Der Erfinder der SMS kommt aus Sichtigvor
28.01.2011 | 16:28 Uhr 2011-01-28T16:28:00+0100
Sichtigvor/Bonn. Vor fast 20 Jahren, am 3. Dezember 1992, wurde die erste SMS von einem PC an ein Handy verschickt. Einer der Erfinder dieser digitalen Form der Kommunikation ist Friedhelm Hillebrand, geboren und aufgewachsen in Sichtigvor, wo sein Vater bis 1956 Betriebsleiter der Kettenwerke Schlieper war.
Nein, ein schlechtes Gewissen hat er nicht, aber es ärgert Friedhelm Hillebrand (70) doch mächtig: „Dass heute sogar Liebesbeziehungen per SMS beendet werden, das schockiert mich doch. Soviel Courage sollte man haben, dass man telefoniert; mindestens telefoniert.“
Als er in den 80er Jahren als Projektleiter für mobile Kommunikation bei der Deutschen Bundespost den Auftrag bekam, ein Nachfolgenetz für das bereits etablierte C-Netz, das vor allem für Autotelefone genutzt wurde, zu entwickeln, konnte er beim besten Willen nicht ahnen, welchen Siegeszug wenige Jahrzehnte später Handys und der Mobilfunk antreten würden.
Rang ablaufen
„Entscheidend war“, so der Ingenieur der Nachrichtentechnik, der inzwischen in Bonn lebt, „dass wir uns in Europa trotz vieler nationaler Widerstände ziemlich schnell auf einen gemeinsamen europäischen Standard einigen konnten.“ Damit lief man den Asiaten und Amerikanern bei der Entwicklung den Rang ab und gab den Ton an.
128 Zeichen und später 160 Zeichen konnten mit einer SMS zunächst verschickt werden. Hillebrand: „Wir Entwickler wussten, dass ein Kurznachrichtendienst aus Kostengründen auf wenige Zeichen beschränkt sein musste. Bei viel längeren Nachrichten würden ja die Finger müde.“ Heute können viel längere Nachrichten per SMS verschickt werden, denn die einzelnen, Container genannten Datenpakete, die immer noch auf 160 einzelne Zeichen beschränkt sind, werden einfach zusammengefasst und verschickt.
Der endgültige Durchbruch der schnellen Nachricht sollte nach Markteinführung allerdings noch einiges auf sich warten lassen. Hillebrand: „Bezeichnend für die Einschätzung der Branche ist das Zitat eines Vodafone-Managers, der gesagt hat, warum soll ich etwas in die Tastatur reinhacken, wenn ich doch telefonieren kann.“
Zum Durchbruch hat der SMS schließlich die Jugend verholfen, die diese Art der digitalen Kommunikation als besonders schnelle und unkomplizierte Nachrichtenübertragung, die nicht von ihren Eltern und Lehrern beherrscht wurde, entdeckt hat. Erst als dadurch ein wahrer Boom ausgelöst wurde, musste für diesen Dienst auch bezahlt werden. Zuvor waren SMS kostenlos. Inzwischen werden jährlich in Deutschland über 40 Milliarden Kurznachrichten verschickt. Ein gigantischer und für die Telefongesellschaften lukrativer Markt. Hillebrand: „Das hat natürlich niemand ahnen können.“ Einer Studie aus den 80er Jahren zufolge galten 1 Million Mobilfunk-Nutzer in Deutschland als Utopie. Heute gibt es in unserem Land mehr Handys als Einwohner.
Nicht mehr missen
Reich geworden ist der Ingenieur durch seine „Erfindung“ im Übrigen nicht: „Ich habe das damals als Teil meiner dienstlichen Verpflichtungen im öffentlichen Dienst bei der Deutschen Bundespost Telekom gesehen.“ Friedhelm Hillebrand selbst nutzt SMS täglich „als Mittel der privaten und geschäftlichen persönlichen Kommunikation. „Ich möchte das auch nicht mehr missen.“
Zu seiner „alten Heimat“ Sichtigvor hat er übrigens noch beste Kontakte: „Ich bin noch regelmäßig dort, weil dort mein Onkel Hermann Schmidt sowie Cousinen und Vettern von mir leben.“ Wenn das Wetter wieder offener ist, steht ein nächster Besuch bei den Verwandten an. Den wird Friedhelm Hillebrand allerdings ganz klassisch per Telefon und nicht per SMS ankündigen…
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