„Doppelpass“ für 1469 Warsteiner
27.01.2012 | 14:00 Uhr 2012-01-27T14:00:00+0100
Warstein.Warstein wird immer mehr Multi-Kulti: Zum 31. Dezember 2011 hatten 9,1 Prozent aller Einwohner (auch) einen ausländischen Pass.
Auch deshalb, weil es neben 1106 „typischen“ Ausländern weitere 1469 Warsteiner gibt, die neben dem deutschen Ausweis auch noch den eines weiteren Staates besitzen.
Die Zahl der Bürger ohne deutschen Pass hat sich seit 1991 um 8,1 Prozent verringert (von 1204 auf 1106), die Gesamt-Bevölkerung ist in dieser Zeit „nur“ um 4,9 Prozent (von 29 617 auf 28 161) geschrumpft. Die Entwicklung sei sicher auch „demografiebedingt“, glaubt Christoph Schmidt vom Standesamt – es gebe eine gewisse Fluktuation wie bei den Deutschen auch.
Hinzu kommt aber insbesondere, dass längst nicht mehr so viele Asylsuchende in Warstein leben und gemeldet sind. Josef Pieper vom Fachdienst Soziales bei der Stadt erinnert sich noch an die 200 bis 300 Fälle in den 1990er Jahren. Von dieser Zahl habe man sich längst „weit entfernt“; aktuell wohnen rund 70 Asylsuchende in Warstein.
Das hat auch zur Konsequenz, dass die Stadt Ende des Monats ein Übergangsheim in Warstein schließt – in den zwei verbleibenden Häusern in Warstein und Niederbergheim sind 120 Plätze vorhanden; langjährig in Warstein lebende Betroffene sind auch in normale Mietwohnungen untergebracht.
Die Zahl der „Doppelstaatler“ ist hingegen von 430 Ende 1991 um ganze 242 Prozent auf 1469 zum Jahresende 2011 explodiert. Standesbeamter Christoph Schmidt vermutet hinter dieser Zahl die Auswirkung von Gesetzesänderungen. Im Jahre 2000 wurde nämlich das Staatsangehörigkeitsrecht geändert – mit dem Ziel, Einbürgerungen zu erleichtern. Das hat zur Folge, dass bundesweit heute rund 50 Prozent der Einbürgerungen doppelte Staatsbürgerschaften bedeuten: Speziell bei EU-Bürgern sind die Auflagen deutlich gesenkt worden.
Für Schmidt ist diese Entwicklung „ganz normal“, er sieht mehr Multi-Kulti als „richtig“ an. Auch beim Kreis Soest, wo die Einbürgerungen bearbeitet werden, glaubt man, dass es sich wie anderenorts vor allem um EU-Bürger handelt. Presse-Sprecher Wilhelm Müschenborn: „Es ist wahrscheinlich, dass das auch auf Warstein zutrifft.“
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