Das aktuelle Wetter Warstein 16°C
Bufdi beim LWL

Man wird reich an Erfahrung, aber nicht auf der Bank

29.10.2012 | 05:00 Uhr
Man wird reich an Erfahrung, aber nicht auf der Bank
Michael Schledde (19, l.) arbeitet als Bundesfreiwilligendienstler im Wohnverbund des LWL in Warstein. Er unterstützt unter anderem die Bewohner bei Gartenarbeiten.Foto: Manfred Böckmann

Warstein.   Früher war es der soziale Dienst anstelle der Ausbildung bei der Bundeswehr: Zivildienst. Beides ist abgeschafft. Wer will, geht freiwillig zur Bundeswehr – oder engagiert sich beim Bundesfreiwilligendienst. Auch die Einrichtungen des Landschaftsverbandes (LWL) im Kreis Soest setzen auf die Freiwilligen.

In Warstein fiel im Oktober der Startschuss für drei „Bufdis“, zwei in der Klinik – und einer im Wohnverbund. Letzterer ist Michael Schledde (19) aus Suttrop. Er möchte im kommenden Jahr die Polizei-Laufbahn einschlagen und entschied sich für die Zwischenzeit bis zum Studium sowohl gegen Faulenzen als auch einen besser bezahlten Job („obwohl sich das ein Elternteil durchaus gewünscht hätte“). Schledde wollte den sozialen Bereich kennenlernen – und das nach Möglichkeit in der Nähe. Nach seiner Bewerbung, einer Gesprächseinladung und einem Rundgang durch die Einrichtung war alles klar: Im Oktober konnte es los gehen. Der Suttroper möchte neun Monate bleiben.

„Man hat immer nur einen Eindruck von außen gehabt“, berichtet der junge Bufdi. Jetzt hat er die Gelegenheit, das zu ändern. Und nach drei Wochen lautet das erste Fazit: „Das hat sich gelohnt.“ Mitzubringen seien Offenheit und Neugierde, und die Fähigkeit, sich auf andere einzulassen.

Los ging es in der ersten Wohnverbund-Woche mit der Frühschicht. Da wird das Frühstück für die Bewohner zubereitet, das Essen ausgegeben. Es gilt, Betten abzuziehen und sich mit den Bewohnern zu unterhalten.

In der zweiten Woche – Spätschicht – sah es ähnlich aus. Nun ist Schledde in der Park-Gruppe, wo er sich mit den Bewohnern beschäftigt – zum Beispiel Laub harken, Tierpflege und andere tagesstrukturierende Angebote. Der 19-Jährige: „Ich bin immer mit dabei und harke auch mal mit.“

Das gefällt dem Suttroper: „Man lernt die Besucher kennen und bekommt einen guten Eindruck vom Wohnverbund. Dort leben Menschen mit geistiger Behinderung, einer seelischen Erkrankung oder einer Suchterkrankung. Was den jungen Suttroper innerhalb der kommenden acht Monate noch erwarten wird? „Ich lasse mich überraschen.“

Ein gewisses Überraschungs-Potenzial hat auch die Vergabe der Bufdi-Stellen für den Landschaftsverband. Denn im Gegensatz zu den Zivildienstleistenden („mit Zivis konnte man fest planen“, weiß LWL-Personalentwicklerin Patricia Waschk), sieht es nun anders aus, denn wer „kurz vor knapp“ doch noch seine gewünschte Lehrstelle gefunden hat, sagt dann vielleicht doch noch schnell ab – bei Zivis war das nicht möglich. Hinzu kommt, dass unklar ist, für wie viele Stellen Geld zur Verfügung steht. Das kann sich von Monat zu Monat ändern.

Unorthodoxe Regelungen

Und das führt zu unorthodoxen Regelungen: Weil für die Monate November und Dezember keine Plätze mehr vergeben werden können, im Oktober aber noch etwas frei war, startet ein Bufdi tatsächlich noch am 31. Oktober mit seinem Einsatz.

Angeboten wird zudem – quasi als Alternative – ein Einsatz im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ). Die Aufgaben sind dort ähnlich, das Bewerbungsverfahren etwas anders.

Einer der wesentlichen Unterschiede: Beim FSJ gibt es eine Altersbeschränkung, beim Freiwilligendienst gibt es diese nicht. Wer mindestens seine Schulzeit erfüllt hat und 20 Stunden oder mehr in der Woche engagiert sein möchte, der kann sich bewerben – das könnten also durchaus auch Rentner sein.

Michael Schledde bekommt als „Lohn“ ein Taschengeld in Höhe von 336 Euro, zudem wird das Kindergeld weiter gezahlt, er ist in der Sozialversicherung – und wird verköstigt, auch wenn der Suttroper die Kantine nicht regelmäßig nutzt (was nicht an der Essensqualität, sondern an der Arbeitszeit liege). Hinzu kommen 19 Tage Seminar. Man wird „reich an Erfahrungen“, nicht auf der Bank, weiß der 19-Jährige, der sich als Alternative eine Auszeit bis zum Studienbeginn nicht vorstelle konnte.

„Die Bufdis sind eine tolle Unterstützung. So können beide Seiten profitieren“, begrüßt Patricia Waschk das Engagement des „Zivi-Ersatzes“. Vor allem profitierten auch die Bewohner, da Teilnehmer an dieser Maßnahme länger bleiben als Praktikanten.

Die ersten sechs Wochen sind als Probezeit gedacht. Michael Schleddes Entscheidung ist bereits gefallen: „Sechs Wochen Probezeit? Die brauche ich nicht.“

Manfred Böckmann


Kommentare
Aus dem Ressort
Grab des Großonkels 97 Jahre nach seinem Tod gefunden
Familiengeschichte
97 Jahre nach seinem Tod zeugt jetzt eine Blume auf seinem Grab davon, dass Anton Lenze nicht vergessen ist: Karola Ludwig aus Suttrop hat das Grab ihres Großonkels nach langer und mühsamer Recherche ausfindig gemacht.
Busverbindung vom Möhnetal nach Warstein besser als erwartet
Reportage
WP-Volontär wagt den Selbstversuch: Wie gut ist die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln zwischen dem Möhnetal und dem Stadtkern. Von Oberbergheim bis Niederbergheim ist ein 20-minütiger Fußmarsch nötig, doch dann läuft es fast wie geschmiert in der Linie R51.
Ältere Leute sollen Kontakt zu Jüngeren halten
Soziales
Lächelnd sitzt der junge Mann neben der alten Dame im Rollstuhl und liest ihr aus einem Buch vor. Lauschend hat sie den Kopf zur Seite geneigt, freut sich über die Aufmerksamkeit. Ein Bild, das in Seniorenheimen und Krankenhäusern immer seltener wird, denn junge Menschen, die ein Freiwilliges...
Gemäuer der Kreuzbergkapelle wird neu verfugt
Bauarbeiten
Für rund 17 000 Euro lässt die Kapellenkommission der Schützenbruderschaft Sichtigvor dieser Tage das Mauerwerk der Kreuzbergkapelle neu verfugen. Damit die Arbeiten pünktlich zum Schützenhochamt am Samstag abgeschlossen sind, nehmen die Helfer großen Aufwand in Kauf.
Öffentliche Toiletten in Warstein versprühen keinen Glanz
WC-Check
Die WP-Redaktion hat sich einen Eindruck vom Zustand der beiden öffentlichen WCs im Stadtgebiet gemacht. Obwohl sie laut Stadtverwaltung täglich gereinigt werden, prägen siffige Böden und Waschbecken, defekte Seifenspender und Vandalismus-Spuren das Bild in den Toiletten.
Umfrage
Es tut sich was in Warsteins Mitte: Die Innenstadtentwicklung kommt endlich voran. Doch wie soll das Projekt im Herzen der Stadt heißen? Zusammen mit

Es tut sich was in Warsteins Mitte: Die Innenstadtentwicklung kommt endlich voran. Doch wie soll das Projekt im Herzen der Stadt heißen? Zusammen mit "We love Warstein" rufen wir Sie dazu auf, Ihre Meinung abzugeben. Was ist Ihr Favorit?

 
Fotos und Videos
Peter Eickhoff regiert die Bürgerschützen
Bildgalerie
Schützenfest in Belecke
Teams bei der Streetbob-WM
Bildgalerie
Streetbob-WM
Vogelschießen in Allagen
Bildgalerie
Schützenfest
Warstein feiert den WM-Triumph
Bildgalerie
WM-Party