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Was will ich preisgeben?

02.12.2011 | 11:12 Uhr

Warstein. „Ich nehme teil - nein - vielleicht.“ Eine Party zu planen, ist heutzutage ganz leicht, dank Facebook. Die Vielzahl an Neuregistrierungen jeden Tag zeigt, dass soziale Netzwerke immer mehr Menschen anziehen. Kein Wunder, bei so vielen bequemen Vorteilen.

Diese stellten vier Schüler auf dem Informationsabend zum Web 2.0 im Gymnasium Warstein vor - genauso wie die vielen Gefahren, die man teilweise vermeiden kann.

Lisa Marie Besse und Ronja Bigge nannten zunächst die Vorteile: Netzwerk-User haben die Möglichkeit, sowohl Menschen aus allen Ländern, Regionen und Kulturen kennenzulernen als auch den Kontakt zu bestehenden Freundschaften zu halten oder neue zu schließen. Schulische Veranstaltungen können innerhalb von wenigen Chatgesprächen in Gruppen oder auf Pinnwänden organisiert werden. Man kann per Mausklick Fotos, Texte und Videos hochladen - und das alles natürlich kostenlos.

Doch viel wichtiger war es an diesem Abend, sich auch mal die Gefahren vor Augen zu führen und sich kritisch mit dem Datenschutz des Internets auseinandersetzen. Es ist bekannt, dass soziale Netzwerke eine große Ansammlung von Daten sind und man selten weiß, was damit passiert.

Sicher ist nur, dass alle Daten gespeichert und private Informationen immer wieder weitergegeben werden, zum Beispiel zu Werbezwecken, so dass sie teilweise sogar über Suchmaschinen zu finden sind. Facebook als „Datenkrake, die nichts vergisst.“

Um vor allem den anwesenden Eltern den Aufbau und die Einstellungen von Facebook zu veranschaulichen, stellte Daniel Schröder seinen Account zur Verfügung und erklärte die einzelnen Schritte der Privatsphären-Einstellungen zusammen mit Max Stücke. „Eigentlich kann man alles verbergen, was man will. Man muss nur wissen, wie es geht. Das ist nur oft verzwickt“, sagte Max Stücke direkt zu Beginn. Aber auch er gibt zu: „Eine 100-prozentige Sicherheit im Internet gibt es nicht.“

Aus Erfahrungen wissen die vier Schüler, die seit ungefähr zwei Jahren bei Facebook angemeldet sind, dass man sich nicht nur auf die Facebook-Einstellungen verlassen kann. Vielmehr muss man auf einige wichtige Details achten, um potenziellen Gefahren wie Viren, Cybermobbing oder auch unangenehme Stalker zu vermeiden. Es sei wichtig, sich bewusst damit auseinanderzusetzen, wen man in seine Privatsphäre lässt, auch wenn man keine Lust hat, hundert Seiten AGB zu lesen. Daniel Schröder rät jedem, sobald er 18 wird, die Privatsphären-Einstellungen zu überprüfen. Dann hätte man nämlich die Möglichkeit, seine Statusmeldungen für „alle“ sichtbar zu machen. Außerdem sollte man sich bei jedem „Posten“ und Hochladen von Bildern fragen: „Will ich das jetzt wirklich preisgeben?“, rät Lisa Marie Besse.

Wie groß das Interesse an diesem Thema ist, wurde an den zahlreichen Nachfragen der Eltern deutlich. Immer wieder kam die Frage, ob man in jungen Jahren auch „out“ sei, wenn man nicht bei Facebook registriert sei. Denn unabhängig von Datenschutzproblemen gibt es viele minderjährige Jugendliche, die alle paar Stunden ihre Pinnwand abchecken und sich nicht im Klaren sind, wie viel Zeit Facebook ihnen für andere Dinge raubt.

Auch Max Stücke sieht diese Gefahr und ist der Meinung: „Facebook ist dazu da, um seine Freizeit zu planen, es ersetzt sie nicht!“. Die Beratungslehrerin Miriam Degenhardt beschäftigt sich darüber hinaus viel mit Mobbing im Internet und stellte fest, dass die Anonymität in sozialen Netzwerken zu einer härteren Sprachwahl führt. Kinder würden im schlimmsten Falle anonym fertig gemacht und Probleme im Gespräch nicht mehr erörtert. Sie schlussfolgerte, dass die „Face-to-Face“- Kommunikation schwieriger geworden sei.

Aber auch wenn besondere Vorsicht beim Nutzen von sozialen Netzwerken gilt, waren sich die vier Experten einig, dass die Vorteile überwiegen. Zum einen können Facebook-User meistens individuell entscheiden, wen man in seine Privatsphäre lässt und was man von sich preisgeben möchte. Zum anderen kann man Gruppen bilden, in denen eine Stufe etwa die nächste Party organisiert. Weshalb man nicht mehr die altbewährten Emails benutzt, erklärte Max Stücke: „E-Mails zu schreiben dauert länger, und vermutlich nur 50 Prozent der Jugendlichen schauen heutzutage regelmäßig ihre E-Mails nach.“ Außerdem sei Facebook „attraktiver“. Wer sich also dazu entscheidet, sich bei sozialen Netzwerken anzumelden, sollte sich zunächst mit den Sicherheitsvorkehrungen und den Vor- und Nachteilen vertraut machen. Denn mit entsprechender Vorsicht und kritischem Blick kann sich jeder problemlos im sozialen Netz bewegen.

Texa Gericke

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