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Interview zur WIM

Hermann Löser: „Montgolfiade weckt Urgefühle von Abenteuer und Freiheit“

02.09.2011 | 08:00 Uhr
Hermann Löser: „Montgolfiade weckt Urgefühle von Abenteuer und Freiheit“
Vorfreude auf die Montgolfiade: Die WIM-Geschäftsführer Hermann Löser (l.) und Uwe Wendt. Foto: Giannakis

Warstein.Hermann Löser ist einer der Geschäftsführer der Warsteiner Internationalen Montgolfiade und seit 18 Jahren selbst ein erfahrener Ballonpilot. Weil’s für ihn Hobby ist und Spaß macht, engagiert er sich vor und während der WIM bis zu 18 Stunden am Tag.

Herr Löser, was fasziniert Sie persönlich am Ballonfahren?

Hermann Löser: Immer wieder schön, immer wieder neu, immer wieder toll. Keine Ballonfahrt ist wie die andere. Was mich fasziniert ist die Ruhe, die man oben am Himmel hat. Man schaut auf eine unberührte Natur. Man schwebt über den Dingen und genauso schwebt die Seele hinterher auch. Man ist total relaxed und entspannt.

Und warum begeistert eine Montgolfiade so viele Menschen und Generationen, die am Boden nur zuschauen?

Löser: Ich glaube, das hängt immer noch zusammen mit den Urgefühlen von Abenteuer und Freiheit. Die Leute verbinden beides mit Ballonen oder Zeppelinen. Das ist genau der Reiz, den unsere Veranstaltung ausmacht. Außerdem haben wir ein starkes Rahmenprogramm mit Live-Musik, mit Night-Glows oder mit Feuerwerken. Wir bieten viel für kein Eintrittsgeld.

Jedes Jahr um die 200 Ballone in Warstein

Andere Ballon-Events leider unter Rücklauf. Wie halten Sie das Festival in Warstein attraktiv?

Löser: Es gelingt uns immer wieder ein paar neue Attraktionen zu holen, speziell bei den Sonderformen. Und wir schaffen es auch, jedes Jahr um die 200 Ballone hier zu halten. Die Piloten muss man allerdings auch permanent locken, denen muss man etwas bieten. Denn warum sollte ein Münchner hier hoch nach Warstein kommen zum Ballonfahren, das kann er in München ja auch.

Ballon-Teams aus der ganzen Welt vermitteln ein Gefühl von Freiheit und Abenteuer in Warstein. Fotos: WP

Was zieht die Teams aus der ganzen Welt ins Sauerland?

Löser: Jeder Crew kann bei uns andere Ballonfahrer treffen, fachsimpeln, sogar Anglerlatein pflegen und Freundschaften schließen. Außerdem haben die Teams das Gas kostenlos, sie bekommen Frühstück im Begegnungszentrum, mittags werfen wir den Grill für sie an. Auch die Unterbringung ist optimal mit 100 Campingplätzen, die wir bereitstellen. Viele Ballonfahrer sind seit Jahren schon privat einquartiert. So entfallen die Hotelkosten. Das spielt auch eine große Rolle.

Frauen-Quote unter Piloten steigt

Die Rolle der Frauen im Ballonsport ist noch ausbaufähig?

Löser: Ja, das stimmt, ist aber verständlich. Die Ballonhüllen wiegen 150 Kilo, die Körbe und die Gasflaschen sind schwer; da trauen sich einige Frauen körperlich nicht dran. Aber es gibt in Deutschland mittlerweile schon 20 bis 25 Pilotinnen. Die Tendenz ist steigend, allerdings sehr langsam. Ein Drittel davon ist hier in Warstein, um am Ladies-Cup teilzunehmen. Die Damen sehen das als sportliche Herausforderung. Schön!

Eine organisatorische Meisterleistung sind die Massenstarts. Fast zehntausend ohne einen Zwischenfall waren es in den vergangenen 20 Jahren. Wie schafft das die WIM-Leitung?

Löser: Das spricht für unseren hohen Sicherheitsstandard. Den verdanken wir seit 2002 den Startleitern. Das ist eine Gruppe von 20 bis 25 freiwilligen und mittlerweile erfahrenen Helfern, die zu erkennen sind an ihrer gelben Kleidung. Sie stehen ständig untereinander in Funkverbindung. Sie geben die Startfreigabe. Sie achten darauf, dass kein anderer Ballon in der Startphase ist, der eine dem anderen wohlmöglich von unten rein fährt. Das haben die Startleiter voll im Griff. Sie übernehmen eine ganz wichtige Funktion bei der WIM.

Nur ein kleiner Unfall in 20 Jahren

Chef-Organisator Hermann Löser ist gerüstet mit seiner Mannschaft.

Hat es mal einen Unfall während der Ballonfahrten gegeben?

Löser: Wir hatten nach einer Landung mal den überlieferten Fall, dass sich vor dem Abrüsten irgendjemand beim Festhalten am Korb unglücklich den Finger gebrochen hat. Das war der einzige Zwischenfall. Darauf sind wir sehr stolz.

Bleibt die Warsteiner Montgolfiade so wie sie ist oder wird irgendwann der Rummel überhand nehmen?

Löser: Die WIM ist als Ballonfestival 1996 gegründet worden und das bleibt auch so. Der Schwerpunkt wird eindeutig auf Ballonfahrten liegen und den dazugehörigen Night-Glows. Die Kirmes und der ganze Trubel drum herum mit Live-Musik und Festzelt ist ein Beiwerk, das die Montgolfiade abrundet. Mehr nicht. Das Rahmenprogramm wird nie im Vordergrund stehen. Unsere Zielgruppen sind die Familien. Wir wollen keine Ausrichtung auf Rockkonzerte oder eine reine Kirmes haben.

Hartwig Sellmann

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