Solarstromanlage auf dem Kirchdach und will damit den Selbstversorgungsgrad auf 80% erhöhen (Info: ge-kg-leithe@kk-ekvw.de).
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