Abbruch des Fachwerkhauses genehmigt

Das alte Fachwerkhaus darf nun abgerissen werden.Foto:Joachim Haenisch
Das alte Fachwerkhaus darf nun abgerissen werden.Foto:Joachim Haenisch
Foto: Haenisch / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Fachwerkhaus Gertrudisstraße 20: Durch mangelnde Bauunterhaltung hat sich bereits geschädigter Zustand noch verschlechtert. Rechtliche Auseinandersetzung

Es gibt rechtliche Auseinandersetzungen zwischen der Stadt und dem Eigentümer des unter Denkmalschutz stehenden Hauses an der Gertrudisstraße 20. So meldete es die WAZ. Dass die Untere Denkmalbehörde in Bochum und die Obere in Münster den Verfall des wohl ältesten Hauses in Wattenscheid Hauses (1629 erbaut) nicht für gut heißen, ist bekannt.

Ein Stück Geschichte geht verloren

Gestern nun meldete das Presseamt der Stadt auf WAZ-Anfrage: „Die Denkmalbehörden mussten – nach einem Abwägungsprozess – nun dem Abbruch zustimmen. Gewöhnlich prüfen wir in solchen Fälle auch ordnungsrechtliche Maßnahmen.“ Das Presseamt bestätigt, dass ein Antrag auf Abbruch vom Eigentümer vorgelegen habe. Dem wird damit wohl nun entsprochen. Was bleiben werde, so Stadtsprecher Oliver Trappe, „ist die rechtliche Auseinandersetzung zwischen Stadt und Eigentümer um Denkmalschutz und Ordnungsrecht.“

In der Erklärung der Stadt (auf WAZ-Anfrage) heißt es: „Der durch die mangelnde Bauunterhaltung bereits geschädigte bauliche Zustand des Gebäudes hat sich durch die Entfernung der historischen Dachkonstruktion aus dem 17./18. Jahrhundert und der damit verbundenen Freilegung des Mauerwerkes und der Böden deutlich verschlechtert. Die Denkmalbehörden (Stadt und LWL) haben im laufenden Klageverfahren das Gebäude begutachtet und festgestellt, dass bei einer denkmalgerechten Sanierung historische Bausubstanz in einem so hohen Maß ausgetauscht werden müsste, dass damit die Denkmaleigenschaft verloren ginge.“

Erst Dienstag stellte die FDP/UWG-Fraktion im Kultur-Ausschuss eine Anfrage zum Haus und zum weiteren Verfahren. Heinz-Werner Kessler, Vorsitzender des Heimat- und Bürgervereins (HBV), gestern auf WAZ-Anfrage: „Für mich ist das eine Katastrophe. Hier geht jetzt ein Stück Wattenscheider Geschichte verloren.“ Diese Entscheidung stehe absolut im Gegensatz zu den Bemühungen anderer Städte (Frankfurt/Main), „die sich anstrengen, alte Fachwerkhäuser zu erhalten. In unserer Stadt sehe ich damit eine gegenläufige Tendenz. Es müssen Prioritäten gesetzt werden, solche historischen Gebäude zu erhalten.“ Der HBV bemühe sich seit Jahrzehnten, die Attraktivität Wattenscheids zu steigern, setze sich ein, alte Bausubstanzen zu erhalten. „Und dann so ein Rückschlag. Ich verstehe das nicht. Das ist kontraproduktiv.“