Kritik an Kassenärztlicher Vereinigung
20.02.2010 | 08:00 Uhr 2010-02-20T08:00:00+0100Rüthen / Warstein. Vielleicht ist es eine Mentalitätsfrage: Während Warsteins Bürgermeister Manfred Gödde das berühmte Glas Wasser eher als halb voll betrachten würde, sieht es sein Rüthener Amtskollege Peter Weiken wohl eher als halb leer an.
Denn bei seiner Einschätzung ihres gemeinsamen Besuches bei der Kassenärztlichen Vereinigung in Dortmund zur geplanten weiteren Notfallversorgung in der Region kommt Weiken zu einer negativeren Betrachtung als Gödde: „Die machen, was sie wollen”, sagte Weiken im Rüthener Stadtrat. Wie berichtet, hatte sich Gödde nach dem Besuch grundsätzlich optimistisch gezeigt.
Weiken dagegen habe „ganz, ganz wenig Hoffnung”, dass sich an dem von der Vereinigung geplanten Konzept etwas ändern werde — was dann an den Wochenenden Fahrten der Warsteiner und Rüthener Bürger zu den als Notfallzentren eingestuften Krankenhäusern in Brilon und Lippstadt bedeuten würde. Wie berichtet, ist das Warsteiner Krankenhaus dafür nicht vorgesehen.
Neu ist ein Detail, wie Weiken und Gödde erfuhren, das zumindest für die Warsteiner etwas kürzere Wege bedeuten könnte: Die KV überlegt demnach offenbar, zumindest auch über das Mescheder St.-Walburga-Krankenhaus als mögliches weiteres Notfallzentrum neu nachzudenken. Auch St. Walburga ist, wie Maria Hilf in Warstein, bislang derzeit dafür nicht vorgesehen. Für Rüthen sei dies natürlich keine Lösung, so Weiken.
Bürgermeister Manfred Gödde sagte dazu auf Anfrage, natürlich liege Meschedes Krankenhaus den Warsteinern näher als die in Brilon oder Lippstadt. Er erinnerte aber auch mit Blick auf die letzten Wochen daran, wie schwierig die Fahrten im Winter seien. Eine Lösung sei dies nicht — ebenso wenig wie die Brilon- oder Lippstadt-Variante. Er halte an der Maria-Hilf-Lösung fest, die auch von allen niedergelassenen Ärzten in Warstein und Rüthen mitgetragen werde.
Die Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung bezeichnete Rüthens Bürgermeister Weiken als „nicht gesprächsbereit” und als „sehr, sehr arrogant”. Sein Beispiel: Beide Bürgermeister machten eingangs des Gesprächs sanft darauf aufmerksam, dass sie auf das Mitbringen von Unterschriftenlisten der Bürger verzichtet hätten — da hätten die Ärztevertreter nur auf eine Schrankwand verwiesen, in der sich Unterschriftenlisten aus anderen Städten stapelten. Diese Listen würden eh nicht gelesen; hätten die Warsteiner und Rüthener auch noch Unterschriften mitgebracht, dann müsste dafür nur ein neuer Schrank gekauft werden, „aus Kassenbeiträgen”, wie gesagt wurde. Weiken: „Ich war mehr als erschrocken. Der kleine Bürger wird da mit Füßen getreten.”
Vor der Landtagswahl wird es keine Entscheidung der KV über die Standorte geben. Sowohl Gödde als auch Weiken halten die Idee der KV für abwegig, wonach neben dem Notfallzentrum auch ein Arzt von dort notfalls auch zu Hausbesuchen etwa zu Älteren ausrücken wird. Gödde: „Denken Sie an die Größe des Gebietes. Wann soll der denn vorbeischauen können?”
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