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Stadtbummel durch Warstein im Rollstuhl

01.02.2012 | 16:19 Uhr
Stadtbummel  durch Warstein im Rollstuhl
Die WP-Volontäre Laura Millmann und Bastian Angenendt versuchen im Selbsttest die Barrierefreiheit in der Warsteiner Innenstadt auszutesten.Foto: Limbrock

Warstein.Meine Muskeln verkrampfen sich, als ich mich in den Rollstuhl setze. Ich will am liebsten sofort wieder aufspringen, wegrennen, den Versuch abbrechen. Hauptsache nicht mehr so hilflos und klein fühlen. Aber ich bleibe sitzen. Kneifen gilt nicht.

Der erste Versuch, mir etwas Eigenständigkeit zu bewahren, scheitert. Ich will einfach nur die Straßenseite wechseln. Vom Bordstein runter klappt recht gut, aber auf der anderen Seite wieder hoch zu kommen, ist schlichtweg unmöglich. Mit den Rädern bleibe ich an der Kante hängen – fünf Zentimeter werden zu einem unüberwindbaren Hindernis.

Hintergrund
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Auf der Internetseite www.wheelmap.org können Rollstuhlfahrer ihre Erfahrungen, die sie gesammelt haben, weitergeben. Sie können Orte mit roten, gelben oder grünen Symbolen versehen. Grün bedeutet „rollstuhlgerecht“, ohne Stufen, mit Behinderten-WC. Gelb steht für „teilweise rollstuhlgerecht“. Die so markierten Lokale, Läden oder Einrichtungen dürfen nur eine Stufe von höchstens 7 Zentimetern haben und die wichtigsten Räume müssen stufenlos sein. Das WC spielt keine Rolle. Das WC spielt keine Rolle. Nach unserer Tour können auch wir einige Orte diesen Kategorien zuordnen.

Mir bleibt nichts anderes übrig, als Basti die Verantwortung zu überlassen und darauf zu vertrauen, dass er mich schiebend sicher ans Ziel bringt. Aber auch das ist nervenaufreibend. Jedes Mal, wenn er den Rollstuhl auch nur leicht anhebt, habe ich Angst, dass ich vielleicht doch umkippen könnte. Eine Vertrauensübung unter Kollegen. Doch Basti hat alles im Griff und meine Muskeln entspannen sich langsam, als wir uns auf den Weg zum Netto an der Hauptstraße machen.

Viele Geschäfte und Lokale haben Stufen

Was das Fahren angeht, haben wir in dem Supermarkt keine Probleme; es gibt keine unüberwindbaren Hindernisse. Allerdings ergibt sich ein neues Problem: Meine Größe. Ich bin ja normal schon nicht groß, aber heute wurden meine 163 Zentimeter sogar noch um geschätzte 50 Zentimeter verkürzt. Selbst mit verzweifeltem Recken und Strecken komme ich an die obersten Regale nicht dran. Natürlich springt Basti sofort für mich ein und auch die Verkäuferin signalisiert mir ihre Hilfsbereitschaft. Trotzdem fühle ich mich furchtbar hilflos. Es ärgert mich, dass ich es beim besten Willen nicht alleine schaffen kann. Das Bezahlen stellt zum Glück kein Problem dar. Der Gang ist breit genug und ich kann mühelos meine Einkäufe auf das Band legen. Ein gutes Gefühl.

Die WP - Volontäre Laura Millmann und Bastian Angenendt versuchen im Selbsttest die Barrierefreiheit in der Warsteiner Innenstadt auszutesten.Foto: Limbrock

 Weiter geht’s mit unserem Stadtbummel, die Diplohstraße hinauf. Noch nie ist mir aufgefallen, wie viele Geschäfte und Lokale Stufen haben. Da komme ich selbst mit Bastis Hilfe nicht rauf. Dazu fehlt uns auch einfach die Übung. Das CappoVino wäre eine Möglichkeit, ist aber leider überfüllt. Also begeben wir uns, getrieben vom Kaffee-Durst, auf eine kleine Odyssee. Die Diplohstraße rauf, dann die Hochstraße entlang, rechts auf den Pfarrer-Menge-Weg und wieder auf die Hauptstraße.

Ein Kaffee am Stehtisch

Dabei wird mir klar, was das schlimmste am Rollstuhl ist: Er ist ein Blicke-Magnet. Manche gucken kurz und schauen dann schnell beschämt zur Seite, andere lächeln mich freundlich an, als würden sie mich aufmuntern wollen. Nur die Kinder gucken unverhohlen und interessiert. Diese Neugierde ist mir auf jeden Fall lieber als mitleidige Blicke.

Den Kaffee finden wir in der Bäckerei Schulte. Zwar gibt es hier nur Stehtische, aber an meine Tasse komme ich locker dran und der größte Pluspunkt ist der ausreichende Platz in dem Laden. Was will man denn mehr? Ansprüche darf man als Rollstuhlfahrer anscheinend eh nicht stellen.

Lesen Sie hier (K)ein Stadtbummel durch Warstein

Laura Millmann

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