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Serie: BSG-Jubiläum

Ohne Terminplaner geht nichts

03.02.2012 | 16:45 Uhr
Ohne Terminplaner geht nichts
Christian Traud, Rendant der Bürgerschützengesellschaft Belecke

Belecke.Für ihn besteht der Schützenverein vor allem aus Zahlen. Als Geschäftsführer, der so genannte Rendant der Bürgerschützengesellschaft Belecke, sorgt Christian Traud für den reibungslosen Ablauf hinter den Kulissen.

Ohne seinen Terminplaner geht nichts. Wichtigstes Datum in diesem Jahr ist das Wochenende vom 24. bis 26. August – Jubiläumsfest! Wenn er von der Arbeit nach Hause kommt, erwarten meist schon mindestens drei Leute seinen Rückruf. Oft geht es um die Vermietung der Halle. Daran hat sich der 40-Jährige inzwischen gewöhnt. „Auch gedanklich ist man oft beim Verein“, sagt Traud. Natürlich sei es nur ein Hobby, „aber ein ziemlich zeitintensives“. Neben seinem Job als kaufmännischer Angestellter hat er die Aufgabe, die Finanzierung der Bürgerschützengesellschaft sicher zu stellen. Keine kleine Aufgabe für einen Verein mit über 1300 Mitgliedern.

Außenstehende und selbst Mitglieder bekommen von diesem organisatorischen Aufwand, der mehrere Aufgaben umfasst , kaum etwas mit. „Ich habe keine repräsentative Funktion“, erklärt Traud, „ich bin zuständig für den ordentlichen Geschäftsbetrieb und habe dadurch auch eine kaufmännische Sicht auf den Verein.“ Explizit für die Jubiläumsfeier bedeutet das: Organisation der Abläufe (Herrichten der Halle, Kellner, Getränke, Essen usw.), Abrechnung des Festes mit den einzelnen Lieferanten und so weiter. Genauso verhält es sich mit dem Schützenfest. „Für mich ist das Schützenfest, seit ich Geschäftsführer bin, vor allem Arbeit.“

Christian Trauds Frau beschwert sich nicht, dass ihr Mann im Moment Schützen-Überstunden macht. „Meine Frau hat damals darauf hingewirkt, dass ich dem Verein beitrete“, erzählt der gebürtige Rheinländer. Das war im Jahr 1997, als sie gemeinsam nach Belecke gezogen waren. „Erst wollte ich gar nicht beitreten“, erinnert sich der 40-Jährige, „ich meinte nur, wenn ich darauf angesprochen wurde: Ich renne doch nicht mit einem Holzgewehr durch die Gegend.“ Diese ablehnende Haltung hat sich dann aber schnell gelegt, wie er selbst sagt: „Ich kannte das Schützenwesen einfach überhaupt nicht. Aber der Zusammenhalt unter den Mitgliedern hat mich überzeugt.“

Im Jahr 2000 ist er beigetreten. „Da nahm das Unglück seinen Lauf“, meint der Rendant lachend. 2001 musste ein neues Mitglied für den Festausschuss der Ostkompanie gewählt werden. Er wurde vorgeschlagen und gewählt. 2005 wurde ein neuer Kompanieführer für die Ostkompanie gesucht – Christian Traud war zur Stelle. Auf der Generalversammlung 2010 übernahm er dann den Geschäftsführerposten von Dietmar Schulte.

Ohne seinen Terminplaner geht nichts. Wichtigstes Datum in diesem Jahr ist das Wochenende vom 24. bis 26. August – Jubiläumsfest! Foto: Laura Millmann

Heute kann er es sich nicht mehr anders vorstellen. Der Schützenverein hat ihm geholfen, Anschluss in der neuen Heimat zu finden. „Ich bin in Belecke zu Hause. Der Verein spielt dabei eine Rolle“, sagt der 40-Jährige. Auch das Vorurteil, dass Belecker „Sturköppe“ seien, kann er nicht bestätigen: „Ich habe die Leute hier als sehr offen erlebt und hatte keine Probleme als Zugezogener.“

Natürlich gibt es auch die lästigen Seiten seiner Arbeit, wie zum Beispiel der große bürokratische Anteil, wie beim Monatsabschluss der Eingangs- und Ausgangsrechnungen. Auch die Auflagen der Stadt empfindet Traud häufig als ärgerlich. „Da stellt man sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit“, sagt Traud mit Blick auf die Fixkosten Dazu kommt, dass man es als Rendant nie allen Leuten Recht machen kann. Aber diesen Anspruch hat Traud auch nicht an sich: „Ich bin kein besonders emotionaler Mensch. Wenn ich Entscheidungen treffe, bin ich immer darauf bedacht, im Sinne des Vereins zu handeln. Da geht es nicht um persönliche Empfindungen.“

Doch zum Glück überwiegen meistens die positiven Seiten. „Wenn man keinen Spaß daran hätte, könnte man es gar nicht machen“, ist Trauds Einschätzung. Positiv bedeutet für den Geschäftsführer in diesem Fall, wenn am Ende die Zahlen stimmen und wenn er seine Kräfte für die Gemeinschaft einsetzen kann: „Der Verein an sich symbolisiert Brauchtum und den Gemeinschaftssinn. Die Halle spielt dabei aus meiner Sicht eine große Rolle für ganz Belecke.“

Die Halle selbst gab es vor 300 Jahren noch nicht. Den Posten des Geschäftsführers aber schon, wie es aus alten Aufzeichnungen zu erkennen ist. Schon damals wurde Geld von den Mitgliedern eingesammelt. Durch die Halle haben sich die Aufgaben des Rendanten allerdings ausgeweitet.

Die neueste Entwicklung, die Traud zusammen mit den Mitgliedern des geschäftsführenden Vorstandes betreut hat, war der Bau der Photovoltaikanlage auf dem Dach der Schützenhalle. Das wird er an seinen Nachfolger weiter geben können. Genau darum geht es bei einem Verein, wie Christian Traud ihn in Belecke erlebt: Das Brauchtum aufrechterhalten, aber zugleich weiter entwickeln. Wie es in 300 Jahren geschehen ist.

Laura Millmann

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