Mit Alphornbläsern im...
Heilig hoch oben am Himmel
10.09.2009 | 15:22 Uhr 2009-09-10T15:22:00+0200
Warstein. Das hat es bei der Montgolfiade auch noch nicht gegeben: Alphornbläser, die 700 Meter über der Erde das Lied "Heilig" anstimmen.
700 Meter. Was für eine gewaltige Höhe! Für jemanden, der schon Höhenangst bekommt, wenn er auf einem Küchenstuhl die Glühbirne auswechselt, ist das eine Dimension, die den Magen zuschnürt und die Beine in Pudding verwandelt. Was hat mich nur geritten, dass ich mich auf dieses Abenteuer eingelassen habe?
Mit dem Erzbischof
Vermutlich wäre ich in dem Ballon von Erzbischof Hans-Josef Becker besser aufgehoben gewesen. Mit seinem „kurzen Draht nach oben” hätte er dafür sorgen können, dass der Herr diesen Kelch schnell an uns vorübergehen ließe.
2000 Fahrten
Aber ich stehe, nein zwänge mich im Ballon von Hans-Peter Seibold. Der ist seit 15 Jahren eingefleischter Ballon-Fan und hat bereits 2000 Fahrten hinter sich: „Knapp 12 000 Menschen sind schon mit mir geflogen - und alle sind heil geblieben”, beruhigt er die vereinzelten skeptischen Blicke. Ich schaue ihm bewusst nicht in die Augen - sonst wird er mir noch eine mehrstündige Therapiesitzung anbieten. Stattdessen konzentriere ich meinen Blick auf den Horizont. Das soll helfen. „Nur nicht nach unten schauen”, hat man mir geraten.
Wie im Kickerautomaten
Dazu besteht auch gar keine Gelegenheit. Die sechs Alphörner von Siggi von der Heide (der berühmte Siggi von Siggis Hütte in Willingen) und seinen Kollegen zwängen mich im Korb ein, so dass an Bewegung nicht zu denken ist. So müssen sich die Männekes an den Stangen der Kicker-Automaten fühlen.
Balsam für die Nerven
Wir haben kaum abgehoben, da stimmen Siggi und Co auch schon an. Das getragene „Heilig” ist Balsam für das strapazierte Nervenkostüm. Hier oben, hoch in der Luft, scheint sich der Klang der Alphörner zu vervielfältigen und wie ein Klangteppich über das gesamte Sauerland zu legen. Ein Wahnsinnsgefühl.
Endlich Luft
Nach einem weiteren Lied werden die vier Meter langen Hörner auseinandergeschraubt und in in den Korb verfrachtet. Endlich wieder Luft und die Möglichkeit, doch einen zaghaften Blick nach unten zu wagen. Leider ist inzwischen Dunst aufgezogen und schränkt die freie Sicht über die Schönheiten des Sauerlandes stark ein.
Böen sind Problem
Pilot Seibold war schon beim Start alles andere als erbaut über die Bedingungen an diesem Abend. Jetzt flucht er erneut leise vor sich hin und fuchtelt an den Ventilen. Zur Beruhigung trägt das nicht bei. Nach 45 Minuten Stunde Fahrtzeit liegt Bestwig vor uns. „Die Böen sind das Problem”, klärt Seibold auf. „Wir haben warme Luftschichten am Boden und kältere in den Höhen. Das ist heute alles ein bisschen grenzwertig.”
Rumpler bei Landung
Um kein weiteres Risiko einzugehen - schließlich hat der erfahrene Ballonfahrer sechzehn Passagiere im Korb - entschließt er sich kurz vor Berlar zur Landung an einer sanften Hanglage. Zwei, drei kräftige Rumpler und wir haben wieder Boden unter den Füßen. Allgemeines Aufatmen. Aber schön war es doch. Vor allem weil die Willinger Alphorn-Bläser noch einmal ihre Instrumente auspacken und ein wunderschönes „Echo von Edelsberg” ins idyllische Tal blasen.
20:41
„Knapp 12 000 Menschen sind schon mit mir geflogen - und alle sind heil geblieben”
Und ich habe gelernt, dass das fahren heißt!!!
Ist schon ne geile Sache!!