09 ist bei Jermanns Familiensache

Stadionsprecher Martin Jermann in seiner Sprecherkabine – hoch über dem Platz.
Stadionsprecher Martin Jermann in seiner Sprecherkabine – hoch über dem Platz.
Foto: Martin Ilga

Mit dem letzten Spieltag am heutigen Samstag geht auch für Martin Jermann eine lange, arbeitsreiche Saison zu Ende. Als Stadion- und Pressesprecher der SG Wattenscheid 09 hat er sich ganz sicher kein einfaches Ehrenamt ausgesucht. Die Sommerpause kommt da – nach der erneut turbulenten Spielzeit 2014/15 – gerade recht.

„Anfangs war es tatsächlich sehr schwer, eine angemessene Kommunikationsstruktur zu finden. Inzwischen haben aber einige Verantwortliche den Verein verlassen. Es dringt nicht mehr so viel nach außen durch. Gerade am Ende, als die Lizenzierung für die Regionalliga auf der Kippe stand, haben wir die Ruhe bewahrt und zunächst mit dem Verband gesprochen, erst danach die Öffentlichkeit mit Tatsachen konfrontiert. Mein Job ist dahingehend wesentlich angenehmer geworden“, zieht der 48-Jährige ein persönliches Saisonfazit.

Er hofft, dass die nun eingekehrte Ruhe in dem fast schon traditionell unbeständigen Umfeld an der Lohrheide anhält. Schließlich kostet dieses Hobby nicht nur Nerven, sondern auch Zeit. Gut 20 Stunden gehen Woche für Woche aufs Konto der SG Wattenscheid 09. „Für den Posten des Stadionsprechers, das 09er-Stadionmagazin, den Internet- und Facebook-Auftritt der SG 09, Pressemitteilungen, Beantwortung von Anfragen der Medien und die Unterstützung der Fanabteilung, etwa bei Stadionverbotsverfahren“, zählt der Kommunikationselektroniker auf.

Auf alter Tribüne groß geworden

Seit dem 8. März 2014 ist er bei den Heimspielen im Rund der Lohrheide zu hören. Michael Seiß, damals Pressesprecher des Clubs, rief ihn an, schubste Jermann ins kalte Wasser. Zwar ist er heute nicht mehr so aufgeregt wie beim ersten Mal, doch weiß er zu berichten: „Ich finde es enorm wichtig, die Spannung zu halten. Bei zu viel Routine wird man unaufmerksam und macht Fehler. Und jede Partie, jeder Gegner und jede Aufstellung ist anders.“

In der Woche vor dem Spiel stellt er daher einen Ablaufplan zusammen, koordiniert Musik und Redeanteil. Neue Infos müssen aber auch noch kurz vor dem Anpfiff hineinpassen. Versprecher sind trotzdem nicht zu vermeiden. „Ich probiere zwar, Fehler galant zu umschiffen. Aber ich ärgere mich tierisch darüber, wobei viele wohl gar nicht auffallen; so zumindest mein Eindruck.“

09: Das ist Familiensache bei Jermanns. Der Vater, der für die SGW in der Jugend auflief, nahm Martin mit, Martin nimmt wiederum seinen Junior mit. „Ich bin auf der alten Tribüne groß geworden“, blickt der Fan, der nach dem Rücktritt von Michael Seiß auch Pressesprecher des Vereins wurde, zurück. Die Verbindung zu all dessen ist an seinen Beinen unübersehbar. Auf der linken Wade Stadtwappen, Patronin St. Gertrud und 09-Logo tätowiert, rechts den Vater im schwarz-weißen Dress vor der Zeche Holland und der alten Tribüne abgebildet: Vereinsliebe, die unter die Haut geht.

Daher darf die Sportgemeinschaft am heutigen Samstag auch nicht absteigen, wie Jermann betont. Er will auch nicht daran glauben. „Wir gewinnen und halten die Klasse, weil es die Fans und Helfer, die so viel für den Verein geben, einfach verdient haben, dass diese Saison einen versöhnlichen Abschluss findet.“