Vortrag über Amtmann
Ein Bayer stellte in Warstein die Weichen
09.02.2010 | 17:12 Uhr 2010-02-09T17:12:00+0100
Warstein. Auf ein bewegtes Leben, in dem er für Warstein eine Menge bewegt hatte, blickte Johann Ernst August Koffler zurück, als er 1886 im Alter von 71 Jahren starb.
„Der Amtmann und sein Amt” stand im Mittelpunkt eines Vortrages von Dietmar Lange im übervollen Festsaal des Hauses Kupferhammer.
Das Haus, in dem Amtmann Koffler lebte und arbeitete, ist längst verschwunden; von der „repräsentativen kleinen Amtsstadt”, zu der er laut Dietmar Lange Warstein gemacht hatte, wenig geblieben; sein Grab ist abgeräumt. Und doch: Johann Ernst August Koffler interessiert bis heute. „Ich sehe, dass sowohl das Thema als auch das Haus und seine Umgebung Ihr Interesse finden”, sagte Manfred Zimmermann von den Freunden und Förderern des Hauses Kupferhammer, gemeinsam mit der SGV-Abteilung Gastgeber dieser Veranstaltung.
Immer wieder keimt heutzutage in Vorwahlzeiten die Frage auf, ob nur ein „echter” Warsteiner die Stadt wirklich voranbringen könne. Der Mann, der laut Lange im 19. Jahrhundert die „entscheidenden Weichen gestellt” und dafür gesorgt hatte, dass Warstein sich „von der Landgemeinde zur richtigen Stadt und Sitz des Amtes entwickelte”, war kein gebürtiger Warsteiner. Kein Westfale, kein Preuße — er war Bayer! Beide Elternteile stammten aus Bayern. Johann Ernst August Koffler selbst indes wurde am 13. Februar 1815 in Kanth bei Breslau (Schlesien) geboren.
Geschuldet war dies der militärischen Karriere des Vaters, der als Premierleutnant dort stationiert war. Auch in die Nähe heimischer Gefilde brachte der Beruf Vater Kofflers die Familie. In Warendorf bezog sie Quartier, und als sich Johann Ernst August als ungeeignet für die vom Vater angestrebte Militärkarriere erwies, ließ dieser seine Beziehungen spielen und brachte ihn in der Kreisverwaltung in Arnsberg unter, wo er als Kopist arbeitete. Es begann das bewegte Berufsleben Kofflers. Immer auf der Suche nach dem Auskommen mit dem Einkommen, wird er Bürgermeister des kleinen Oeventrop, dann außerdem von Freienohl, später von Allendorf, dann Hüsten. Schließlich kehrt er in die Kreisverwaltung zurück, bis ihm das Amt Warstein ins Auge fällt, dessen kommissarischer Leiter er 1852 und endgültig 1855 wird.
„Missverhältnisse”, „viele Prozesse” — das ist es, was Koffler an Warstein negativ auffällt, wie es in seinem bis heute erhaltenen Bewerbungsschreiben nachzulesen ist. Aber er findet auch Positives: Ein „schönes Büro” und eine „gut geführte Registratur” — entscheidend für einen Mann, den Dietmar Lange als „absolut akribisch, fast schon pedantisch” charakterisiert.
Seinen Dienst- und Wohnsitz bezog Koffler im 1833 erbauten Gebäude an der Ecke Haupt- und Dieplohstraße, dem späteren Amtsgericht. „Mit seinem Dienstantritt kam er mitten hinein in den Kirchenneubau als erstes großes Projekt”, berichtete Lange. Bald aber bekam der Amtmann es auch mit Misshelligkeiten zu tun. Es ging um 188 Altberechtigte am Warsteiner Wald. Nach einem siebenjährigen Prozess, der bis nach Berlin führte, war der „Wald als gemeinsames Wirtschaftsgut, so wie wir ihn heute noch kennen” installiert.
Die Verständigung mit der Evangelischen Kirchengemeinde und deren Kirchenbau, die Gründung der Hospitalbruderschaft, das Errichten des Krankenhauses, die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr und die Einrichtung eines höheren Schulwesens inklusive Bau des Progymnasiums — dies alles geht auf Koffler zurück. Gewürdigt wurde er zu Lebzeiten anlässlich eines Dienstjubiläums mit einem stattlichen Sekretär, gekrönt vom Stadtwappen. Bis heute ist das Möbel im Besitz eines Ur-Ur-Enkels in Dortmund. Außerdem wurde in den 1950er Jahren die Kofflerstraße nach dem Amtmann benannt, der bis zu seinem Tod im Dienst war. Sein Nachfolger wurde Otto Schmitz (1887-1912).
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