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Mehr Privat-Insolvenzen in Warstein

12.10.2012 | 08:00 Uhr
Mehr Privat-Insolvenzen in Warstein
Die Zahl der Privatinsolvenzen ist in Warstein im Vergleich zum Vorjahr im ersten Halbjahr 2012 stark gestiegen.Foto: Jens-Ulrich Koch

Warstein.   Warstein läuft gegen den Trend und das bei einer traurigen Zahl: Im ersten Halbjahr 2012 ist die Zahl der Warsteiner Bürger, gegen die ein Insolvenz-Verfahren eröffnet wurde, im Vergleich zum Vorjahr stark gestiegen. Der Bundestrend spricht eine andere Sprache. Warum fällt Warstein aus der Norm?

Der Trend geht an Warstein vorbei: Während bundesweit die Zahl der Verbraucher-Insolvenzen im ersten Halbjahr des Jahres deutlich gesunken ist, wurden in Warstein bis zum 31. August deutlich mehr private Insolvenzverfahren eröffnet als im gleichen Zeitraum 2011.

Fast verdoppelt hat sich in Warstein die Zahl derjenigen, die nicht in der Lage sind, Zahlungsaufforderungen nachzukommen. Mussten im vergangenen Jahr von Januar bis August 13 Warsteiner Privatinsolvenz anmelden, sind es in diesem Jahr 24 Menschen. Eine Zahl, die angesichts der bundesweiten Zahlen klein wirkt, aber deutlich gegen die allgemeine Insolvenzlage spricht. 49 750 Privatinsolvenzen verzeichnet das Statistische Bundesamt in Deutschland für das erste Halbjahr 2012 - das sind 3,9 Prozent weniger als noch im Vorjahr.

Suchtkranke eher gefährdet

Wieso laufen die Zahlen in Warstein gegen den Trend? Hildegard Groß-Bölting von der Schuldnerberatung der Diakonie Ruhr-Hellweg in Warstein kann sich den Anstieg der Insolvenzen in Warstein so erklären: „Wir haben hier durch die Kliniken viele Menschen, die in einer Suchtbehandlung sind, die psychisch krank sind und die im betreuten Wohnen untergebracht sind.“ Diese Menschen seien eher gefährdet, in die Überschuldung abzurutschen, da sie durch ihre Krankheit oder Abhängigkeit auch schnell ihren Job verlören. Und dazu kommt: „Diese Menschen kommen von außerhalb nach Warstein und bleiben durch das betreute Wohnen hier. Dadurch werden sie auch hier registriert, wenn gegen sie ein Insolvenzverfahren eröffnet wird“, erklärt Groß-Bölting.

Rund ein Drittel derjenigen, die in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres in ihrer Sprechstunde Rat suchten, gehöre in die Gruppe der Kranken und Abhängigen. „Dass es mehr geworden ist, spüren wir tatsächlich. Dazu ist es aber vor allem auch beratungsintensiver geworden“, berichtet die Diakonie-Mitarbeiterin.

Immobilienschulden macht Hilegard Groß-Bölting als weiteren Hauptgrund für eine private Insolvenz aus: „Von den Insolvenzfällen, die ich bisher in diesem Jahr behandelt habe, stand ebenfalls ein Drittel im Zusammenhang mit nicht mehr leistbaren Hauskrediten.“ Oft stecke in diesen Fällen eine Scheidung dahinter.

Die drohende Altersarmut, die gerade in der aktuellen Debatte um steigende Strompreise wieder diskutiert wird, kann Hildegard Groß-Bölting dagegen in Warstein noch nicht feststellen: „ Die meisten Ratsuchenden bei uns sind zwischen 40 und 50 Jahren, es sind aber auch ganz Junge dabei.“

Anna Gemünd



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