Von der Schulbank ins Unternehmertum
14.02.2012 | 17:21 Uhr 2012-02-14T17:21:00+0100
Warstein. Warsteins Wirtschaftsleben könnte in Kürze bunter werden: Am Gymnasium überlegen sich nämlich Schüler, eine eigene Firma zu gründen. Am Dienstag holten sie sich fachkundigen Rat.
Zu Gast war dort Stefan Schraner, der selbst zwei Unternehmen gegründet und zwei weitere übernommen hat. Er zeigte den Schülern aus der Jahrgangsstufe 10 auf, was es heißt, Unternehmer zu sein – und wie man es wird.
Wer Erfolg haben will, muss auch Risiken eingehen, weiß der 41-Jährige, „seit mehr als 20 Jahren Vollblutunternehmer“, wie sich der Betriebswirt den Pennälern des Sozialwissenschafts-Kurses vorstellte. Und: „Dabei möglichst schnell reich werden wollen? Dann soll er es lassen!“ Gebe es nur den monetären Antrieb, „sind das die, die über Leichen gehen.“ Und das möchte der Familienvater, der aus fränkischen Mittelstand stammt, nicht.
Sein erstes Unternehmen, das er mit Mitte 20 gründete, beschäftigt sich mit Feuerwehr-Navigation, ist Marktführer in Deutschland. Auch ein Evakuierungssystem vertreibt Schraner mit einer weiteren Firma. Und im „Erfolgslabor“ geht es ihm um die Förderung des Unternehmertums. Er ist Projektleiter Schülerunternehmertum und Delegierter der G20 Young Entrepreneurs’ Alliance der Wirtschaftsjunioren Deutschlands. In dieser Eigenschaft hat er auch ein Buch „start up power“ herausgebracht. Auf das stieß Lehrer Bernd Belecke, wollte das Werk ordern – und bekam noch das fachkundige Seminar für die Schüler oben drauf – denn Schraner war ehrenamtlich am Gymnasium zu Besuch.
Die Warsteiner Schüler hatten sich im Sowi-Unterricht mit dem Unternehmertum beschäftigt; zusammen mit Lehrer Jan Harlaß überlegen die Pennäler nun – freiwillig und nach dem Unterricht – selbst unternehmerisch tätig zu werden, eine kleine Firma zu gründen. Wie viele von den 28 Schülern des Kurses dabei sein werden (oder aus dem zweiten Kursus vielleicht noch dazustoßen), ist noch unklar.
Solch ein Schülerunternehmen soll zwar in gewisser Weise spielerisch sein (Schraner glaubt beispielsweise, dass die Jugendlichen durch ihre „Unbeholfenheit“ zu Beginn durchaus Vorteile haben können), soll aber durchaus auch volkswirtschaftlichen Nutzen bringen, sprich tatsächlich am Markt tätig sein.
Erste Ideen haben die Schüler bereits entwickelt – vom (sicherlich recht anspruchsvollen) Partyservice über Nachhilfe bis zu Schmuck- und T-Shirt-Design könnten es sein. Das Engagement sollte durchaus neben Schule (und gegebenenfalls später Studium) zu machen sein, weiß der 41-Jährige aus Erfahrung.
„Unternehmen statt unterlassen“, hat Schraner plakativ in die Klasse gehängt, als er beginnt zu erzählen, wie er über Audi zum Unternehmen für die Feuerwehr gekommen ist – und das „mit Null Ahnung vom Feuerwehr-Wesen“.
Und damit erläutert der Experte, was den Unternehmer – im Gegensatz zum Selbstständigen – ausmacht. Ein Selbstständiger (Schraner: „Das ist schon etwas gefährlich!“) erziele die Wertschöpfung in seiner Person: „Wenn der Zahnarzt in Urlaub ist, dann ist die Praxis zu!“ Ein Unternehmer besitze eine Firma, ausführend seien Manager und Fachkräfte. Ein Unternehmer habe den Blick von außen. Aktuelles Negativ-Beispiel: „Die Firma Schlecker stolperte über Herrn Schlecker“ – der habe sich ins Management-Tagesgeschäft eingemischt, was bei einem derart großen Unternehmen nicht mehr gehe: „Er hat Schlecker wie eine Firma mit fünf Filialen geführt, doch Schlecker hatte 11 000.“
Ein Unternehmer habe Visionen und Selbstvertrauen, gehe Risiken ein, während Manager auf vorgegebenen Pfaden (wie ein Jockey) schnell ans Ziel kommen wolle.
Mit dem starten, was da ist, gab Schraner den Schülern mit auf den Weg („gestern war die beste Möglichkeit zum Start“). Man müsse den leistbaren Verlust (Geld, Freizeit) festlegen, unerwartetes nutzen, um es in Möglichkeiten zu verwenden, Partnerschaften und Abkommen eingehen.
Gartenarbeit für Senioren
An Ideen der Zehntklässler stellte Schraner vor, wie man vorgeht: Zum Angebot „Gartenarbeit für alte Leute“ werden Spaten und Heckenschere benötigt – und Zeit. Wobei, wie Schüler anmerkten, letztlich andere die eigentliche Arbeit machen sollten nach dem Motto: „Ich kenne da jemanden, der kann Deinen Garten machen!“. Und wenn die Oma sich rüstig genug fühlt – vielleicht hat sie ja eine Tochter, der die Zeit für den Garten fehlt.
Man könnte auch mit iPhone und YouTube Geld verdienen: Warum nicht Spots für den örtlichen Bäcker drehen und ins Netz stellen. Wichtig: „Das Gespräch darüber müsst Ihr mit dem Chef, nicht der Angestellten führen!“ Bei allem sollten die Prioritäten feststehen: „Es gibt auch noch den Sport – und die Schule.“
Und dann wäre da auch noch die rechtliche Seite: Wer 14 ist, kann eine Firma gründen (mit Zustimmung der Eltern und des Vormundschaftsgerichts), als Rechtsform biete die sich die Unternehmer-Gesellschaft (UG) als „kleine GmbH“ an, wobei das Startkapital schon ein paar hundert Euro betragen sollte („sonst ist man sofort pleite“). Es müssen natürlich auch Steuern gezahlt werden – kein Wunder, dass Schraner empfiehlt, einen Steuerberater mit ins Boot zu holen.
Nachdem die Schüler diese vielen Informationen verdaut haben, beginnt nun die Überlegung, ob und welches Projekt realisiert werden kann. Der Wirtschaftsjunior aus Mittelfranken hat jedenfalls zugesagt, die Warsteiner weiter zu unterstützen. Damit das heimische Wirtschaftsleben tatsächlich bunter wird.
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