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Geheizte Kirchen sind moderner Luxus

22.01.2015 | 08:00 Uhr
Geheizte Kirchen sind moderner Luxus
Grundtemperatur 10 Grad: Dechant Thomas Wulf und Küsterin Anja Thiel am Steuergerät.Foto: Manfred Böckmann

Warstein.   Heizen ist eine Kunst für sich, vor allem dann, wenn es sich um ein Gotteshaus handelt. natürlich sollen es die Gläubigen angenehm haben, zugleich aber darf es nicht zu warm sein.

Was ist der Unterschied zwischen dem Kölner Dom und dem Warsteiner „Dom“ St. Pankratius? Das Kölner Kirchengebäude hat keine Heizung. „Dass wir hier Kirchen heizen, ist Luxus“, betont Dechant Thomas Wulf.

Seit den 1960er und 70er Jahren wurden immer mehr Kirchen mit einer Heizung ausgestattet, seitdem frieren die Weihwasserbecken nicht mehr zu, wenn es draußen dauerhaft kalt ist. Und auch die Gläubigen müssen nicht mehr frieren. Dafür kämpfen die Gotteshäuser seitdem mit anderen Folgen: Schimmelbildung und Probleme mit den Kunstwerken samt Orgel.

Kosten sprengen Budget

Denn selbstverständlich kann eine Kirche nicht dauerhaft auf 20 Grad geheizt werden – die Kosten (auch so etliche tausend Euro in St. Pankratius) würden das Kirchenbudget sprengen, zumal die Gebäude nicht besonders isoliert sind. Und ein ständiges Auf und Ab bei den Temperaturen ist schädlich.

In der frühen Phase des zusätzlichen Komforts für Gottesdienstbesucher wurden Radiatoren unter die Kirchenbänke gestellt, weiß Dechant Wulf zu berichten, „das gab ein warmes Gefühl von unten“. Später folgten dann die Heizungen.

Nicht erst seit den stark gestiegenen Energiepreisen mussten sich die Verantwortlichen Gedanken machen, welche Grad-Temperatur die Richtige bei einem Gotteshaus ist. Im Pastoralverbund Warstein gilt der Grundsatz, dass die Grundtemperatur bei 10 Grad liegen soll, zu Gottesdienstzeiten 15 Grad – allerdings wird nur zum Wochenende geheizt – und bei einem Seelenamt, „denn dann sind mehr Gottesdienstbesucher in der Kirche“, erläutert Wulf im Gespräch mit der WESTFALENPOST. Dabei darf sich die Temperatur pro Stunde nur um ein Grad erhöhen: Wenn also um 17 Uhr Messe ist, muss ab 12 Uhr geheizt werden. „Das ist hier in St. Pankratius ganz einfach“, betont Küsterin Anja Thiel und verweist auf den Schaltkasten, der zumindest für die Wochenend-Gottesdienste vorprogrammiert ist.

Küsterin Anja Thiel kümmert sich auch um die Säuberung der Lüftungsmatten in der Pankratiuskirche. Foto: Manfred Böckmann

Dass zu Messen an Wochentagen nicht mehr geheizt wird, gilt in Warstein seit nunmehr zwei Jahren. Da sind die Gottesdienste auch kürzer. Die größten Posten im Kirchenbudget seien nun einmal das Personal und die Energie; „die Kirchen aufzuheizen ist da schon eine große Nummer“, so Wulf. Den Organisten gefällt die Maßnahme an den Wochentagen nicht so sehr, bekommen sie doch schnell kalte Hände.

Mit Temperatur arrangiert

Die Gläubigen haben sich mit den Temperaturen zumeist arrangiert, ihnen reichen die 15 Grad zum Sonntagsgottesdienst in der Regel aus. „Schwierig sind nur die Übergangszeiten“, weiß der Dechant. Also dann, wenn es draußen bereits wärmer und die Kleidung dünner wird, es dann im Gotteshaus eventuell sogar kälter als draußen ist.

Und auch bei Konzerten fordern die Aufführenden höhere Temperaturen, „das führt dann schon mal zu Diskussionen“, weiß Dechant Wulf, „da verhandeln wir über jedes Grad“.

Denn es sind nicht nur die Kosten, die das Heizen einer Kirche fast schon zu einer Kunst werden lässt: Wird statt über einen Wärmetauscher über warme Luft, die in die Kirche geblasen wird, geheizt, verdreckt die Luft die Kirchenwände schneller – das merke man vor allem im Suttroper Gotteshaus, weiß Anja Thiel, die auch dort Küsterin ist.

Noch problematischer ist jedoch der mögliche Schimmel-Befall. „Das ist ein überörtliches Problem“, betont Dechant Thomas Wulf. Orgelbauer berichten, dass diese Probleme seit rund zehn Jahren zunehmen; eine wissenschaftlich fundierte Begründung dafür gibt es nicht. Möglicherweise spiele auch der Klimawandel eine Rolle. In der Alten Kirche sowie in Hirschberg muss die Orgel nun aufwändig gereinigt werden. Um das Phänomen besser verstehen zu können, werden in St. Petrus sowie in der Alten Kirche die Klimawerte kontinuierlich aufgezeichnet und ausgewertet. In der Petruskirche hat man nach der ersten Auswertung bereits einen Trockner installiert, der die Feuchtigkeit aus der Luft zieht.

Junge frieren eher

Es ist also nicht nur der Spar-Gedanke, der eine wohlige Temperatur in den Kirchen verhindert. Wobei, glaubt Küsterin Anja Thiel, die älteren Menschen bei den Temperaturen eher Kompromisse machen, „die jungen Leute heizen daheim stärker“ – und frieren dann eher in der Kirche.

Manfred Böckmann

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2015-01-22 08:00
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