Im Haus Brauer werden die Koffer gepackt
18.02.2010 | 08:00 Uhr 2010-02-18T08:00:00+0100Warstein. Koffer packen ist im Haus Brauer angesagt: Nach 25 Jahren verlässt der LWL-Wohnverbund das Gebäude und zieht in das modernisierte Haus 03.
Hier sind auf 1150 qm vier Wohnbereiche auf zwei — durch einen Fahrstuhl verbundene — Etagen geschaffen worden. Etwa 1,5 Millionen Euro hat der Landschaftsverband in die Maßnahme investiert.
Das Haus Brauer ist in die Jahre gekommen. Von außen ungeschminkt unansehnlich, können auch im Innern die liebevoll angebrachte Dekoration und die in warmen Tönen gehaltenen Gardinen in den Wohngruppen 49/1 und 49/2 den nagenden Zahn der Zeit nicht verbergen. Vergangene Schönheit ist indes nicht Grund für den Umzug, der am Freitag startet: „Wir wussten, dass wir etwas neues schaffen mussten”, führt Doris Gerntke-Ehrenstein, Leiterin des LWL-Wohnverbundes, das neue Wohn- und Teilhabegesetz für den Umzug an. „Das Haus hätte den Anforderungen so nicht mehr entsprochen.” Daher sei bereits vor drei Jahren mit den Planungen zum Umbau begonnen worden.
Auch wenn im neuen Gebäude manche Annehmlichkeiten auf Bewohner und Mitarbeiter warten — so wird es viel mehr Badezimmer geben, maximal zwei Personen werden ein Duschbad nutzen, das dem Zimmer angegliedert ist, die Gruppen sind außerdem kleiner — fällt der Abschied vom Haus Brauer doch schwer. „Wir versuchen es den Bewohnern einfach zu machen. Ein Eingewöhnen ist für diese sehr schwierig”, erläutert Antje Eickhoff, Wohngruppenleitung 49/2. „Daher packen wir persönliche Sachen, wie Kuscheldecken, erst am Tag des Umzugs (am Mittwoch) ein. Für die Bewohner soll so möglichst noch das Zuhause erkennbar sein.”
Ein Zuhause ist das Haus Brauer für manche der 28 Bewohner schon seit 25 Jahren: 1985 kamen die ersten 72 geistig behinderten Bewohner ins Haus Brauer, das vormals als Lungenheilstätte genutzt und für die neuen Bewohner umgebaut worden war. Diese waren vom St.-Georgs-Werk Gelsenkirchen übernommen worden. In den vergangenen Jahren wurde für diese Menschen ein differenziertes Förderprogramm entwickelt. „Wir waren damals vor die neue, schwere Aufgabe gestellt, ein Betreuungskonzept zu entwickeln”, erinnert sich Doris Gerntke-Ehrenstein.
Eine der neuen Bewohnerinnen war Ursula Martens. Ihr Bruder Heirnrich Werner Martens erinnert sich: „Ich war als Laie überrascht, mit wieviel Systematik hier gearbeitet wurde. Auch diejenigen, die aufgrund ihrer Behinderung nichts machen können, haben einen geregelten Tagesablauf.” Ebenfalls überrascht habe ihn, wie persönlich die Betreuung sei. „Es wird versucht, den Kontakt zur Verwandtschaft zu halten.” Das neue Gebäude hat Martens, der dem Heim-Beirat angehört, bereits besichtigt: „Da ist einiges in die Hand genommen worden.”
Auf den Umzug freut sich auch Marc Schröder, Bewohner in der Gruppe 49/2. Der 29-Jährige hat bereits mit dem Packen seiner Umzugskartons begonnen, beschriftet diese selbst. Sein neues Zimmer hat er bereits besichtigt und dessen Vorzüge erkannt: „Ich habe da einen eigenen Duschraum”, erzählt er. Momentan muss er sich das Badezimmer noch mit zwei anderen Bewohnern teilen.
In einer Woche soll der Umzug über die Bühne gegangen sein: „Ich freue mich schon auf den Neuanfang”, so Silvia Hasse, Wohngruppenleitung 49/1, die in den vergangenen Tagen fleißig Kisten gepackt hat. „Es ist wunderschön geworden. Aber natürlich hat man auch ein trauriges Auge, weil man seit über 20 Jahren mit den Bewohnern hier gelebt hat.”
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