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Kleinkind verbrennt sich...

Allein gelassen

25.05.2009 | 16:49 Uhr
Allein gelassen

Über die Entscheidung eines Mitarbeiters in der 112-Notruf-Zentrale ärgert sich die Höntroperin Christin Brabandt. Sie fühlt sich von der Feuerwehr allein gelassen.

Florian heißt das arme Kerlchen mit den dick verbundenen Füßen. „Das hat fast schon etwas Makaberes”, seufzt seine Mutter Christin Brabandt und begründet: „Da trägt er den gleichen Namen wie der Schutzpatron der Brandbekämpfer, aber als mein Florian in Not war, sich ganz schlimm seine Füßchen verbrannt hatte, verweigerte die Feuerwehr meinem Kind die Hilfe.”

Florian liegt mittlerweile im Krankenhaus. Gebracht nicht im Rettungswagen der Feuerwehr, sondern von seiner Mutter. Sie ist mit dem eigenen Auto gefahren, die Oma hat das vor Schmerzen schreiende Kind gehalten. Das Ärzte-Team der Kinderklinik des Marienhospitals in Gelsenkirchen kümmert sich um die Verbrennungen zweiten Grades, die sich der 17 Monate alte Junge Samstag zugezogen hat. Gegen 15.20 Uhr passierte das Unglück. Christin Brabandt schildert das Geschehen, das sich am Wattenscheider Hellweg ereignete: „Meine Mutter, Florian und ich haben das schöne Wetter auf unserer Terrasse genossen. Für Florian hatten wir eine Schüssel mit Wasser aufgestellt, in der er plantschen und seine Füße baden konnte. Ich hatte ihn nur einen Moment nicht im Auge, da hörte ich ihn plötzlich schreien wie am Spieß. Er stand wie angewurzelt auf einer heißen Metallplatte.”

Die Sonne hatte die Rollstuhl-Rampe der Nachbar-Terrasse enorm aufgeheizt. Die Mutter stürzte zu ihrem Filius und erkannte sogleich an der weißlichen Färbung der zarten Fußsohlen des Kleinkindes, dass er sich schwer verbrannt hatte. Die Oma kam hinzu und auch eine Nachbarin. Letztere wählte die Notrufnummer 112, um Hilfe zu rufen. Christin Brabandt: „Ich konnte es gar nicht fassen, als sie kurz darauf sagte, der Feuerwehrmann in der Zentrale habe ihr gesagt, man könne niemanden schicken, wir sollten die Wunden kühlen und das Kind selbst in die Kinderklinik fahren. Meine Mutter und ich waren mit den Nerven völlig fertig. Eigentlich hätte ich mich in dem Zustand gar nicht ans Steuer setzen dürfen. Aber, was sollte ich machen?”

Dirk Hagebölling, der Leiter des Bochumer Amtes für Feuerwehr und Rettungswesen, kann zwar einerseits die Aufregung der Mutter verstehen, ist jedoch der Meinung, dass sich sein Mitarbeiter in der Notrufzentrale ordnungsgemäß verhalten hat. Der Feuerwehrchef: „Wir zeichnen ja alle Notrufe auf. Die Anruferin hat einen Notarzt verlangt und gesagt, das Kind habe sich an einer durch die Sonne erhitzten Metallplatte verbrannt. Unser Disponent hat daraufhin geraten, die Verletzung zu kühlen und das Kind in die Kinderklinik zu bringen. Er hat sich korrekt verhalten. Die vorliegende Indikation ließ nicht auf einen medizinischen Nofall schließen, der einen Notarzt gerechtfertigt hätte. Einen Krankenwagen hätten wir geschickt, aber der ist von der Anruferin nicht angefordert worden.”

Bernd Nickel

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Kommentare
11.06.2009
16:25
Allein gelassen
von Ruhelos | #28

Also mal ehrlich - Kind stand auf einer von der Sonne erhitzten Metallplatte - wie ist es möglich sich hierbei solche Verbrennungen zuzuziehen?? Oder hat die Mutter es etwa versehentlich auf die heiße Herdplatte gestellt?

06.06.2009
00:46
Allein gelassen
von UlliWeber | #27

Zukünftig müssen sich Patienten am Wochenende selbst zum Arzt bemühen, sofern sie es eben können. Ein Hausbesuch durch den ärztlichen Notdienst wird die Ausnahme sein (http://www.wattenscheid.net/scripte/wat_neues.pl?NNR=10992). Mal sehen, zu welchen Einsätzen der Rettungsdienst der Feuerwehr dann noch so alles gerufen wird.

05.06.2009
09:21
Allein gelassen
von tine | #26

Strafanzeige? Woher wissen ie das Ulliweber?

02.06.2009
22:51
Allein gelassen
von DasDarfNichtWahrSein | #25

Woher hat UlliWeber die Informationen, die er am 31.05.2009 hier kundgetan hat?
Wenn ich lese, was er so alles leistet, muss ich schon sagen: Toller Typ, alle Achtung und Hut ab!

31.05.2009
11:29
Allein gelassen
von UlliWeber | #24

Es ist leider ein Merkmal unseres Zeitgeistes, dass immer weniger Geld in wichtige Strukturen investiert wird. Hier haben neben der Politik auch Krankenkassen und andere Organisationen ein Wort mitzureden. Dass dabei die Qualität über kurz oder lang zu kurz kommt, steht ausser Frage. Zweifellos sind drei Notärzte manchmal knapp, aber die Zahl wurde von den Krankenkassen nach dem Bedarf des Vorjahres ermittelt. Der ärztliche Notfalldienst (Hausarzt on Tour) soll übrigens am Jahresende von neun auf drei Diensthabende reduziert werden. Dann wird die Feuerwehr noch mehr unter Druck stehen.

Die Entscheidung des Disponenten muss aus zwei Perspektiven gesehen werden. Im Nachhinein erscheint sie auch mir fraglich, aber ob ihm im entscheidenden Moment alle Informationen vorlagen, um optimal zu entscheiden, wage ich zu bezweifeln. Dass Hagebölling als guter Vorgesetzter pragmatisch hinter seinen Leuten steht, spricht jedenfalls für ihn.

@C. Brabandt:
Ich bin Vater von zwei Kindern im Vorschulalter und bemühe mich, Gefahren zu minimieren. So würde ich beispielsweise bei der Gefahrenanalyse meines Gartens eine Metallplatte in der Sonne kritischer sehen als Sie. Ich gehöre auch zu den Menschen, die in allen Räumen Rauchmelder betreiben. Sowie bei der Geburt meiner Kinder als auch bei allen Verletzungen (Schädelprellung mit Erbrechen, ausgeschlagene Zähne, etc.) habe ich meine Patienten selbst zum Krankenhaus gefahren - die Kinder selbstverständlich im Kindersitz.

Ob Sie mit Ihrer Einschätzung der Dinge richtig liegen wird ja nun gerichtlich geklärt, schließlich haben Sie Strafanzeige gegen die Feuerwehr erstattet. Ich hoffe, dass Sie die Metallplatte in Ihrem Garten mittlerweile entfernt oder zumindest gesichert haben.

28.05.2009
22:45
Allein gelassen
von Ruebezahl | #23

@21 Kein Verständnis
Das oder ähnliches könnte durchaus zutreffen.

Zur Ehrenrettung der Feuerwehr muss ich aber sagen (hatte ich gestern leider vergessen), dass der RTW nach ca. 5 Minuten da war. Meine Schwägerin hatte sich am Telefon offensichtlich verständlich genug ausgedrückt. Doch hat der Notarzt dann ca. 30 Minuten gebraucht. Und das war bei Herzkammerflimmern nach erfolgreicher Chemotherapie einfach zu lange. Und dann fragte er mich allen Ernstes (völlig übermüdet), ob er reanimieren solle oder besser nicht.
Aber genug davon. Wichtig wäre, wenn aus dem aktuellen Fall Konsequenzen gezogen würden - hoffentlich!
Die offizielle Erklärung von Herrn Hagebölling ist meiner Meinung nach eine an den Haaren herbeigezogene Bankrotterklärung. Gute Ausreder werden von Bundesliga-Absteigern gesucht (Entschuldigung, das war unsachlich).
Nach dem Vorfall mit meinem Vater habe ich mich in Dortmund zum Ersthelfer ausbilden lassen. Dort gibt es eine zweistellige Anzahl an Notärzten.
Für Florian wünsche ich alles erdenklich Gute!

28.05.2009
10:34
Allein gelassen
von Rolflacht | #22

Alles Gute dem Kleinen.

28.05.2009
07:53
Allein gelassen
von Kein Verständnis | #21

@20 Ruebezahl
Vielleicht waren die Verantwortlichen ja damit beschäftigt, Entenfamilien zu retten
(siehe WAZ Bochum vom 28.5.09)

27.05.2009
22:48
Allein gelassen
von Ruebezahl | #20

Es ist unverantwortlich, wenn Verantwortliche sachunkundig sind.

Auch ich habe hiermit meine Erfahrung gemacht. Zum einen war es ein Wochenende, zum anderen zu wenig Notärzte. Vermutlich auch überlastet und angespannt und sachunkundig - das hat meinem Vater das Leben gekostet.

27.05.2009
22:36
Allein gelassen
von DasDarfNichtWahrSein | #19

Ob Überlastung und angespannte Situation oder keine Böswilligkeit und auch keine mangelnde Ernsthaftigkeit - für jemanden, der in einem derart verantwortungsbewussten Beruf arbeiten will, darf und kann diese Ausrede keine Entschuldigung sein. Die Begründung von Feuerwehrchef Hagebölling ist einfach nur geschmacklos.

Jeder mag darüber denken wie er will und auch seine Meinung hier kundtun. Doch verlangt meines Erachtens dieses Fehlverhalten und die missglückte Ferndiagnose per Telefon durch den Disponenten Konsequenzen in Form von Qualitätskontrolle der tätigen Personen. Hier sollte und kann auch nichts schön geredet werden.

Auch wenn es der eine oder andere hier nicht lesen will: Bei der bevorstehenden Kommunalwahl sollte diese Politik (in der ich leider mal aktiv war) mit den bzw. der Verantwortlichen abgewählt werden.

Für den kleinen Florian alles Gute.

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