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Sängerkarneval

Martins Traumfrau und wovon Frauen träumen

15.02.2010 | 13:00 Uhr
Martins Traumfrau und wovon Frauen träumen

Warstein. Warstein hat ein neues Traumpaar: Sie groß, dunkelharig und kurvenreich, er kleiner, schnauzbärtig und mit Rentierpulli. Zusammengebracht hat sie der Sängerkarneval des MGV 1858, der wieder einmal für Überraschungen gut war.

Akrobat besonderer Art: Franz-Josef Willeke versteht mit Wort und Mimik umzugehen. Foto: Armin Obalski

„Martin my love” haucht die „Dame” im hochgeschlitzten Kleid ihrem nicht gerade zur Kategorie Traumprinzen gehörenden Schwarm zu, und er ist völlig aus dem Häuschen. Die Nummer von Dieter Krebs ist schon älteren Datums, doch auf der närrischen Sängerbühne, noch dazu mit Dr. Andreas Thiele und Willi Bender in der Rolle des ungleichen Paares, wird sie wieder jung und frisch.

Jung und frisch, das werden auch einige altbekannte ältere Herren aus den MGV-Reihen, die sich immer wieder mit dem Gedanken tragen, als Akteure aufzuhören und das Programm einfach nur zu genießen. Nichts da! Erstens sprühen sie alle vier von Heinz Glänzer über Winfried Struff und Alfons Wienert bis zu Franz-Josef Willeke in den Wochen zuvor immer wieder vor neuen Ideen. Zweitens lässt es das Publikum nicht zu. Und drittens ist die Veranstaltung ohne sie einfach undenkbar. „Die Jüngeren kommen so langsam, aber auf euch Alten können wir nicht verzichten”, sprach Sitzungspräsident Willi Dicke dem restlos begeisterten Publikum aus dem Herzen.

Rücktrittsgedanke

Vor allem Alfons Wienert und FJW, die es zusammen bald auf 150 Jahre bringen, tragen sich immer wieder mit Rücktrittsgedanken — um dann doch immer aufs Neue voll aufzudrehen. Zwei Wochen, verriet Dicke, vor der Sitzung war bei Wienert dieser Punkt erreicht. In dieser Zeit entstand ein Vortrag, in dem Wienert aus dem Sängerleben berichtete. Geradezu staatstragend hatte er begonnen und alle warteten gespannt auf die ach so wichtige Nachricht, die er angeblich zu verkünden hatte. Doch die vielen feingedrechselten Worte galten letztlich nur einem bekannten Warsteiner Etablissement: „Wir singen wieder frohe Lieder, denn Nummer vier eröffnet wieder.” Darüber freute sich besonders Norbert Vogt, der bereits im Vorjahr begeistert in die Rolle des Hausmeisters von Nr. 4 geschlüpft war.

An Franz-Josef Willekes Ohr, und damit dem des von ihm verkörperten Dirigenten, hing das Publikum auch zu später Stunde noch mit Hingabe. Das lohnte sich auch, um zu erfahren, dass seiner Muschel, entgeht auch nicht das leiseste Getuschel und bei einem Chor, das Wichtigste sei das Dirigentenohr. Überhaupt fanden auch die leisen Töne aufmerksame Zuhörer, ob auf Platt, wie immer unvergleichtlich trocken vorgetragen von Winfried Struff, oder auf Sächsisch von Willi Bender alias Professor Fliegenbein.

Es wurde Bein gezeigt

Aber es gibt auch hoffnungsvollen Nachwuchs. Im Bereich Show belegte dies die choreigene Gruppe „Acht Zylinder”. Mehr und mehr Bein zeigten die Männer zur Freude der Frauen nach jeder Wäsche der ihnen von der holden Weiblichkeit überreichten Nachthemden. Für die Zukunft im Bereich gesprochenes Wort steht Manfred Severin. Im Stile eines Herbert Knebel lieferte er eine Büttenrede über die Tücken des (Ehe-)Alltags ab, die die Lachtränen nur so kullern ließ.

Abgerundet wurde der Abend mit unverzichtbaren Bestandteilen dieser stets ohne offiziellen Vorverkauf proppenvollen Sängersitzungen: Renate Struff und Doris Glänzer sorgten mit einem Blick in das Gesundheitswesen wie es hoffentlich nie werden wird für den weiblichen Akzent des Abends. Lokalkolorit brachten die „Weeger-Singers” ins Spiel mit der Feststellung: „Die Marke Warstein ist in aller Welt bekannt, doch in Warstein selber ist alles abgebrannt.”

Armin Obalski

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