„Das mit der Koffler-Gruft darf sich nicht wiederholen”
04.01.2010 | 18:00 Uhr 2010-01-04T18:00:00+0100Warstein. „So geht man nicht mit Geschichte um”, erzürnt sich Martin Wienert, Vorsitzender der CDU-Ortsunion Warstein. Nach dem Entfernen der historischen Gruft der Familie des Amtmanns Koffler auf dem Warsteiner Friedhof ist der Ratsherr alarmiert.
Die heimischen Christdemokraten machen sich auch Sorgen um andere geschichtlich bedeutende Grabmonumente.
In einem Antrag an den Rat fordert die Ortsunion daher beispielsweise, die Stadt möge ihren Pflichten in Hinsicht auf die Ehrengräber nachkommen. Als unrühmliches Beispiel wird das Grab der Familie des Kommerzienrates Bergenthal genannt. Er war Pionier der Industriealisierung im Warsteiner Raum und Erbauer des Stadtmuseums Haus Kupferhammer in seiner heutigen Gestalt. „Das Grabfeld ist ungepflegt, die Schrift der Grabsteine kaum lesbar, die Grabeinfassung beschädigt”, fasst Martin Wienert die Mängel zusammen, die allerdings derzeit die Schneeschicht darauf gnädig kaschiere.
Nicht akzeptieren will die Warsteiner CDU die Situation, die sich durch das Abräumen des Koffler-Grabes durch den damit beauftragten Betriebshof ergeben hat. Übrig geblieben ist nur eine Schotterfläche. „Dort, wo jetzt nichts mehr an ein Grab erinnert und eine unschöne Freifläche entstanden ist, handelt sich um eine frühere Grabstelle, die aufgrund der Bedeutung der Familie Koffler seit Jahrzehnten nicht mehr belegt worden war und von der Stadt auf ,niedrigem Niveau' in Stand gehalten wurde bzw. werden sollte”, betont Wienert in dem Antrag an den Rat. „Da hätte es andere Möglichkeiten gegeben”, meint er und nennt als Beispiel das Erhalten der reinen Grabumfassung und der beiden gusseisernen Kreuze darauf. „Das wäre ein Thema für den Arbeitskreis Friedhöfe gewesen”, sieht der Ortsunionsvorsitzende einen „Alleingang der Verwaltung”.
„Das Andenken an die Familie Koffler hätte etwas Besseres verdient”, glaubt Martin Wienert und zählt einige Verdienste des Amtmanns Johann Ernst August Koffler auf, durch die Warstein im 19. Jahrhundert grundlegend verändert wurde: „Die Errichtung der Pfarrkirche St. Pankratius durch die Stadt, die Errichtung des ersten Krankenhauses, die Kommunalisierung des Stadtwaldes mit der Folge weitgehender finanzieller Möglichkeiten, Ansiedlung und Förderung der Industrie, Errichtung des höheren Schulwesens, Post, Feuerwehr und WLE prägen bis heute die Struktur Warsteins.”
In einem Punkt des CDU-Antrages zeichnet sich bereits eine Lösung ab: Die Ortsunion fordert, dass zumindest die wertvollen Grabmäler, deren Denkmalwürdigkeit überprüft werden müsse, an Ort und Stelle wiederaufgestellt werden. Dies haben Bürgermeister Manfred Gödde und Ortsvorsteherin Elisabeth Wiese bereits zugesagt. Wieses Ehemann Winfried will für die Restaurierung der beiden beschädigten Eisenkreuze und ihrer Sandsteinsockel sorgen.
Vor dem Hintergrund der gemachten Erfahrung fordert die CDU aber auch, dass die Stadt in Zusammenarbeit mit den Ortsheimatpflegern und örtlichen Initiativen die Schutzwürdigkeit einzelner Grabsteine überprüfen und erfassen soll. „Das mit der Koffler-Gruft darf sich nicht wiederholen”, betont Wienert.
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