Grabkreuze nicht für Amtmann Koffler selbst
01.04.2010 | 10:00 Uhr 2010-04-01T10:00:00+0200Warstein. Vom Amtmann Koffler fehlt jede Spur, zumindest was sein Grabkreuz angeht. Die beiden schmiedeeisernen Kreuze jedenfalls, die von Winfried Wiese restauriert werden, erinnert zwar an Familienmitglieder, nicht aber an Johann Ernst August Koffler selbst.
„Wenn sich keiner findet, mach' ich es”, hatte Winfried Wiese, Ehemann von Ortsvorsteherin Elisabeth Wiese, gesagt, als die Koffler-Gräber abgeräumt waren, aber ebenso feststand, dass die beiden Kreuze darauf wieder aufgestellt werden sollten. Dabei blieb es. Allerdings konnte Wiese bei seinem Vorhaben auf die Hilfe zweier Unternehmen im Gewerbegebiet Enkerbruch bauen: Von der Metallschleiferei Pfeiffer wurden die beiden gußeisernen Kreuze sandgestrahlt, von Sondermaschinenbau Kruse der eine Kreuzesstamm, der beim Abbau oder der Zwischenlagerung in einer städtischen Scheune entzwei gebrochen war, geschweißt. Winfried Wiese lackierte anschließend das Metall und säuberte die Sandsteinsockel der jeweils über zwei Meter hohen Grabdenkmäler. „Es sah hier aus wie nach einem Sandsturm”, beschreibt Elisabeth Wiese lachend die Situation in der heimischen Garage.
Blütenornament
Fragen wirft das auf, was nach der Säuberung an Sockeln und Kreuzen zu Tage kam — und was eben nicht. So ist eines der Kreuze Johann Ernst August Kofflers Ehefrau gewidmet: „Hier ruht Frau Amtmann Koffler Elisabeth geborene Bracht”, ist auf der Frontseite zu lesen. Interessanterweise setzt sich die Inschrift auf der Rückseite fort: „gestorben den 19. Januar 1861 im Alter von 48 Jahren”. Die Marmortafel im Sockel gilt Tochter Elise Koffler.
Bei dem zweiten Grabmal wurden ebenfalls Vorder- und Rückseite genutzt, aber unter umgekehrten Vorzeichen. Das Kreuz, das bis auf ein Blütenornament am Fuß dem anderen völlig gleicht, ist nur vorne beschriftet und erinnert an den jung gestorbenen Sohn Gustav Koffler (1843-1862). Der Sockel trägt hinten eine Tafel für Lina Koffler (1842-1933). Das Nutzen beider Seiten spricht dafür, dass die Gräber, die auf dem ältesten Teil des Friedhofes lagen, ursprünglich rundum zugänglich waren.
Herkunft der Kreuze bleibt offen
Offen bleibt, in welcher Form an den für Warstein so bedeutenden Amtmann (Gründung von Hospitalbruderschaft und Feuerwehr, Errichten des Krankenhauses, und des höheren Schulwesens) nach seinem Tod 1886 erinnert wurde, und die Herkunft der Kreuze. Da Warstein jedoch zu jener Zeit Zentrum der Eisenindustrie war, stammen sie vermutlich aus heimischer Produktion. Es gibt übrigens zumindest ein weiteres, in Form und Gestaltung als Kleeblattkreuz mit jeweils drei Sternen darauf völlig identisches: Es steht auf dem Dach des Kirchenschiffs der Evangelischen Kirche in Warstein.
Die beiden Koffler-Kreuze erhalten, wie gestern berichtet, einen Ehrenplatz am Hauptweg auf dem städtischen Friedhof. Zuvor aber werden die Namenszüge darauf noch von Malermeister Ulrich Nölke mit goldener Farbe besser sichtbar gemacht.
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