Bäderfrage weiter unbeantwortet
17.03.2010 | 06:00 Uhr 2010-03-17T06:00:00+0100
Warstein. Die Frage nach der Zukunft der Warsteiner Bäderstandorte blieb auch gestern Abend unbeantwortet. Beobachtet von gut 80 Gästen vor allem aus Hirschberg und Sichtigvor lehnte es der Betriebsausschuss ab, über die Vorlage der Verwaltung in ihrer bisherigen Form zu beraten.
Noch nie bei einer Ausschusssitzung — und schon gar nicht bei dem sonst im stillen Kämmerlein tagenden Betriebsausschuss — war das Bürgerinteresse so groß. 40 Hirschberger waren in drei Bullis gekommen, um für den Erhalt ihres Bades zu kämpfen. Hinzu kamen Sichtigvorer sowie Vertreter von Senioren- und Behindertengruppen, die für das dortige Bad eintraten. „Was sind das viele”, staunte Stadtwerkeleiter Dr. Eckehard Büscher, als er mit Ausschussvorsitzendem Lothar Bräutigam (BG) von seinem Büro in den Sitzungssaal wechselte.
Dort herrschte, trotz aller Enge und trotz des mit Emotionen beladenen Themas „Strategiekonzept Bäder”, Ruhe und Sachlichkeit. Plakative Formulierungen wie „Wir wollen kein Allwetterbad”, die die Hirschberger auf Schilder geschrieben hatten, spielten keine Rolle. Stattdessen ließen Vertreter aus beiden Orten Zahlen sprechen, bevor sie das Wort ergriffen. 1100 Bürger hatten für den Erhalt des Sichtigvorer Schwimmbeckens unterschrieben, sogar 2927 für das Waldfreibad. „So viele Hirschberger gibt es doch dort gar nicht”, wunderte sich Bräutigam als er mit Büscher die Listen entgegennahm.
Die Ursache für die hohe Zahl nannte ein Vertreter der Hirschberger Jugend, die sich besonders für ihr Bad stark macht: „Es ist bemerkenswert, wie man in Hirschberg zusammenhält, ob Freund oder nicht!” Er brachte die Sorge vieler Jugendlicher zum Ausdruck, dass sie im Ort einen ihrer wesentlichen Treffpunkte verlieren. „Das Allwetterbad ist keine Alternative”, machte er klar. In die Zukunft blickte Andreas Goesmann, seit fast acht Jahren Vorsitzender des Fördervereins: „Es zeichnet sich ab, dass sich ein Verein bilden kann, der die Trägerschaft übernimmt, aber so, dass sich die Stadt nicht aus der Verantwortung stehlen kann. Die Frage ist, ob Sie den aufgezeigten Weg gehen wollen”, gab er den Ball an Politik und Verwaltung weiter.
Doch diese spielte ihn zunächst ins Aus. CDU und SPD bemängelten die Beschlussvorlage. Hubertus Jesse (CDU) vermisste darin aus dem Bädergutachten die Ein-Standort-Variante ebenso, wie die Alternative mit dauerhaft zwei Bädern und Klaus-Peter Weber (SPD) ging noch weiter, da unter dem „Aspekt größmöglicher Haushaltkonsolidierung” auch die Nullvariante (gar kein Bad mehr) beleuchtet werden soll. So muss die Verwaltung nun nachbessern. Damit ist Zeit gewonnen für jene Hirschberger, die sich die Trägerschaft des Waldfreibades durch einen Verein vorstellen können. „Ihnen muss man die Chance geben, sich darüber klarzuwerden, was auf sie zukommt”, meinte Alfred Mestermann (BG). Für ihn bedeutet diese Zeit, das Bad in diesem Sommer wie gehabt zu öffnen. Auch das ist jedoch eine Kostenfrage.
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