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Sturmtag

Traditionen und coole Schützen

24.05.2012 | 18:36 Uhr
Festzug vor der Sturmtagsfeier: Schützen, Sturmtagskanoniere und Nachtwächter ziehen zur Schützenhalle.

Belecke.   Der Sturmtag, mit dem Belecke in diesem Jahr zum 564. Mal an die siegreiche Abwehr der Soester Angreifer bei der Soester Fehde erinnerte, „ist eine großartige Sache. Tradition bekommt einen warmen und schönen Klang, wenn wir heute gemeinsam mit den Feinden von einst feiern“, betonte der ehemalige WP-Chefredakteur Bodo Zapp in seiner Festrede bei der abendlichen Sturmtagsfeier.

„Schön, dass ihr alle da seid“, begrüßte er ohne Umschweife die rund 400 Gäste in der Schützenhalle und unterhielt mit einer launigen Ansprache. Trockene historische Zahlen legte er bewusst beiseite und stellte das bürgerschaftliche Engagement in den Mittelpunkt seiner Rede. So gebe es in kleinen Orten wie Belecke ein starkes Gemeinschaftsgefühl. „Hier wird Nachbarschaft gepflegt, hier gibt es Menschen, die sich kümmern“. Das Ehrenamt bekomme nicht nur in den Vorständen der Vereine ein Gesicht. Es kümmern sich zahlreiche Menschen um pflegebedürftige Angehörige ohne mediale Aufmerksamkeit. „Aber ohne diese stillen Helden wäre die Welt ärmer und kälter“, so Bodo Zapp.

Gemeinschaft braucht auch Orte, wie die Aula mit ihrem kulturellen Angebot oder die Schützenhalle als Treffpunkt für alle Bürger. Stellung bezog der Redner zum geplanten verschärften Rauchverbot für die Schützen. Auch als Ex-Raucher versteht er dies als „Gängelung“. Obwohl es ja schon früher bei den Schützen Rauchverbote gab. Zapp zitierte aus den Statuten von 1849: „Tabakrauchen ist während des Tanzes untersagt“.

Sturmtag in Belecke

Ebenso ließ er Bürgermeister Wilke, der 1448 bei der Fehde als einziger sein Leben ließ, einen Blick über Belecke werfen, in der man fast überall den Hauch der Geschichte spürt, wie in der Schatzkammer Propstei, „für Besucher fast immer geöffnet“. Wilke hätte sich gewundert über den heute südländischen Einschlag mit den vielen Pizzerien, der „Schnitzel-Parade“ im Deutschen Haus oder die „Power-Solutions“ im Gewerbegebiet. „Hier gibt es eine sensationelle Mischung von Alt und Neu.“ Bei der Suche nach Mitarbeitern seien Tradition und die Aufgeschlossenheit gegenüber „Buiterlingen“ Werbeargumente. Dann spannte der Festredner den Bogen wieder zu den Schützen, die mit dem Bürgermeister-Wilke-Preis geehrt wurden.

„Schützenvereine sind cool“, lobte Zapp deren Engagement. Mitein­ander und Menschlichkeit der Schützen stehen in Konkurrenz zu Fernsehen und Internet. Aber: „Auf Facebook kann man keinen Vogel abschießen“ - was allerdings nicht der Grund für die 300-jährige Erfolgsgeschichte der Schützen sei. „Miteinander und Gemeinwohl gehören zu Werten, die uns heute wichtig sind“. Für seinen mit viel Beifall bedachten Vortrag bedankte sich Ortsvorsteherin Elke Bertling mit einem Buch-Präsent.

Den von Hermann Jesse moderierten Abend gestalteten im weiteren Verlauf der Spielmannszug des TuS Belecke, die Musikvereinigung, der Männerchor Pankratius und der Gemischte Chor, der Plattdeutsche Arbeitskreis und die Nachtwächterzunft.

Susanne Löbbert



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