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Peter Wessel

Ein Großteil meines Lebens war die Musik

05.10.2012 | 09:15 Uhr
Ein Großteil meines Lebens war die Musik
Peter Wessel auf dem Balkon seines Geburtshauses mit Belecke im Hintergrund. Am 5. Oktober 2012 wird der pensionierte Pädagoge und Chorleiter 80 Jahre alt.Foto: Manfred Böckmann

Ist das ein Blick! Vom Propsteiberg auf Belecke im Tal zu schauen. Die Aussicht kann Peter Wessel täglich genießen. Und heute können dies auch seine Gäste, denn dann feiert der langjährige Leiter der Möhnetal-Hauptschule und begeisterte Chorleiter seinen 80. Geburtstag.

Den Anbau in dem alten Haus am Propsteiberg, in dem Peter Wessel am 5. Oktober 1932 zur Welt kam, nahm er 1998 in Angriff – einschließlich langwieriger Diskussion mit dem Denkmalamt: Das wollte nämlich den Anbau zunächst abgesetzt vom übrigen Haus haben. Zum Glück ist es nicht dazu gekommen, die Diskussionen haben sich gelohnt. Die Gäste zum heutigen Ehrentag werden sich freuen, ebenso die sechs Kinder und zwölf Enkel, die am Wochenende gratulieren werden – sie reisen unter anderem aus Hamburg, aus Bonn und vom Bodensee an.

Erster Leiter der Hauptschule

Ganz so weit zog es Wessel zu Beginn seines Berufslebens nicht – das war aber auch die Zeit, in der er nicht in Belecke wohnte. Seine erste Lehrerstelle trat der Junglehrer in Beringhausen bei Bredelar an, nach fünf Jahren ging es als Dorflehrer nach Brunskappel, ehe er im Mai in die Heimat kam; da trat Wessel eine Stelle in Niederbergheim an. Als die Trennung von Haupt- und Grundschule vollzogen wurde, 1968, bewarb sich der Belecker als Schulleiter der Hauptschule Belecke. Und der blieb er bis zur Pensionierung 1996 treu. Ab 1967 engagierte sich Wessel zudem als Arbeitgemeinschafts-Leiter in der Lehrer-Ausbildung, war Beisitzer bei Lehrerprüfungen – und stellt rückblickend fest: „Man selbst hat auch viel dabei gelernt.“

Belecke war übrigens wohl die erste Hauptschule im Kreis Arnsberg, in der die Schüler auch den Realschul-Abschluss in Klasse 10 erwerben konnten. Sein Engagement bei der Lehrerausbildung war sicherlich ein Grund dafür. Wessel: „Das hatte natürlich gewisse Vorteile.“ Auch italienische Lehrer (für die Gastarbeiterkinder) gehörten zum Kollegium. Diese sollten den Kindern auch Deutsch beibringen; Wessel war in dieser Angelegenheit mehrfach in Düsseldorf.

Damals bot man ihm dort auch einen Posten als Schulrat an – den aber lehnte der Belecker ab. Denn dann hätte er wohl seine zweite Leidenschaft beenden müssen: Der Chorgesang. Wessel: „Ich wollte den Chor nicht aufgeben.“

Das ist, rückblickend betrachtet, mehr als verständlich. Den Männerchor (MC) Pankratius Belecke leitete er von 1962 bis 2000, den MGV 1858 Warstein 20 Jahre bis 2004. Hinzu kam, für einige Jahre, der MGV Cäcilia Allagen.

Gesang breiter aufstellen

Wessel gelang es dabei, den Gesang breiter aufzustellen. „Wir wollen nicht immer nur Männerstimmen hören“, hieß es – Wessel handelte. Aus einer lockeren Frauen-Singgemeinschaft im Möhnetal formte er zusammen mit den Belecker Sängern eine Chorgemeinschaft, die ihr erstes großes Konzert zur Einweihung der Belecker Aula gab. Wessel wollte gerade auch junge Leute für die Musik begeistern.

Aber er forderte auch: 1981 sicherten sich die Belecker Männer erstmals den „Meisterchor“ – nach jeweils fünf Jahren wurde der Titel erneuert, insgesamt vier Mal. Auch der MGV 1858 (Wessel: „Ein sehr ehrgeiziger Chor!“) konnte sich mit den Titel „Meisterchor“ schmücken, holte zweimal die Zuccalmaglio-Medaille. Den Belecker freut es, die „Rivalität“ zwischen den Chören in Belecke und Warstein ein wenig geglättet zu haben – so fand mindestens jährlich ein gemeinsames Konzert statt.

„Ein Großteil meines Lebens war die Musik“, formuliert der Jubilar, der sogar mit den Sängern im Petersdom in Rom war und bei einer Audienz dem Papst ein Ständchen gebracht hat.

In der Plattdeutschen Schule

Nach der Pensionierung als Lehrer, bis zur großen Fusion mit Lippstadt, engagierte sich Peter Wessel als VHS-Ortsringleiter – und Englisch-Lehrer für Erwachsene. Bei der Plattdeutschen Schule ist er seit der Gründung 1997 mit dabei, widmet sich vor allem der Spracharbeit und der Grammatik, engagierte sich zuletzt (und jetzt wieder) bei einem Plattdeutsch-Kinderprojekt. Gleichwohl befürchtet er: „Wir werden die Sprache nicht erhalten. Da können wir machen, was wir wollen.“

Peter Wessel wäre übrigens am liebsten Bauer geworden, „aber da fehlte die Frau mit Hof“, antwortet der Jubilar schelmisch, warum daraus nichts wurde. Dabei hatte ihm die Arbeit bei Onkel und Vetter in den Ferien stets viel Spaß gemacht. Auch Jurist wäre eine Möglichkeit gewesen – das lehnte die Mutter ab; er könne doch „nicht mit der Schlechtigkeit anderer Geld verdienen.“

Also wurde er Lehrer und Chorleiter. Obwohl: Jetzt, mit 80 Jahren, widmet er sich der Gartenarbeit, freut sich über geerntete Früchte aus dem Garten. Außerdem wandert der Jubilar gerne. Und er singt beim MGV, wo er Ehrenmitglied ist, „aber die Stimme lässt nach.“

Heute Abend braucht er allerdings nur zuzuhören: Die Sänger aus Warstein und Belecke haben sich beim Träger des Bundesverdienstkreuzes, dem auch die WESTFALENPOST gratuliert, für ein Ständchen angesagt.

Manfred Böckmann



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