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Die Spur 16.78

08.09.2009 | 16:49 Uhr
Die Spur 16.78

Soest/Arnsberg. Im Mordprozess "Ursula Scheiwe" standen am 3. Verhandlungstag die DNA-Untersuchungen im Mittelpunkt, die zur Festnahme des Angeklagten Jörg B. geführt haben.

Kann man vergessen, dass man einen Menschen getötet hat? Funktioniert der Selbstschutz so gut, dass man sich nicht mehr an die Schreie und das Blut erinnern kann, als das Messer immer wieder niedergesaust ist? Kann man eine so abscheuliche Tat derart tief im eigenen Bewusstsein vergraben, dass man selber davon überzeugt ist, nicht der Mörder zu sein?

Äußerlich unbewegt

Auch am dritten Verhandlungstag sind es in erster Linie diese Fragen, die einen bewegen, wenn man den Angeklagten beobachtet. Äußerlich distanziert verfolgt er das Geschehen, blättert bisweilen in den Akten, die sein Rechtsanwalt Frank Klement vor sich aufgetürmt hat und schaut sich die Bilder an, die der Spurensicherer der Dortmunder Mordkommission während seiner Untersuchung gemacht hat, um seine Vorgehensweise zu dokumentieren.

Hohe Wahrscheinlichkeit

Dass der Verdacht gegen ihn auch gestern wieder ein Stückchen mehr erhärtet worden ist, scheint B. kalt zu lassen. Keine Regung ist auf seinem Gesicht zu erkennen, als die Genetikerin Dr. Katja Anslinger von der Rechtsmedizin München ihre Analysen erörtert.

Die Spur 16.78

Vor allem die Spur 16.78 dokumentiert eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Jörg B. in der Mainacht vor 22 Jahren am Tatort war. Das nämlich hat er bisher bestritten. „Man muss 23 Millionen Menschen untersuchen, um noch einmal einen zu finden, zu dem dieses Merkmal passt”, erklärt Dr. Anslinger. Besagte Spur haben die Spurenfinder aus Dortmund an einer gelben Wolldecke gefunden, mit der die Tote teilweise zugedeckt war.

Spurenfinder

Spurenfinder Norbert Krüger aus Dortmund, der gestern ebenfalls in den Zeugenstand berufen wurde, erklärte dem Gericht detailgetreu die Vorgehensweise in einem solchen Fall, damit man zu verwertbaren Ergebnissen kommt. Das aufwändige Verfahren, das mehrere Wochen in Anspruch genommen hat, dient einzig und allein einem Zweck: genetisches Material zu finden, das nur vom Mörder stammen kann.

Mehrere Proben

Mehrere solcher Proben hat Polizist Krüger aus der Wolldecke aber auch aus der Jogginghose, die das Opfer in der Mordnacht getragen hat, herausisoliert und vom Institut für Rechtsmedizin München untersuchen lassen. Die dort angewandten Untersuchungsmethoden sind unter Experten nicht ganz unumstritten. Allerdings - so Dr. Anslinger - werde von der Fachwelt nicht die Aussagekraft solcher Spuren angezweifelt, wenn es gelungen sei, diese zu analysieren.

Letzte Möglichkeit

Vielmehr werde kritisiert, dass durch das so genannte „Auswaschen” von zum Beispiel Kleidungsstücken anschließend keine Spuren mehr gefunden werden können. Daher stelle diese Untersuchungsmethode auch nur die letzte Möglichkeit dar. Dr. Anslinger: „Das macht man nur, wenn alle anderen Methoden keine Ergebnisse gebracht haben.”

Verteidigung zweifelt

Im konkreten Fall konnte so verwertbares DNA-Material gefunden werden, dass letztlich zur Festnahme des Angeklagte führte. Die Verteidigung um Rechtsanwalt Frank Klement versucht derweil die Aussagekraft dieser Analysen in Zweifel zu ziehen und kritisiert insbesondere, dass die Beweisstücke 22 Jahre lang nicht sonderlich fachgerecht aufbewahrt wurden. Dr. Anslinger betonte allerdings, dass wirkliche Gefahr einer DNA nur durch Feuchtigkeit oder Bakterien drohe. Dies sei aber nicht der Fall gewesen.

Der Prozess wird heute fortgesetzt.

Hans-Albert Limbrock

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25.06.2010
22:35
Die Spur 16.78
von fozzi | #1

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