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Rosenmontagszüge standen auf der Kippe

24.01.2015 | 00:11 Uhr

Warstein/Meschede. „Krank seit Karachi“ und „Pockenfrei für 130 Oberschüler“ – der Ausbruch der Pocken im Januar 1970 beherrschte wochenlang die Schlagzeilen der lokalen Presse. Auch die WESTFALENPOST blickte damals auf das Geschehen in Warstein und Meschede:

17. Januar 1970: Die WP berichtet über den 20-Jährigen, der die Pocken nach Meschede brachte. Mit den Mitgliedern einer Bochumer Kommune, „die sehr schnell von ideologischen Vorstellungen weg, dafür aber mit Rauschgift in Berührung kamen“, fuhr er „mit einem Kleinbus über Jugoslawien und die Türkei nach Westpakistan, um dort zu gammeln und Haschisch zu rauchen. Die Gruppe vegetierte zwischen Verzweiflung und Hasch-Trips.“ Einen Tag vor Silvester flog er zurück nach Deutschland, kurz zuvor muss er sich angesteckt haben.

20. Januar 1970: „Das Aufnahmeverbot im Krankenhaus von Meschede wurde zum größten Teil aufgehoben“, wird berichtet. Die Seuchengefahr scheint gebannt – bis sich Fritz Funke am 26. Januar bei Reinhold Scheef meldet.

31. Januar 1970: „Pockenverdacht in Warstein bestätigt“, meldet die WP und zitiert Amtsdirektor Willi Klasmeier: „Es besteht kein Grund zur Unruhe. Wir haben alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen.“

4. Februar 1970: Während inzwischen vier Quarantäne-Stationen in Warstein und Umgebung eingerichtet worden sind, lassen sich die Warsteiner impfen. „Die Zahl der Impfungen ging gestern (Dienstag) gegenüber 1000 am Montag auf die Hälfte zurück“, schreibt die WP und berichtet von dem amerikanischen Fernsehjournalisten Jack Sheabah: „Für ihn mußte eigens aus der Privatpraxis eines Warsteiner Arztes der internationale Impfstoff herangeschafft werden.“

5. Februar 1970: Einige Veranstaltungen fallen wegen des Pockenausbruchs aus – auch die Rosenmontagszüge? Die WP kann beruhigen: „Nach Rücksprache mit Bürgermeister, Stadtdirektor und Medizinaldirektor hat sich die GWK entschlossen, den Rosenmontagszug laufen zu lassen.“

12. Februar 1970: Während die ersten Isolierten aus der Quarantäne entlassen werden, erreicht die Warsteiner Amtsverwaltung nach WP-Angaben Lob von höchster Stelle: „Regierungsmedizinaldirektor Dr. Wetzig aus Arnsberg äußerte gestern in einem Gespräch: ,Ich glaube, hier noch einmal mit aller Deutlichkeit herausstellen zu müssen, daß das, was in puncto Organisation in dieser Angelegenheit von der Verwaltung in Warstein geleistet worden ist, den Stempel ,Musterbeispiel’ verdient.’“

13. Februar 1970: Die WP zieht eine erste Bilanz: „2 Tote, 15 Kranke und fast 260 Isolierte.“ Die Landesregierung wird aufgefordert, den Kranken und Isolierten, aber auch mittelbar Betroffenen großzügig zu helfen: „Es gibt so manchen kleinen Laden, dessen Inhaber nicht weiß, wie er die Rechnungen bezahlen soll.“

Thorsten Streber

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Rosenmontagszüge standen auf der Kippe
Rosenmontagszüge standen auf der Kippe
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2015-01-24 00:11
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