Auge in Auge mit dem Bilstein-Luchs
22.12.2011 | 13:53 Uhr 2011-12-22T13:53:00+0100
Warstein.Karl-Jakobs Hand weist Kratzspuren auf. Er zuckt die Schultern: „Das war einer der Waschbären.“ Ein eher geringer Preis, wenn solche authentischen Fotos das Ergebnis sind.
Denn um die besten Aufnahmen für ihre Internetseite bilsteindoku.de zu bekommen, wagen sich Karl-Jakob Enste und Jan Dembinsky ganz nah an die Tiere im Wildpark heran. Ein eher ungewöhnliches Hobby für zwei 14-Jährige, wie die beiden auch selbst zugeben.
Jeden Samstag um 9 Uhr, wenn ihre Klassenkameraden größtenteils noch friedlich in ihren Betten schlummern, machen sich Jan und Karl-Jakob auf den Weg in den Wildpark – bewaffnet mit zwei Kameras und einem Stativ. Immer auf der Suche nach neuen, spannenden Motiven.
„Hauptsächlich fotografieren und filmen wir die Tiere. Und dann kommt noch das hinzu, was der Verein macht“, erklärt Karl-Jakob. Das erste Video auf ihrer Seite bilsteindoku.de zeigt zum Beispiel die Renovierung der Jugendherberge und den dazugehörigen Wegen durch Bilsteintal e.V. im Oktober.
Die Jugendherberge ist auch der Anlaufpunkt für die beiden 14-Jährigen. Hier können sie sich den Schlüssel für die Gehege ausleihen und sich bei schlechtem Wetter auch mal unterstellen. Anfangs mussten sie immer die Höhlenführer bitten, ihnen das Gehege aufzuschließen. Inzwischen ist das Vertrauen in sie groß genug und sie haben ihren eignen Schlüssel bekommen.
„Es ist schon ein Nervenkitzel, im Luchsgehege zu stehen“, gibt Jan zu. Die Luchse sind eines seiner Lieblingsmotive. Es gibt aber auch noch Waschbären, Mader, Wildschweine und Rotwild. „Langsam lernen wir die Tiere kennen“, sagt Karl-Jakob. Dadurch werden die Aufnahmen immer leichter.
Aber um möglichst gute Aufnahmen zu bekommen, denken sie sich auch immer wieder neue Tricks aus. Sie haben sich zum Beispiel ein Tarnzelt organisiert, in dem sie sich fast unsichtbar machen können. Mit ein bisschen Geduld können sie die Tiere dann in den schönsten Situationen ganz in Ruhe fotografieren. Und ihre neueste Erfindung: Eine Angel mit Futter unten dran, um die Waschbären und Luchse anzulocken.
Im Mai haben die Beiden mit dem Projekt Bilsteindoku angefangen. „Wir wollten filmen und fotografieren, außerdem waren wir auch schon früher immer im Park. Wo könnten wir also unser Hobby besser betreiben als hier?“ erinnert sich Jan an die Anfänge.
So kam eins zum anderen. Die Ausrüstung leiht ihnen Ernst Grafe, den sie über die Schule kennen gelernt haben. Als Hobbyfilmer- und fotograf stellt er den Jungs immer neues Equipment zur Verfügung und vertraut darauf, dass sie sorgsam damit umgehen.
Eine professionelle Ausbildung haben Jan und Karl-Jakob natürlich beide nicht. Es lief eher über „learning by doing“. „Am Anfang war es wirklich nur Experimentieren“, erinnert sich Jan, „und irgendwann war es dann so gut, dass es internetwürdig war.“ Pro Samstag machen die beiden geschätzt um die 150 Bilder, von denen es nur ein paar ausgewählte in die Galerie der Bilsteindoku schaffen.
Auch den Umgang mit der Internetseite haben sich die beiden Jungs selbst beigebracht. Alleine im November hatten sie 200 Seitenaufrufe – und es werden mehr. Doch so nah wie Jan und Karl-Jakob werden die Besucher der Internetseite den Tieren trotz der eindrucksvollen Fotos nicht kommen.
Es ist schon etwas ganz Besonderes, Luchse um seine Beine schleichen zu spüren und kleine Waschbären auf sich rumklettern zu haben. Dieses Gefühl kann man nicht vor dem Computer erleben, das wissen die beiden 14-Jährigen. Und deshalb wird es wohl auch im nächsten Jahr wieder jeden Samstag in den Wildpark gehen.
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