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Strahlkraft der Ballone

23.04.2008 | 15:36 Uhr
Strahlkraft der Ballone

Warstein. Die Warsteiner Internationale Montgolfiade ist einer der größten Publikumsmagnete in der Region. Doch hinter dem Ereignis steht ein Wirtschaftsunternehmen, das genau kalkulieren muss. Hermann Löser ist Geschäftsführer der WIM GmbH.

Westfalenpost: Warum hat die Verknüpfung von kulturellem Event und Wirtschaftsunternehmen einen so großen Reiz? Was hat Bier mit Ballonen zu tun?

Hermann Löser: Die Idee ist vor 20 Jahren als Marketingstrategie erfunden worden. Als leidenschaftlicher Ballonfahrer empfand Albert Cramer, der Inhaber der Warsteiner Brauerei, das Ballonfahren als geeignetes Marketinginstrument. Die Ballone vermitteln Freiheit. Diese positive Strahlkraft wollte er für die Marke Warsteiner nutzen.

Frage: Heute ist die Montgolfiade mit über 300 Ballonen ein Erfolg. Welche Bedeutung hat sie für die hiesige Wirtschaft?

Löser: Während des Events ist sie ein enormer Wirtschaftsfaktor für die Region. Im Umkreis von 40 Kilometern wird kein Hotel zu finden sein, das Zimmer frei hat. Alle profitieren davon: von der Tankstelle bis zum Souvenirladen. Der Besitzer eines Andenkengeschäftes erzählte mir, dass es für ihn umsatzmäßig zwei Jahreszeiten gibt — Weihnachten und Montgolfiade. Ein Tankstellen-Betreiber berichtete, er mache zur Montgolfiade 20 Prozent mehr Umsatz.

Frage: Wieviel Geld fließt in die Montgolfiade?

Löser: Wir bewegen uns da ohne Zweifel in einem sehr hohen sechsstelligen Bereich.

Frage: Trägt sich die Montgolfiade denn selbst?

Löser: Mit Hilfe von Sponsorengeldern trägt sie sich selbst. Ohne Sponsoren müssten wir allerdings Konkurs anmelden. Da reichen die Einnahmen für die Ballonfahrten oder die Standplatzvermietung nicht.

Frage: Und sie legen es nicht darauf an, Gewinn zu machen?

Löser: Wir machen keinen Gewinn. Wir müssen jedes Jahr versuchen, am Ende mit Plus-Minus Null da zu stehen.

Frage: Also ist die Montgolfiade ein Prestige-Objekt, keine große Einnahmequelle?

Löser: Das ist richtig. Die Montgolfiade ist eine Plattform für Marketing und Kundenbindung. Hier wird, auch mit Hilfe von Medienpräsenz, eine Bekanntheitssteigerung des Markennamens angestrebt. Die Ballone vermitteln dabei ein positives Image.

Frage: Sind sie dabei auf Prominente wie Thomas Gottschalk angewiesen?  

Löser: Die Menschen kommen nun einmal, weil verschiedene Promis da sind. Wir hatten schon Dede, Katja Flint, aber auch Politiker. Natürlich ist ein Herr Gottschalk ein Magnet. Dann kommen auch Fernsehteams zu unserem größten, jährlichen Festival mit Ballonen in Europa.

Frage: Wie ist das Unternehmen „Warsteiner Internationale Montgolfiade” aufgestellt?

Löser: Zwei Vollzeitkräfte arbeiten das gesamte Jahr für die Tochterfirma der Warsteiner Brauerei, die allerdings ein komplett eigenständiges Unternehmen ist. Wir sind für alles zuständig — von der Platzgenehmigung über sämtliche Versicherungen, Ballone, Verkehr bis hin zur Livemusik. Bis zur Montgolfiade wird die Zahl der Mitarbeiter dann auf 300 hochgefahren.

Frage: Gibt es konkrete Ziele für die Zukunft?

Löser: Man stößt, was Parkplätze und Fläche angeht, an die Grenzen. Das oberste Ziel bleibt aber, dass die Ballone das Wichtigste sein sollen. Das ist der Mittelpunkt. Kirmes und anderes ordnen sich dem unter. Für die Zukunft müssen wir einiges perfektionieren. Da denke ich an die Verkehrsflut, die es gilt, zu ordnen. Die Verkehrsführung ist bisher schwierig gewesen.

Kerstin EIGENDORF

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