Das aktuelle Wetter Warstein 10°C
Energie

Stromnetz könnte wieder kommunal werden

24.09.2012 | 11:57 Uhr
Stromnetz könnte wieder kommunal werden
Warstein überlegt, das kommunale Stromnetz wieder in eigene Hand zu bekommen.

Warstein.  Sollte Warstein sein Strom-und möglicherweise das Gasnetz wieder in eigene Hände bekommen? Darüber wird derzeit diskutiert.

Für den Kunden ist die Sache eigentlich ganz einfach: Der Strom kommt aus der Steckdose, und mit dem Gas wird die Heizung befeuert. Vielmehr will man eigentlich gar nicht – außer natürlich einer möglichst geringen Rechnung am Ende des Jahres.

Hinter den Kulissen wird es allerdings komplizierter: Denn schließlich müssen Strom und Gas zu den Kunden gelangen. Dafür gibt es Strom- und Gas-Netze, die in Warstein der RWE gehören und vom lokalen Energieversorger WVG (Warsteiner Verbundgesellschaft) gepachtet wurden. Für die Nutzung wird eine Konzessionsabgabe fällig, die in die Tarife eingearbeitet und an die Stadt abgeführt wird.

Im Rahmen von Überlegungen zur Neuausrichtung der Energieversorgung in der Stadt Warstein entstanden nun erste Gedanken, die Netze zurück in kommunale Hände zu bekommen. In Warstein läuft der Strom-Konzessionsvertrag zum Jahresende 2014 aus. Und bei Nachbarkommunen sieht es ähnlich aus: In Erwitte läuft der Kontrakt bis Ultimo 2013, in Geseke bis 2014, in Anröchte bis Ende Februar 2015. Nach ersten Überlegungen einer Warsteiner Arbeitsgruppe „Konzessionsverträge“, könnte man diese Interessen bündeln und interkommunal zusammenarbeiten. Die Kommunalvertretungen in Erwitte und Anröchte haben bereits beschlossen, die Übernahme der Stromnetze – nach Möglichkeit mit weiteren kommunalen Partnern – zu prüfen. In Warstein überlegt man, sich nicht nur dieser Gruppe anzuschließen, sondern die Übernahme-Gedanken um die Gasnetze zu erweitern.

Netz betreibt sich nicht von allein

Welche Folgen hätte es für die Kunden, würde „rekommunalisiert“? Die Änderungen hielten sich vermutlich in Grenzen. Für den Versorger WVG ist es letztlich egal, ob er die Netze von der RWE oder der Stadt (beziehungsweise einem interkommunal zu gründenden Unternehmen) pachtet, um die Kunden mit Energie zu beliefern. Und die Kunden haben seit einigen Jahre die Wahl, ihren Lieferanten aus einer Fülle von Anbietern frei auszuwählen.

Problematischer könnten andere Aspekte sein: Ein Netz betreibt sich nicht von allein. Während sich derzeit die Experten der RWE darum kümmern, dass Strom und Gas in Warstein praktisch unterbrechungsfrei fließen, wäre dies künftig eine Aufgabe, die in Eigenregie zu meistern wäre.

Bei der WVG liegen Netz und Vertrieb in einer Hand – erst ab 100 000 Anschlüssen ist die Trennung zwingend erforderlich. Das dürfte sich bei einer Rekommunalisierung wohl ändern. Dafür würden Experten benötigt – für ein Netz wie in Warstein müssten dies mehr als ein Dutzend Mitarbeiter sein, die zusätzlich beschäftigt werden müssen – mit entsprechenden Kosten, die letztlich die Bürger bezahlen müssten. Die Mitarbeiter der Warsteiner Stadtwerke, Experten fürs Wasser, wären mit der hochkomplexen Materie überfordert.

Hinzu kommt der finanzielle Aspekt: Sollten die Netze rekommunalisiert werden, müssten diese von RWE gekauft werden. In Warstein sind derzeit 240 Kilometer Gasleitungen verbuddelt. Hinzu kommen rund 250 Kilometer Mittelspannungsleitungen und 500 Kilometer Niederspannungs-Leitungen für den Bereich Strom – dafür müsste die Stadt wahrscheinlich einen mittleren achtstelligen Betrag ausgeben, um die Netze von der RWE übernehmen zu können. Gleichzeitig würde die Stadt zusätzliche Einnahmen aus den Netzen generieren.

Manfred Böckmann



Kommentare
Aus dem Ressort
Jugendherberge zu „erhaltenswertem Gebäude“ erklärt
Bilsteintal
Die alte Jugendherberge im Bilsteintal ist durch die Stadt Warstein als so genanntes „erhaltenswertes Gebäude“ anerkannt worden. Damit ist die Voraussetzung dafür geschaffen, dass die Landesregierung finanzielle Mittel für die Instandsetzung und Sanierung zur Verfügung stellen kann.
Interessent für ehemaligen Rewe-Markt in Belecke
Leerstand
Nach vier jahren Leerstand im ehemaligen Rewe-Markt In den Kämpen zeichnet sich jetzt ab, dass das Areal wieder genutzt wird. Ob die alten Räume wieder bezogen werden oder ein Neubau geplant ist, ist bislang allerdings noch offen.
Gute Noten für das Waldfreibad-Konzept
Tourismus
Als realistisch, vernünftig und wohl durchdacht sieht Dr. Hartwig Carls-Kramp, Vorsitzender des Netzwerks Bürgerbäder und gleichzeitig Vorsitzender des Fördervereins des Elsebades in Schwerte, das Konzept des Betreibervereins „Waldfreibad Hirschberg“ an. Vorsitzender Norbert Dittmann hofft nun, dass...
Gleich drei katholische Büchereien versorgen das Möhnetal
Tag der Bibliotheken
Allagen, Belecke, Sichtigvor – drei katholische öffentliche Büchereien (KöB) gibt es im Pastoralverbund Möhnetal. Die KöBs sind beliebte Anlaufpunkte in den Dörfern und blicken bereits auf eine lange Geschichte zurück. Ein Streifzug durch die Lesewelten des Möhnetals.
Singen mit der „Plattdeutschen Gitarre“
Unterricht
Die „Plattduitske Schaule“ will den Jüngeren die Belecker Mundart beibringen. Ein Unterrichtsbesuch
Umfrage
Es tut sich was in Warsteins Mitte: Die Innenstadtentwicklung kommt endlich voran. Doch wie soll das Projekt im Herzen der Stadt heißen? Zusammen mit

Es tut sich was in Warsteins Mitte: Die Innenstadtentwicklung kommt endlich voran. Doch wie soll das Projekt im Herzen der Stadt heißen? Zusammen mit "We love Warstein" rufen wir Sie dazu auf, Ihre Meinung abzugeben. Was ist Ihr Favorit?

 
Fotos und Videos
Wir sind Warstein!
Bildgalerie
Warsteiner Herbst
Brauer-Taufe & Stadtlauf
Bildgalerie
Warsteiner Herbst
Brauer-Umzug in Warstein
Bildgalerie
Warsteiner Herbst
WP-Schützenköniginnen
Bildgalerie
Preisverleihung