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Hol uns mit dem Traktor ab

30.09.2011 | 17:16 Uhr
Hol uns mit dem Traktor ab
Christopher Kühle aus Belecke (18) besitzt ein Fendt-Trecker.

Belecke. Die Haut vibriert. Noch bevor ein Wort das Ohr des Gegenüber erreicht, wird es vom laut gurgelnden Motor verschluckt. Es ist der Sound aus dem die Trecker-Leidenschaft ist. Wohltuender Krach. Christopher Kühle stellt den Motor wieder ab: „Wahnsinn, oder ?“

Es gibt 18-Jährige, die ihre zehn bis zwanzig Jahre alten Kleinwagen so tief legen, dass die nächste Bodenwelle immer gleich die letzte sein könnte. „Tuning“ ist der Volkssport Kfz begeisterter Fahranfänger. Heckspoiler, Breitreifen und Felgen so groß wie Rathausuhren. Christopher Kühle ist auch Fahranfänger. Sein VW Polo kommt aber eher schnöde daher. Schlicht und erfreulich normal. Er bringt ihn eben von A nach B. Und trotzdem ist Kühle ein Tüftler. Kühle ist begeisterter Trecker-Fahrer.

„Den Führerschein Klasse L hatte ich schon mit 16“, erinnert er sich. Seine Mutter hat früher in der Landwirtschaft in Drewer gearbeitet. Daher kommt Kühles Affinität zu großen Landmaschinen. Er besitzt einen „Fendt Farmer S2“. Baujahr 1972. Kühle war noch gar nicht geboren, als im allgäuischen Marktoberdorf die letzten Schrauben festgezogen wurden.

Kühle ist Azubi beim Kreis Soest. Er will Straßenwärter werden. Am Wochenende, wenn er sein gut gepflegtes Ungetüm aus einer Scheune in Drewer holt, um mit einem Freund im Wald „Holz zu machen“, gehört ihm die Straße bereits. „Alle Leute gucken dich auf der Straße an, wenn du vorbeifährts. Das ist schon lustig“, sagt Kühle.

Was so langsam aussieht, wird an Bord des Fendt aber schnell zu einer Fahrt mit Festhalte-Empfehlung. Bei 32 Stundenkilometern kommt man sich vor wie mit einem Pkw auf einer Schnellstraße. „Es ist unglaublich, dass diese Maschine mit ihren 54 PS fast 12 Tonnen ziehen kann“, sagt Kühle.

Der Azubi ist nicht nur als junger Trecker-Fan fast ein Unikat, sondern auch im Kreise der Treckerfreunde Bohnenburg ein junger frischer Fahrtwind. „Dort bin ich der Jüngste“, sagt er. Der Stammtisch der Treckerfreunde trifft sich stets am letzten Freitag im Monat auf der Bohnenburg. Dort wird gesprochen über Schrauben und Zündkerzen, Trecker-Freud und Trecker-Leid.

Ganz allein ist Kühle nicht mit seiner Leidenschaft. „Mein Kollege Daniel Becker hat einen „David Brown“ selbst zusammengebaut“, sagt Kühle. Die Maschine reiht sich ein in die Liste der bedeutendesten Trecker-Bauer wie Deutz, John Deer, Claas, Hanomag Bulldog oder Messy Ferguson. Die Könige der Felder. Die Herrschaft der Äcker.

Das Projekt Trecker ist niemals zu Ende. „Du musst ständig daran arbeiten. Wenn du an der einen Stelle fertig bist, musst du an der anderen wieder anfangen“, weiß Kühle. Die Tüftelei sei mindestens genauso faszinierend wie das Fahren und das Arbeiten mit der alten Maschine.

Übrigens: Mit einer vollen Tankfüllung - rund 40 Liter - kann Kühle 30 Stunden oder länger fahren. Man wird so schnell kein Auto finden, das sparsamer unterwegs. Kühle: „Dafür ist man allerdings auch langsamer unterwegs.“ Für normale Fahrten ohne das Gefühl der König der Straße zu sein, muss dann eben doch der Polo herhalten. Der zieht zwar keine 12 Tonnen, tut aber auch seinen Dienst.

Mike Fiebig

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