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Fred Heinze erringt Kaiserwürde

23.05.2008 | 18:05 Uhr

Einen solchen Schießmarathon hat es in der 175-jährigen Geschichte der Sichtigvorer St. Georg Schützen noch nicht gegeben.

Nach vier Stunden besiegte Fred Heinze den zähen Aar und sicherte sich mit dem 433. Schuss im Jubiläumsjahr den Kaiser-Titel. Er wählte seine Frau Margarethe zur Kaiserin, die 1989 als Königin an seiner Seite stand.

Eine große Publikumsschar hatte sich an diesem sonnigen Fronleichnamstag unter der Vogelstange im Haselfeld versammelt, um den spannenden Wettbewerb zu verfolgen. Aus luftiger Höhe blickte der von Heinz Schönemann gebaute Kaiservogel „Franz Andreas” — benannt nach dem Großvater des amtierenden Kaisers Helmut Frigge, der zum 100-Jährigen Schützen-Kaiser in Sichtigvor war — auf das froh gelaunte Schützenvolk herab. Bevor es jedoch richtig losging, ließ Oberst Thomas Schulte das amtierende Kaiserpaar Helmut und Elisabeth Frigge hochleben, das seit 25 Jahren den Titel innehatte. Damals, beim Kaiserschießen zum 150-jährigen Jubiläum, erlegte Helmut Frigge den Aar mit dem 147. Schuss — „im strömenden Regen”, wie Schulte berichtete.

Der Kaiser eröffnete auch den Reigen der Ehrenschüsse; ihm folgten König Hubert Geisthoff, Oberst Thomas Schulte, Ehrenoberst Josef Menning, Ehrenmajor Horst Lehmenkühler, Präses Josef Sauerwald und Ortsvorsteher Friedel Sprenger.  Rainer Grundhoff, der das Vogelschießen moderierte, stellte die 31 ehemaligen Könige, die zum Schießen um den Kaisertitel antragten, jeweils namentlich vor und erinnerte an das Jahr ihrer Regentschaft. Diese liegt bei Karl Kemper, der 1958/59 regierte, schon 50 Jahre zurück; er eröffnete den ersten Durchgang. Alle waren ganz heiß auf Titel — doch der überaus stabile Aar ließ sich durch die gezielten Schüsse nicht beeindruckten.

Der erste Lichtblick: Mit dem 118. Schuss holte Günther Straßburg den Apfel, das Zepter sicherte sich Franz-Josef Frenz mit dem 193. Schuss. Auch Oberst Schulte zielte gut: Der rechten Flügel fiel herab — allerdings verspätet mit Windunterstützung und kurz bevor der nächste Schützen seine Salve abgeben konnte. Schulte ärgerte sich, dass es nicht der goldene Schuss war: „Das darf doch nicht wahr sind”. Den linken Flügel entriss Ludger Kramer dem Aar mit dem 261. Schuss. Die Schwanz-Federn des Vogels schoss Hartmut Peitz herunter — „er ist unser Hinterteil-König”, kommentierte Grundhoff den Treffer. Mit steigendem Patronenverbrauch — Schießmeister Hubert Falkenstein sorgte für einen reibungslosen Ablauf — wuchs die Ungeduld der Schützen.

Manchmal wackelte der Vogel bedrohlich, leistete aber Widerstand. Fassungslos blickte auch Matthias Klemmt nach einem gezielten, aber erfolglosen Treffer auf den Rumpf des Aars: „Das gibt es nicht, das gibt es nicht”, ärgerte er sich. „Es ist ein Drama”, fühlte Moderator Grundhoff mit den Anwärtern und konnte den Besuchern nur raten, sich mit Grillwürstchen und Waffeln zu stärken. Er feuerte mit Hilfe der jeweiligsn „Fanclubs” die Schützen an: „Wir starten die 17. und voraussichtlich letzte Runde” — doch damit lag er falsch, weitere Durchgänge folgten. „Jeder gönnt es jedem”, sah Grundhoff den verzweifelten Bemühungen zu.

Dann erlöste Fred Heinze nach fast vier Stunden die Wartenden und ging als Sieger aus dem dramatischen Wettkampf hervor. Der 63-jährige Rentner, bekannt auch als Vogelbauer von Waldhausen und Mülheim, regierte 1989 die Sichtigvorer Schützen — damals reichten allerdings 134 Schuss zum Königstitel. Nachdem das Kaiserpaar auf dem Festplatz die Glückwünsche entgegen genommen hatte, ging es zur St. Georg Straße, wo Fred und Margarethe Heinze unter der Kaiserkrone die Parade der Schützen und ehemaligen Könige abnahmen.

Das Paar steht am Sonntag, 1. Juni, um 14 Uhr im Mittelpunkt beim Jubiläums-Festzug durch Sichtigvor. Am Tag davor findet bereits der Festabend mit Festball im Haus Teiplaß statt.

Fred Heinze erringt Kaiserwürde

Susanne LOEBBERT

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