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Serie: Im Bulli duch Europa

Abenteuer Serbien

12.11.2010 | 15:49 Uhr
Abenteuer Serbien
An der Donau wurde Rast eingelegt.

Wattenscheid. Die Straße führt uns durch das hier zahme Balkan-Gebirge von Bulgarien an die serbische Grenze. Wie würden wir dieses Land im Jahr 2004 erleben, der Krieg liegt nicht lange zurück. Wir wollen auf die Menschen setzen!

Nach der Pass-, Fahrzeug- und Führerscheinkontrolle winkt man uns in eine Halle über eine Grube, bedeutet uns auszusteigen. Das Tor geht zu.

Wichtig wird der Bulli abgeklopft, es klingt nicht nach verfülltem Hohlraum. Natürlich muss die Heckklappe geöffnet werden. Auch wenn man den Inhalt des „Kofferraums“ bestens sieht durch das Heckfenster: An der Grenze öffnet man nun mal die hintere Klappe – und siehe da: es findet sich das Bettzeug! Dann geht es unter den Bulli: Wie beim TÜV wird in alle Winkel geleuchtet, an Bauteilen gerappelt. Unterm Bulli fällt der Blick des Grenzbeamten auf ein kleines Kästchen, das wohl mal der Unterbringung eines Schlüssels gedient haben muss. Sofort wird der Oberst geholt. Hofft er Drogen oder andres Schlimmes zu finden? Wichtig und streng schaut er zwischen dem Kästchen und uns hin und her. „Cluj“ sag ich. Das Wort hatte ich mal gelernt, als ich den Schlüssel für Strom auf einem Campingplatz auf der früheren Kroatienreise brauchte.

Beim Öffnen findet sich kein Schlüssel. Doch wir werden ins Land entlassen. Links und rechts der Straße weitet sich ebenes Land mit saftig grünen Weiden und gelb von Blumen, lila auch. Die Berge sanft am Talrand, dann bestimmend, schließlich türmend und felsig vor uns, und dann auch mitten drin. Tunnel sind zu durchdringen, vom Gedröhn der Diesel erfüllt. Durch die Schluchten schieben uns Lastzüge vor sich her durch die Enge ständig auf der Hut, die Tunneldecken und Felsüberhänge nicht zu berühren.

Unsere Augen suchen nach einer Zuflucht aus dieser Bedrängnis, nach einer Möglichkeit zu halten, dem Drängen zu entkommen. Schließlich wieder offene Landschaft. Nis ist zu durchfahren, von dem wir noch wissen, dass lange die von NATO-Flugzeugen zerstörte Brücke im Fluss lag. Unser Weg führt uns durch die Boulevards mit den Plattenbauten. Haben wir vielleicht eine schöne Stadt verpasst? Wir müssen heute mal vorankommen.

Im Regen erreichen wir die Hauptstadt Belgrad. Wir finden Zuflucht vor dem Wetter in einer riesigen orthodoxen Kirche auf einem Hügel, fragen dann nach dem Weg in die Altstadt, kommen zum Parlament, das im Rahmen einer sonst friedlichen Revolution im Jahre 2000 vom Volk gestürmt wurde. Damals wurde Milosevic zum Rücktritt gezwungen, später an den UN Gerichtshof überstellt. Heute kündet dort eine Metalltafel von den Geschehnissen. Wir erreichen die Innenstadt von Belgrad, dessen Name „Weiße Burg“ bedeutet. Große Häuser im Stile der K&K-Zeit und Bauten nach dem Sozialistischen Realismus. Fahrende Händler wollen unseren Bulli zu kaufen. Nix da! Hinter der Stadt Richtung Norden ist ein Campingplatz ausgeschildert. Es dämmert bald. Immer wieder dräut der Regen.

Wir sind schon lange auf dem Platz, da kommt erst jemand, nimmt Geld. Zum Stromanschließen kommt er wieder. Dabei lerne ich, dass Strom auf Serbisch Strom heißt. Am nächsten Morgen können wir ungestört über den Platz gehen. Am Zaun geht es gefühlte 200 m in die Tiefe. Unten ziehen riesige Schiffe ihre Bahn. Was ist das? Eine Serbien-Karte war nicht zu kriegen. Wie hieß der Platz noch? In lateinische Schrift übertragen: Dunaw. Klingt nach Donau. Genau so ist’s.

Wieder auf dem Autoput geht’s ans Bezahlen. Mit unserem Bulli sind wir ein Reisebus, müssen genauso viel zahlen. Das wollen wir nicht glauben. Höchstens wie ein Van werden wir sonst eingruppiert. Doch es hilft nichts. Wir regen uns auf ob der geforderten 32 Euro für den kurzen Weg. Doch Schimpfen hilft nicht. Zahlen, fertig. Sollten wir da noch mal hinfahren, dann nicht über den Autoput.

Die Erlebnisse in Serbien haben wir immer noch nicht so recht sortiert. Man sollte noch mal hin. Ein zweiter Blick fällt vielleicht milder auf das Land. Tempora mutantur.

Hermann Hülder und Angela Feller

Kommentare
14.11.2010
00:25
Abenteuer Serbien
von Anton Fried | #1

Cluj ist eine rumänische Stadt, die wie das serbische/kroatische Wort für Schlüssel ausgesprochen, aber kljuc geschrieben wird. Beograd heißt...
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Abenteuer Serbien
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2010-11-12 15:49
Wattenscheid