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Warsteiner in Mosambik

Durch Sprache Sicherheit im Alltag vermitteln

27.09.2012 | 07:00 Uhr
Durch Sprache Sicherheit im Alltag vermitteln
Oliver Kröger, gebürtig aus Warstein, arbeitet in Mosambik als Bibelübersetzer.Foto: privat

Warstein. Als Sauerländer ist man manch widriges Wetter gewöhnt, die derzeitigen Temperaturen sind da eher angenehm. Den gebürtigen Warsteiner Oliver Kröger lässt der milde Herbst trotzdem frösteln. „Ich habe mich klimatisch umgestellt, die Sauerländer Kälte halte ich nicht aus“, meint Kröger. Er und seine Frau Heidrun sind seit 1995 als Bibelübersetzer für die Missionsgesellschaft Wycliff in Mosambik tätig. Im Rahmen ihres Heimaturlaubes werden sie am Wochenende auch in Warstein zu Gast sein.

Die Entscheidung, als Bibelübersetzer in Länder der Dritten Welt zu arbeiten, ist für Oliver Kröger schon früh gefallen. „Ich war damals 16 Jahre alt, als es einen synodalen Jugendtag gab. Da war in Meschede ein alter Herr zu Gast, der Dias von Nepal gezeigt und von seiner Arbeit berichtet hat. Das fand ich so toll – das wollte ich auch machen.“

In Tansania und Kenia unterwegs

Nach seinem Abitur am Warsteiner Gymnasium und dem Zivildienst studierte Oliver Kröger daher Afrikanistik, Sprachwissenschaften und Völkerkunde. Um zu sehen, ob er die richtige Entscheidung getroffen hatte, besuchte er für mehrere Monate Tansania und Kenia, trampte durch die Länder, lernte Kultur und Menschen kennen. „Das passte einfach.“

1995 ging er daher nach Mosambik, wo er einerseits einheimische Sprachen erforscht und andererseits auch Hilfestellung bei der Alphabetisierung gibt. Zwei Drittel der Bevölkerung sind Analphabeten. „Sie kommen in die Schule und werden in einer Sprache – in Mosambik Portugiesisch – unterrichtet, die sie nicht verstehen. Das funktioniert nicht.“

Zunächst musste Kröger wissen, welche Sprachen tatsächlich in den Dörfern und Familien gesprochen werden. „In den ersten Jahren bin ich in Mosambik viel herumgereist.“ Dabei erfuhr er oft, welche Probleme die Menschen haben, wenn sie ihre eigene Sprache sprechen, obwohl die Amtssprache Portugiesisch ist: „Die Realität geht an den Leuten vorbei. Wenn sie in die Stadt kommen, können sie keine Gesetzestexte verstehen.“ Daher sei es wichtig, die Sprache der Menschen in Schrift zu fassen. „Wenn die Leute ihre Rechte kennen, nehmen sie die auch wahr.“ Und das gelte auch für die Religionsfreiheit.

Um die Bibel in Afrika bekannter zu machen, ist daher nicht nur die Übersetzung, sondern auch die Alphabetisierung wichtig. So bietet Krögers Organisation nicht nur beim Unterrichtskonzept für Kinder Hilfestellung. Wichtig ist auch Leseunterricht für Erwachsene. „Wir arbeiten Seite an Seite mit Linguisten.“

Bereut hat Oliver Kröger den Schritt, als Sprachwissenschaftler und Bibelübersetzer nach Afrika zu gehen, nie. „Ich habe das Gefühl, das stimmt für mich. Ich bin am richtigen Platz.“ Dort könne er Menschen begleiten, wo wirklich Hilfe gebraucht wird. „Das Leben dort ist einfach unser Ding – und das ist gut.“ Froh sind die Krögers daher auch, nach zwei Jahren in Halver im Oktober wieder zurück in die afrikanische Heimat zu fliegen. „15 Jahre in Afrika sind so lang, da hat man sich einfach mentalitätsmäßig umgestellt.“ Auch wenn er in Afrika die grünen Wälder des Sauerlandes vermissen werde, eines vermisse er sicherlich nicht: „Ich war geschockt, wie respektlos hier die Menschen sind. Wegen jeder Kleinigkeit wird sofort gepöbelt. Das ist in Afrika anders. Für uns, die wir anders leben, war das echt schockierend.“

Von Tanja Frohne



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