Paar-Sportgruppe stärkt Zusammenhalt
06.02.2012 | 17:23 Uhr 2012-02-06T17:23:00+0100
Sichtigvor.Sich gegenseitig zu motivieren ist einfacher, als alleine seinen inneren Schweinehund zu überwinden. Das hat auch Martina Sprenger erkannt und vor zwölf Jahren eine besondere Sportgruppe gegründet. Eine Turngruppe nur für Paare.
Dienstagabend, viertel nach sechs: Langsam trudeln die Paare vor der Turnhalle der Grundschule in Sichtigvor ein. Um 18.30 Uhr geht es los, aber vorher muss natürlich noch ein bisschen gequatscht werden. Einige der Teilnehmer sind seit dem Beginn vor 12 Jahren dabei, so etwas schweißt zusammen. Heute stehen Stäbe auf dem Gymnastik-Programm. Letzte Woche hatte sich die Gruppe an eine Sportart aus Amerika herangewagt, „Drums Alive“, wobei mit Gymnastikbällen getanzt und getrommelt wird. Was nächste Woche kommt, verrät Kursleiterin Marita Sprenger nicht. „Es soll schließlich eine Überraschung sein, damit es nicht langweilig wird.“
Insgesamt tummeln sich 15 Paare in der Halle, obwohl sich schnell eine Männer- und eine Frauenecke bildet. Die Beweggründe der Teilnehmer sind unterschiedlich. Otto Beringer zum Beispiel wollte sich nach einer Operation wieder fit werden. „Das ist mit 70 Jahren gar nicht so leicht“, meint der Sichtigvorer und haut sich stolz auf den Bauch, „der war vorher noch dicker und ist jetzt fast weg.“ Seine Frau Erika hatte erst den Donnerstagskursus für Frauen besucht und dann ihren Mann überredet, gemeinsam auch beim Pärchensport mitzumachen.
Genauso hatte Marita Sprenger sich es vorgestellt, als sie den Kurs gründete: „Die Turngruppen sind voll mit Frauen, und Männer trauen sich dann oft nicht zu kommen. Hier kann man sich eben nur zu zweit anmelden. Es wird zu einem festen Termin in der Beziehung und gerade im Ruhestand ist es wichtig, gemeinsam etwas zu unternehmen.“ Sie schaut sich in der Halle um: „Das heißt, wie man sieht, nicht, dass man auch in der Stunde alles mit dem Partner machen muss.“
Teilnehmer Josef Wolters zum Beispiel hat sich für die Partnerübung seinen Sport-Kumpel Bernd Quente geschnappt, während seine Frau Vera mit ihrer Freundin Isolde Fröhlich die Stäbe im Takt der Musik schwingt. Das Ehepaar Wolters ist seit der ersten Stunde mit dabei. Erst musste Vera ihren Mann allerdings überreden. „Es hat schon ihn Überwindung gekostet, aber jetzt macht es ihm Freude“, so die Kursteilnehmerin. Ihr Mann stimmt ihr zu. „Es ist schön, dass man etwas gemeinsam unternehmen kann. Obwohl ich für etwas mehr Power bin“, meint er augenzwinkernd.
Neben den Partnerübungen gibt es auch viele Einzelübungen, bei denen jeder selbst entscheiden kann, wie viel Einsatz sein Körper schafft. „Man muss auch lernen, auf seinen eigenen Körper zu hören“, sagt Marita Sprenger, „keiner muss sich hier verausgaben. Es geht darum, Freude an Bewegung zu haben. Die Teilnehmer sollen einfach etwas für sich tun, für ihren Körper und für ihren Geist.“
Die wöchentliche Stunde ist dabei immer gleich aufgebaut, auch wenn die Inhalte variieren. Nach der Begrüßung kommt die Erwärmung. Dann geht es weiter mit einem kleinen Ausdauerteil, der dieses Mal darin besteht, sich mit dem Stab zur Musik zu bewegen - passend zur Jahreszeit hat sich Marita Sprenger für karnevalistische Lieder entschieden, bei denen sogar manche anfangen mitzusingen. Zum Schluss wird ein bisschen die Kraft, die Dehnfähigkeit sowie die Koordination trainiert. Zum Schluss wird aktuelles besprochen.
Zwischendurch gibt es immer wieder Trinkpausen und somit Zeit, sich auszutauschen. „Wichtig ist beim Sport auch der soziale Aspekt“, ist sich die Kursleiterin bewusst. Die Freundschaften, die hier geschlossen werden, gehen auch über den gemeinsamen Sportkursus hinaus.
Nach eineinhalb Stunden verlassen alle Teilnehmer ausgepowert und zufrieden die Halle Richtung Umkleidekabinen. Hier wird sofort weiter gequatscht. Ganz nach dem Motto „Sport verbindet“ - innerhalb einer Beziehung und auch unter den Paaren.
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