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Erlöserkirche steht auf der Kippe

22.01.2015 | 08:00 Uhr
Erlöserkirche steht auf der Kippe
Festgottesdienst 50 Jahre Erlöserkirche Kallenhardt.Foto: Rilana Teipel

Kallenhardt.   Es geht ums Ganze, um den Erhalt der Erlöserkirche in Kallenhardt. Ortsvorsteher Anton Cramer schlägt Alarm. „Nach nur zwei Generationen ist die Existenz stark gefährdet“ schreibt er in der Einladung zu einer Bürgerversammlung.

Es geht ums Ganze, um den Erhalt der Erlöserkirche in Kallenhardt. Ortsvorsteher Anton Cramer schlägt Alarm. „Nach nur zwei Generationen ist die Existenz stark gefährdet“ schreibt er in der Einladung zu einer Bürgerversammlung. Bei dieser soll es ausschließlich um die aktuelle Situation des erst vor 50 Jahren eingeweihten evangelischen Gotteshauses gehen. Der Alarmruf ist mehr als berechtigt, wie die Nachfrage bei Pfarrer Uwe Müller ergibt. Er ist in der Evangelischen Kirchengemeinde Warstein, zu der auch der frühere Pfarrbezirk Rüthen gehört, für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

„In der 2012 erarbeiteten Gemeindekonzeption ist festgeschrieben, dass eine Halbierung der Kirchensteuermittel, die in den Erhalt der Erlöserkirche fließen, bis 2016 erreicht werden muss“, erklärt Müller.

„Ob die Kirche aufgegeben wird oder erhalten werden kann, richtet sich danach, ob dieses Ziel erreicht wird.“ Infrage kommt dafür neben den reinen Einsparungen auch ein finanzieller Beitrag der Kallenhardter – nicht nur der wenigen Evangelischen im Ort. „Die Frage ist, was bedeutet die Kirche dem Dorf Kallenhardt und will die Dorfgemeinschaft einen Beitrag zu ihrer Finanzierung leisten?“, umreißt Uwe Müller den Rahmen dessen, was bei der Bürgerversammlung am 4. Februar besprochen werden soll.

Zahlen auf den Tisch

Dann kommen auch die konkreten Zahlen auf den Tisch, verspricht der Pfarrer. In offizieller Funktion vertreten wird die Kirchengemeinde von Pfarrerin Jutta Schorstein als Vorsitzender des Presbyteriums sowie Peter Sinn. Er ist nicht nur Diakoniepfarrer, sondern hat als so genannter Fundraiser eine Zusatzausbildung absolviert, mit deren Hilfe er im Kirchenkreis Arnsberg nach alternativen Einnahmequellen Ausschau hält.

Nicht mit Summen, wohl aber mit Zahlen, was die Kirchenglieder betrifft, kann indes Uwe Müller bereits aufwarten. Sie verdeutlichen, warum die Schließung der Erlöserkirche überhaupt eine Option ist: In Kallenhardt gibt es demnach nur noch 190 Evangelische. „Wenn man das zum Maßstab nähme, hätte die Kirche längst geschlossen werden müssen“, so Pfarrer Müller. Kaum besser ist das Verhältnis, legt man den gesamten ehemaligen Pfarrbezirk Rüthen zugrunde: Noch zwei Kirchen – die Apostelkirche steht bereits zum Verkauf – und ein Gemeindehaus für 1200 Menschen. Zum Vergleich die Situation in Warstein: Hier gehören 2500 Gemeindeglieder zum Einzugsbereich der Martin-Luther-Kirche. Und noch eine Zahl: An Silvester habe er den Gottesdienst in der Erlöserkirche mit sechs Besuchern gefeiert, drei davon waren Beteiligte, wie etwa der Küster. „Wenn eine Kirche voll wäre, würde man gar nicht darüber reden sie aufzugeben.“

„Wir müssen aufpassen, dass der Gebäudeunterhalt nicht die Mittel für die Gemeindearbeit auffrisst“, beschreibt Uwe Müller das Hauptproblem. Dieses stelle sich jetzt trotz des noch guten Kirchensteueraufkommens, erst recht aber wenn diese zurückgehen. In der Nachkriegszeit habe die Evangelische Kirche bedingt durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen nicht nur hier stark in Gebäude investiert. Schon seit über einem Jahrzehnt sei statt des weiter erhofften Zuwachses an Menschen der Rückgang spürbar.

Nur Lippenbekenntnisse?

Müllers Dank gilt dem Arbeitskreis Erlöserkirche, der seit längerer Zeit schon bemüht ist, diese mit (neuem) leben durch besondere Angebote wie Taizéandachten zu erfüllen. Nur kämen die Besucher überwiegend nicht aus Kallenhardt. Und: „Sie kommen wegen der besonderen Angebote, nicht wegen der Erlöserkirche“, glaubt Uwe Müller. Wenngleich diese bei der Feier ihres 50-jährigen Bestehens im April 2014 als „Schmuckkästchen“ gepriesen wurde. „Jetzt können die Menschen zeigen, ob das nur Lippenbekenntnisse waren“, sagt Müller.

Armin Obalski

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2015-01-22 08:00
Warstein