22-jährige Mutter in der Hartz IV-Falle
24.09.2010 | 17:35 Uhr 2010-09-24T17:35:00+0200
Wattenscheid.Ihr Traum vom Fachabi droht zu scheitern: am Geld und der Unbeweglichkeit der Behörden.
Sie möchte raus aus Hartz IV, ihr Fachabitur machen, um danach bessere Berufschancen zu haben und auch ihrem Sohn Etienne (3) eine gute Zukunft bieten zu können. Doch der Traum von Corinna Koppe (22) droht zu scheitern: an Geld – und an der Unbeweglichkeit der Behörden.
Nach der Geburt von Etienne war die allein erziehende Mutter in Hartz IV gerutscht. „Er hatte noch keinen Kindergartenplatz“, berichtet sie. Nachdem eine Betreuung für den Dreijährigen sichergestellt war, entschloss sich Corinna Koppe, auf ihre Mittlere Reife aufbauend die Höhere Handelsschule zu besuchen. „Ich möchte mein Fach-Abi nachmachen und dann eine Ausbildung im wirtschaftlichen Bereich machen.“
Kein Anrecht mehr auf bisherige Hartz IV-Leistung
Seit Mitte August ist die junge Mutter nun wieder Schülerin – und hat damit kein Anrecht mehr auf die bisherige Hartz IV-Leistung von 716 Euro. „Ich war direkt, nachdem ich den Aufhebungsbescheid bekommen habe, bei der Arge und habe gefragt, wie ich ohne Geld mein Kind ernähren und meine Miete bezahlen soll“, erzählt sie.
BAföG solle sie beantragen, habe man ihr geraten. „Das habe ich auch sofort getan, aber auf dem BAföG-Amt hieß es, einen Bescheid würde ich frühestens im Oktober bekommen“, berichtet Corinna Koppe frustriert. „Und man hat mir auch gesagt, ich soll erst mal nicht davon ausgehen, dass ich überhaupt BAföG kriege.“
In ihrer Verzweiflung ist Corinna Koppe in die Bürgersprechstunde des SPD-Landtagsabgeordneten Serdar Yüksel gegangen – und der versteht jetzt die Welt nicht mehr: „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es für solche Fälle im Sozialgesetzbuch keine Überbrückungshilfe gibt.“ Also setzte sich der Politiker mit der Arge in Verbindung, um zu erfahren: Das Amt hat keine rechtliche Handhabe, um Corinna Koppe ein Überbrückungsdarlehen zu gewähren.
„Eine Blindheit des Sozialstaates“
Der SPD-Politiker ist entsetzt: „Das ist eine große Ungerechtigkeit, eine Blindheit des Sozialstaates“, erklärt er. „Wir sagen immer, dass wir junge Leute aus Transferleistungen raushaben wollen – und hier werden diejenigen, die etwas aus ihrem Leben machen wollen, auch noch bestraft. Dabei müsste man sie eigentlich belohnen.“
Für kurze Zeit konnten die Eltern der jungen Mutter einspringen. „Sie haben ihre Ersparnisse für mich ausgegeben, damit ich meine Miete bezahlen und meinen Kühlschrank füllen konnte“, erzählt Corinna Koppe. Doch auch dieses Geld sei mittlerweile aufgebraucht. Und Etiennes Vater? „Wir haben keinen Kontakt mehr, und er zahlt auch nicht für seinen Sohn“, erklärt die 22-Jährige und fügt traurig hinzu: „Hätte ich die Schule nicht angefangen, hätte ich zum ersten September wieder Hartz IV bekommen.“
Das Bundesausbildungsförderungsgesetz (kurz: BAföG) regelt die staatliche Unterstützung für die Ausbildung von Schülern und Studenten. Mit dem Kürzel BAföG wird umgangssprachlich auch die Förderung bezeichnet, die sich aus dem Gesetz ergibt. Das Gesetz gilt als besonderer Bestandteil des Sozialgesetzbuches und soll langfristig dort eingeordnet werden. Damit ist BAföG eine Sozialleistung.
Ihr Vater, Peter Schmitt, fügt verbittert hinzu: „Heute ist es offenbar einfacher, gar nichts zu machen. Wenn sie jetzt die Schule wieder hinschmeißt, bekommt sie wieder Geld. Das kann ja wohl nicht im Sinne der Gemeinschaft sein.“
Finanziell auf dem Trockenen
Serdar Yüksel hat zwischenzeitlich mit NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider gesprochen und Bundes-Arbeitsministerin Ursula von der Leyen angeschrieben. „Es handelt sich schließlich um ein Bundesgesetz. Ich habe die Ministerin gebeten, im Rahmen einer Gesetzesinitiative den Argen die rechtliche Möglichkeit einzuräumen, bei besonderen Härtefällen Darlehen oder einen Vorschuss zu gewähren.“
Solche handwerklichen Fehler im Bundessozialgesetz müssten schnell begradigt werden, fordert Yüksel. Ob Corinna Koppe damit noch rechtzeitig geholfen werden kann, bleibt die Frage. Sie sitzt finanziell auf dem Trockenen, weiß nicht, wovon sie im kommenden Monat ihre Miete bezahlen soll. „Da versucht man, von Hartz IV wegzukommen, aber es hilft keiner.“
17:20
Ja da stimme ich voll zu. Wer schimpft, das Hartz4 alleine schuld der SPD sei, der hat von Politik und der entstehung von Hartz4, schlicht keine ahnung.
Aber das haben ja eh die wenigsten Meckerköppe.
Wenn ich höre, das leute furst wählen, oder garnicht wählen, dann kann ich nur mit dem Kopf schütteln.
Frag die mal, wie der für ihren ort zuständige Bundestagsabgeordnete heißt, oder wo der sitz des Ortsvereins ihrer bisher immer gewälten Partei ist, da haben die allermeisten ein riesen Fragezeichen übern Kopf. Wie sagt mein Schwiegerpaps immer so schon und zutreffend: Wir Deutschen stöhnen auf hohem Nivou
16:10
Das ganze hat mit Hartz IV nur insofern zu tun, dass bei Einführung des SGB II (Hartz IV) die Regelungen des alten Bundessozialhilfegesetzes (§ 26) inhaltsgleich übernommen wurden. Der Systemfehler, wenn er denn einer ist, ist schon älter und nicht durch rot/grün zu verantworten. Da wird der eine oder andere CDU-Sympatisant aber staunen.
16:42
Tja da muss ich dir ja mal voll und ganz zustimmen
15:07
Wir Deutschen sterben eh bald aus.
Kriegt eine Frau im besten Alter für Geburten ein Kind, dann ist ihr Leben erst mal im Eimer. So sie denn keinen Financier im Hintergrund hat (Mann, Eltern etc). Hartz 4 Risiko - weiblich, jung, schwanger, getrennt.
Macht Frau es so wie die Gesellschaft es gerne hätte, erst Abi, Studium, Geld verdienen, Wohneigentum, Altersvorsorge, Konsum, dann ist sie beim ersten Kind schon mehr als spät-gebärend. Informiert euch mal beim Gynäkologen eurer Wahl was spät-gebärend bedeutet.
Und dann reichen die Kita Plätze auch nicht aus, weil Mammi muss ja schnell wieder zurück in den Job. Also auch der falsche Weg.
Kriegen weder die jungen noch die älteren Frauen Kinder dann sterben wir ganz aus, das Ausland kommt gerne und übernimmt das ganze Land, notfalls über die Geburtenrate.
10:33
Tja, mir fällt dazu nur Folgendes ein:
Mein Gott wie gerne hätte ich ein Philosophie Studium begonnen. Es könnte so einfach sein... isses aber nicht. Oder freischaffender Künstler, oder so... ja ja, Träume waren da. Aber da man vor der Wahl stand Berufe zu ergreifen die mehr oder weniger zur Verfügung standen, hat man diese ergriffen. (keine Selbstverwirklichung... Mist!)
Mir geht diese fürchterliche Anspruchshaltung so richtig auf den Wecker.
Tja, pöh, ich möchte dies und jenes in meinem Leben für mich verwirklichen, zahl doch mal einer...
Mal ganz ernst: In verschiedenen Videotextseiten, darauf stößt man auch mal,
da ist immer wieder von Tipps zu lesen, wie man denn am besten am Fiskus vorbei, Steuern spart. Was meine Güte ist mit unseren Leuten los, sich darauf zu stürzen? Heißt es doch letztendlich: Erst mal ICH!!!
Niemand muss sich wundern, wenn unser Allgemeinwohl, immer dünner wird. Die Menschen sind nicht mehr bereit sich als Gruppe/ Gemeinschaft zu tragen. Es zählt mittlerweile: Wer kommt für meine pers. Verwirklichung auf.
Und wenn es da hakt, ist man angepi... Und die Welt ist ungerecht.
Warte mal, so aktuell: Hartz4 Sätze sollen um 5 - 10 EURONEN erhöht werden. Mmh...zu wenig? Also ich habe in meiner Branche in den letzten 10 Jahren nur Lohnabschläge hinnehmen müssen! Alte Geschichte: Man macht trotzdem weiter...
Man: Letztendlich handelt es sich um eine beschlossene Grundversorgung, die in Notfällen angebracht ist, aber genutzt wird bis zur Zerstörung des Gemeinwohls.
09:12
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08:13
Solche Blindheiten des Sozialstaates gibt es, besonders im Bezug auf Bildung, einige.
Da Bundesgesetze vorsehen, dass ich altersbedingt kein BaföG bekomme (BaföG §10) und nicht mehr den Studententarif in der Krankenkasse [nicht wegen Studienzeit; ich bin 100%ig im Soll], dort also mehr zahlen muss (SGB V, §5, Abs. 1, Nr.9), ist das Aufstiegsstipendium des Bildungsminesteriums meine letzte Hoffnung; gewesen. Weit gefehlt! Ich bin Pädagoge, um genau zu sein Heilerzieher, und studiere jetzt Sonderpädagogik. Pädagogik ist aber noch nicht einmal im Anmeldeformular für das Stipendium, welches von Fr. Schavans Ministerium vergeben wird, vorgesehen. Mein Eindruck ist, dass unsere Gesellschaft dringend qualifizierte Pädagogen benötigt. Dies scheint nicht die Ansicht des Bildungsministeriums zu sein.
So kann ich nur versuchen mit zwei konstanten Nebenjobs und durcharbeiten in der vorlesunsfreien Zeit, in der ich natürlich auch meine Prüfungen schreibe, sowie diversen sporadischen Jobs, mein Studium selber zu finanzieren. Über die Armutsgrenze habe ich es damit zwar bisher noch nicht geschafft, aber wenn es das nächste mal in den Medien wieder heißt, dass viele Stipendiengelder noch nicht einmal in Anspruch genommen würden denke ich mir dann einfach: „Wieso auch, schließlich sollen die Menschen doch was leisten?
Ausführlich- http://tinyurl.com/387qvsq
Studienfinanzierung- http://tinyurl.com/2vcaopp
07:16
Wer eine Schule besucht steht dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung - also bekommt er auch kein Geld von der Arge oder von der Agentur.
Das gilt nicht nur für junge, alleinerziehende Mütter sondern für alle.
Es ist in diesem Falle traurig, weil ich die junge Frau gut verstehen kann, an den Tatsachen ändert es nichts
23:44
wie wäre es denn mal, wenn junge Frauen erst nen beruf lernen und dann Kinder in die Welt setzen....??? dann müsste auch der Staat nicht immer versuchen, solche Fälle zu regulieren
17:23
Und ich habe hier nicht alle Ausländer über einen Kamm gescheert. Es ist eine Erfahrung die ich gemacht habe. Diese ist aber auch kein Einzelfall. Und sagt das das nicht so ist ist ein LÜGNER!