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Jakobsweg

Belecker auf Hape Kerkelings Spuren

13.10.2009 | 17:46 Uhr
Belecker auf Hape Kerkelings Spuren

Belecke. Seit Hape Kerkeling in seinem Bestseller "Ich bin dann mal weg" über ihn schrieb, ist er in aller Munde: Der Jakobsweg. Wer ihn pilgert muss körperlich belastbar sein, und sich vom Glauben leiten lassen, so wie Heinz-Josef Schönemann.

Der im Mittelalter berühmteste Pilgerweg an das Grab des Heiligen Jakobus — einem der drei Lieblingsjünger Jesu — wurde von der Europäischen Gemeinschaft vor Jahren wiederbelebt. Und er wird angenommen, wie der Belecker Heinz-Josef Schönemann aus eigener Erfahrung im Pfarrzentrum berichtete.

Heinz Josef Schönemann aus Belecke auf dem Jakobsweg

Er ging „seinen” Jakobsweg nach der Devise „Wenn nichts mehr geht, dann geh'”. Nach intensiver Vorbereitung, wobei vor allem darauf geachtet wurde, den Rucksack auf Optimalgewicht auszurichten, startete Heinz-Josef Schönemann, von Ehefrau und Töchterchen bis zum Stadtrand von Köln-Wahn begleitet, seinen von der Jakobusmuschel gezeichneten Weg nach Santiago de Compostela.

Muschel weist den Weg

Zunächst wies ihn die Muschel, Symbol des Fischersohnes Jakobus, durch Deutschland. Täglich legte der Belecker etwa 30 Kilometer zurück. In Vezelay ging es auf die längste Pilgerstrecke in Frankreich: „Man spricht immer von Spanien, aber unser Nachbarland widmet dem Schutzheiligen des Südeuropas die größte Aufmerksamkeit.”

Über drei Stunden, die zu keiner Zeit Langeweile aufkommen ließen, wurden die Zuhörer mitgenommen auf die oft qualvolle Pilgerreise des meditierenden, singenden und die Natur bewundernden Heinz-Josef Schönemann. Oft plagte ihn der Durst. Erfrischendes Wasser gab es dann im nächsten Haus: „Jedem Pilger muss Wasser gereicht werden.”

Meisterliche Fotos

Bezahlen ließen die Franzosen sich dieses Lebenswasser nie. Die unterschiedlichsten Herbergen beschrieb er aussagestark und visuell mit seinen meisterlichen Fotos. Er erzählte über die mächtigen Dome und Kathedralen, wie in Metz oder Burgos, die schneeweiß und voller Kunstschätze faszinieren. Er erzählte, wie ihm die kleinen Dorfkirchen oder schlichten Kapellen zu einer Oase der Kühle, der Ruhe und des Friedens wurden.

Sein Pilgerlager war meistens schlicht, doch manchmal gönnte er sich eine bessere Unterkunft. Auch sein Essen war einfach: Brot, Wurst und Käse. „Außerdem kochte ich meine Linsensuppe”, die er manchmal mit anderen Pilgern teilte. Diese Gefährten belebten oft seinen strapazösen Weg, so wie ein junger evangelischer Pfarrer, der ihm Abschnitte der Bibel auslegte.

Völkerwanderung

Am Tor zu den Pyrenäen seien über drei Wegstrecken die Pilger zusammengelaufen, ab da sei es eine Völkerwanderung gewesen. Außerdem wurde es nach der großen Hitze über die oft baumlosen Weiten plötzlich stürmisch und eisigkalt.

Das Baskenland bot bessere Übernachtungsmöglichkeiten, so auch im „Albergue casa Paderborn” in Pamplona, der Partnerstadt unserer Bischofsstadt.

Heinz Josef Schönemann aus Belecke auf dem Jakobsweg

Dann das große unbeschreibliche Erlebnis: Der Einzug mit vielen hundert Pilgern aus aller Welt in die prächtige und mächtige Kathedrale von Santiago de Compostela, das Umkreisen des Grabes des Apostels Jakobus, das Umfassen der Säule, das Besprühtwerden mit Weihwasser aus dem überdimensionalen Kessel von der Decke des Gotteshauses.

Ergreifend

Heinz-Josef Schönemann konnte seine Gefühle kaum in Worte fassen: „Es war ergreifend, es kamen die Tränen.”

Er legte seinen mitgebrachten Stein auf dem „Hügel der Steine” ab — und fuhr sogleich mit der Bahn nach Hause. „Dies hätte ich nicht tun sollen. Ich hätte noch verweilen sollen.” Aber nach drei Monaten für die 2400 Kilometer wollte er heim.

Traurig ist er über den Verlust des von seinem Vater Heinz Schönemann für ihn geschnitzten Pilgerstockes mit lateinischer Inschrift, die übersetzt heißt: „Was du kannst, wage”. Er ließ ihn in einem Kaufmannsladen stehen. Er wurde drei Pilgerinnen mitgegeben in der Hoffnung, sie würden ihn treffen — was nicht geschah.

Betty Römer-Götzelmann

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